Auf der Rennstrecke würde er eine gute Figur abgeben, schreibt der Hersteller über den Sportwagen mit Allradantrieb, mit dem ein 23-jähriger Schweizer an einem Freitagabend im vergangenen November von Schlieren nach Dietikon fuhr. Auf dieser Strecke, so stellte die Kantonspolizei fest, habe sich der Sportwagenfahrer immer wieder absichtlich zurückfallen lassen, «um kurz darauf seinen starken Wagen bei hoher Lärmemission stark zu beschleunigen». Auch an mehreren Ampelanlagen, die er passierte, habe er jeweils stark beschleunigt und dabei viel Lärm verursacht. Aus Sicht der Polizisten war es vermeidbarer Lärm – und darum strafbarer Lärm.

Als er zu Hause ankam, fing ihn die Kantonspolizei ab, um ihn zu kontrollieren. Sie stellte fest, dass beim Fahrzeug die Motorleistung nachträglich gesteigert worden ist. Diese Änderung am Motor war zwar legal, aber eben nur mit den nötigen Papieren – und diese hatte der Sportwagenfahrer nicht bei sich.

Der Fall landete beim Dietiker Statthalteramt. Es brummte dem jungen Autofahrer eine Busse von 500 Franken sowie Gebühren in Höhe von 430 Franken auf. Ergibt zusammen 930 Franken. Die nächtliche Ausfahrt wurde damit zu einem teuren Spass. Zu teuer, befand der arbeitslose Sportwagenfahrer. Er erhob Einsprache.

«Ja, mein Auto ist laut»

Gestern hatte darum der Dietiker Bezirksgerichtsvizepräsident Bruno Amacker über den Fall zu befinden. In Höchstgeschwindigkeit: Die Befragung dauerte rund fünf Minuten. «Ja, mein Auto ist laut. Aber es ist für jeden unterschiedlich, was Lärm ist. Und ich war nicht absichtlich laut, aus meiner Sicht war der Lärm nicht vermeidbar», hielt der Beschuldigte fest. «Mein Auto ist dort unten parkiert», sagte er weiter und blickte aus dem Fenster des Bezirksgebäudes in Richtung des grossen Parkplatzes beim Bahnhof. «Wenn ich nachher dort losfahre, ist es dann auch wieder laut.» Zum Dokument, das er bei der Polizeikontrolle hätte dabeihaben müssen, erklärte er, dass er das Auto nur Monate zuvor jemandem abgekauft habe und dieser habe ihm gesagt, es seien alle Dokumente dabei, die er brauche.

Er muss nur 20 Franken zahlen

Wegen des fehlenden Dokuments setzte es vor Gericht eine Ordnungsbusse von 20 Franken ab. Von allen anderen Vorwürfen wurde der Beschuldigte freigesprochen. «Das Fahrzeug hat den gesetzlichen Vorschriften entsprochen», stellte Richter Amacker fest. «Der Beschuldigte fuhr auch nicht zu schnell und machte keinen Schikane-Stopp», so Amacker weiter.
Und der «vermeidbare Lärm», den die Kantonspolizei wahrgenommen haben will? «Lärm ist sehr subjektiv. Ob es zu laut war, lässt sich nicht nach objektiven Massstäben beurteilen», so Amacker. Während sich die einen gestört fühlen, können die anderen bestens schlafen. Zudem könne die Polizei bei Geschwindigkeitsüberschreitungen auch nicht einfach sagen, ein Fahrer sei zu schnell gewesen – vielmehr brauche es verwertbare Messungen. Analog dazu reiche es auch nicht, wenn die Polizei einen Fahrstil als zu lärmig erachtet. Zudem dürfe man durchaus zügig losfahren, so Amacker weiter. «Man soll das auch am Rotlicht.»

Fazit: In Sachen Autolärm sind der Justiz die Hände gebunden, solange die Fahrer ihr Auto nicht auf illegale Weise modifiziert haben, zum Beispiel indem sie einen Klappenauspuff eingebaut haben.