Täglich strömen 21 000 Passagiere durch den Bahnhof Dietikon, wo neben S-Bahnen und Schnellzügen auch 10 Buslinien und die BDWM-Bahn abfahren. Logisch, ist die Verkehrsführung im Dietiker Zentrum ein Politikum. Im Rahmen der Planung für die Limmattalbahn hat der Stadtrat eine Verkehrssimulation für die Jahre 2020 bis 2030 berechnen lassen. Neben den Verbindungen der geplanten Bahn sollen in Zukunft auch die Busse der Linien 305, 306 und 321 zusätzlich stadtauswärts über die Tramstrasse, zwischen Bahnhof und Löwenkreuz, fahren, statt wie bisher über die Bahnhofstrasse.

Gemeinderat Reto Siegrist (CVP) wünschte vom Stadtrat mit einer kleinen Anfrage mehr Transparenz über das erwartete Verkehrsaufkommen, zumal über diesen Teil der geplanten Verkehrsführung bisher stiefmütterlich kommuniziert wurde, wie er auf Anfrage sagt. Besonders interessierten ihn die Auswirkungen der zusätzlichen Verbindungen auf Fussgänger und Velofahrer.

«Das Gebäude löst Emotionen aus»: Reto Siegrist, hier im Foyer der Stadthalle, gibt nach 12 Jahren sein Amt als Präsident der Genossenschaft ab.

«Das Gebäude löst Emotionen aus»: Reto Siegrist, hier im Foyer der Stadthalle, gibt nach 12 Jahren sein Amt als Präsident der Genossenschaft ab.

In seiner Antwort sagt der Stadtrat, dass mit «den geplanten Umbauten die vorhandenen Kapazitäten für die Bewältigung des Verkehrs gut ausreichen werden.» Dabei würden die Berechnungen die zukünftigen Verkehrsbelastungen miteinbeziehen, aber auch die im Rahmen des Limmattalbahnkredits geplanten «kantonalen Massnahmen zur Zentrumsentlastung».

Verdopplung der Fahrten

Die Untersuchung zeigt, dass sich das tägliche öV-Verkehrsaufkommen an der Tramstrasse voraussichtlich verdoppeln wird – in der Stosszeit von 16 Fahrten pro Stunde auf 32, tagsüber von 12 auf 24. Die Erhöhung geht neben den zusätzlichen sechs Verbindungen der erwähnten Buslinien auf die Limmattalbahn zurück, die dereinst im 15-Minutentakt verkehren soll. Mit einem später geplanten 7,5-Minutentakt der Limmattalbahn würden maximal 40 Fahrzeuge pro Stunde die Tramstrasse durchqueren.

Siegrist freut sich, dass die Stadt «Klarheit geschafft hat», wie er auf Anfrage sagt. Allerdings seien bis zu 40 öV-Bewegungen pro Stunde eine grosse Herausforderung. Deshalb nehme er mit Erstaunen zur Kenntnis, wie entspannt «der Stadtrat wirkt und vermeintlich denkt: Das kommt schon gut.»

Dank der geplanten Doppelspur für die BDWM-Bahn sollen auch Fussgänger profitieren, weil die Wartezeiten an der Lichtsignalanlage verkürzt werden. Die in der Antwort erwähnte, verkürzte Umlaufzeit – die zusammengerechnete Dauer aller Ampelphasen – von 75 Sekunden machte Siegrist allerdings stutzig. Er habe kürzlich bei einem Selbsttest bloss 65 Sekunden gemessen, sagt Siegrist. Auch befürchtet er, dass letztendlich der motorisierte Individualverkehr mit kürzeren Grünphasen und somit mehr Stau leidtragend sein könnte.

Vergleich mit Stadelhoferplatz

Siegrist hinterfragt auch den in der Planung aufgestellten Vergleich mit dem Stadelhoferplatz in Zürich, schliesslich müssten im Dietiker Zentrum viele Menschen das Tramtrassee überqueren. Der Bezug zum Stadelhoferplatz begründet der Stadtrat damit, dass auch dort ähnlich viele Menschen die Fahrbahn überqueren müssten, um vom Platz zum Bahnhof zu gelangen. Gemäss Untersuchung würde die Mehrheit der Fussgänger in Dietikon sich nur entlang der Tramstrasse bewegen und sei nicht vom Verkehrsaufkommen betroffen.

Aktuell bewältige der Bahnhof Stadelhofen täglich 103 000 Passagiere, fast fünfmal so viele wie in Dietikon. Dennoch würden die in der Stosszeit bis zu 48 Fahrten um den Stadelhoferplatz den Fussgängerverkehr nicht stören. Deshalb ist der Stadtrat optimistisch, dass auch in Dietikon durch das erhöhte Verkehrsaufkommen keine an der Tramstrasse keine «Trennwirkung» für Fussgänger entstehen wird.