Die Gründung der Schweiz vor 723 Jahren habe sehr viel mit Mut zu tun gehabt, sagte Andreas Geistlich anlässlich der Bundesfeier. Der Schlieremer Gemeinderat und Kantonsrat trat gestern vor das Publikum der 1.-August-Feier auf dem Festplatz im Embri in Urdorf. Mut und Freiheit sollten die zwei grossen Themen seiner Rede bleiben. Ob es um die Beziehungen der Schweiz zur EU ging — «Die EU existiert, das ist ein Fakt. Auch wenn sie gravierende Mängel hat, müssen wir uns mit ihr arrangieren» — oder um die Verkehrsprobleme in der Region. Die Staus am Gubrist könnten nun, da der Ausbau nicht mehr blockiert ist, endlich aufhören, so Geistlich. «Auch die Limmattalbahn sei ein Jahrhundertprojekt», sagte er und ergänzte, dass die Lebensqualität in der Region steige, da die Zentren durch sie entlastet würden. Natürlich könne man unterschiedlicher Meinung sein, was die Linienführung angehe, und auch die gemischten Gefühle, die Alteingesessene gegenüber der Veränderung der Region hätten, findet Geistlich verständlich. «Die Entwicklung des Limmattals, die sich nicht aufhalten lässt, gilt es jedoch positiv zu gestalten», so Geistlich. Und dazu gehöre auch Mut. «Mut ist manchmal auch die Kraft, das Vertraute loszulassen.» Dies sei wichtig, denn schliesslich plane man die Region für die kommenden Generationen.

Tummelfelder für Regulierungen

Die Freiheit hat aber auch ihre Grenzen. «Viele Politiker überlassen den Behörden kaum noch Ermessensspielräume und wollen sich in die Wirtschaftsordnung einmischen», sagte Geistlich lakonisch. Man finde immer neue Tummelfelder für Regulierung, so der Freisinnige weiter. Aber auch die Medien würden «jeden politischen Käse» zu einer Schlagzeile hochstilisieren. «Auffallen tut man, wenn man ein neues Gesetz verlangt, nicht aber wenn man einen Vorstoss, der ein neues Gesetz will oder ein neues Gesetz eben nicht will, unterschreibt», fuhr er fort. So verlange er einen Prix Courage für den Politiker, der am wenigsten Vorstösse einreicht. «Der Staat soll die Freiheit schützen und nicht verordnen, die Politik soll vermehrt auf den mündigen und eigenverantwortlichen Bürger sowie auf eine mündige, eigenverantwortliche Wirtschaft setzen», appellierte Geistlich an die Politik.