Obwohl noch nicht alles perfekt eingerichtet ist, lässt sich bereits erahnen, wie der Spitzacker künftig daherkommen wird. Im halb offenen Korridor hinter dem Neubau an der Birmensdorferstrasse werden seit vergangener Woche die Ladenlokale bezogen. In der Wäscherei sind bereits sämtliche Kleiderstangen mit Hemden behangen und aus den Schaufenstern des Coiffeurs lächeln schon wohlfrisierte und kolorierte Models.

Die Bauarbeiten am Zentrum Spitzacker sind ziemlich genau in der Halbzeit angekommen. Dass nun schrittweise wieder Leben ins Urdorfer Zentrum einkehrt, dies ist nicht ganz korrekt. «Die Bauarbeiten wurden und werden jeweils bei vollem Betrieb ausgeführt», sagt Gerhard Lang vom Centermanagement der Migros Pensionskasse. Dies sei zwar logistisch herausfordernd, aber durchaus machbar. Neben den erwähnten Geschäften hat auch die Migros ihre angestammte Filiale im Spitzacker verlassen und ihr Provisorium am Ende der neuen Mall bezogen. «Dass diese Umbau- und Sanierungsarbeiten nötig waren zeigt auch die Reaktion der Kunden», sagt Lang. So würden viele die Meinung vertreten, dass das Migrosprovisorium viel übersichtlicher sei als die alte Filiale.

Der alte Standort der Migros liegt derweil unter einer dicken Decke von Bauschutt und Staub. Zudem dringt ein dröhnender, rumorender Klangteppich vom ehemaligen Zentrumsplatz her. Hinter einer weissen Abtrennung mit zwei Gucklöchern für Schaulustige sind die Arbeiten am kaum mehr zu erkennenden Innenhof gerade erst gestartet. Passiert man diese Schranke erwartet einen ein Bild der Zerstörung. Der Brunnen, vormals das Herzstück, ist genauso verschwunden, wie es die Wände zwischen den ehemaligen Ladenlokalen sind. Schutt, Staub und ohrenbetäubender Lärm dominieren den surrealen Ort.

Blickfang wird das Glasdach

Hier ist Raphael Borer der Chef. Als Bauleiter ist er die Ansprechperson für alle, wird ständig nach seiner Meinung gefragt, muss dann wieder einen Zettel unterschreiben. Erzählt er davon, wie es hier künftig aussehen wird, verfällt er einer gewissen Begeisterung. «Ein frei tragendes Glasdach mit einem Durchmesser von 26 Metern wird diesen Platz künftig decken und ihn das ganze Jahr nutzbar machen», sagt er. Und verweist sogleich darauf, dass aber erst die angrenzenden Ladeflächen fertiggebaut werden müssen. «Zwar arbeiten wir mit der bestehenden Bausubstanz. Die Ansprüche an den Brandschutz und die Erschliessung haben sich seit dem Bau des Spitzackers vor 20 Jahren aber stark verändert», so Borer und zeigt auf die gänzlich ausgehöhlten Räume, wo früher eine Drogerie, ein Coiffeur oder der Denner waren. Nur die stützenden Wände stehen noch. Auch die Lüftungsradiatoren der ehemaligen Denner Filiale wurden vor einigen Jahren erneuert und sind nun dick verpackt vor Zerstörung geschützt.

Ende November wird dieser Platz wieder leben. Neben der Migros ziehen dann auch die Drogerie und der Denner an ihre alten, neuen Standorte. Das Urdorfer Familienunternehmen Getränke Schmidinger eröffnet zudem ein Café mit Gastroangebot im Freien — oder eben unter dem Glasdach. Einen unerwarteten Mieter nimmt die Migros Pensionskasse an ihrem jetzigen Provisoriumsstandort auf: Coop. «Es ist in der Tat ungewöhnlich, dass wir unsere Liegenschaften an Coop vermieten. Mir ist bisher kein solcher Fall bekannt», so Lang. Aber dieser Schritt erhöhe die Chance, dass die Bewohner der Umgebung Urdorf ihre Besorgungen im Zentrum Spitzacker und nicht im mit dem Auto erreichbaren Spreitenbach oder Zürich machen würden, fügt er an.

Fundament durchlöchert Altbau

Die Leute sollen künftig aber nicht nur im Spitzacker einkaufen und Kaffee trinken: Für 35 Mieterparteien entsteht hier auch ein neues Zuhause. Die Grundrisse nehmen auf dem Dach des Gebäudes allmählich Gestalt an. So wird auf einer Fläche von rund 900 Quadratmetern eine Betonplatte gegossen. «Hier bauen wir ein dreigeschossiges Wohnhaus, das 20 Wohnungen beherbergt», erklärt Borer. Da der Altbau des Spitzackers diesen Bau nicht tragen könnte, wird dieser durch sämtliche Etagen mit zwölf medizinballgrossen Löchern versehen. Durch diese hindurch wird eine Verbindung zum Erdboden erstellt. «Kommende Woche bauen wir Pfeiler ein, die dann quasi das Fundament des Wohnhauses bilden», so Borer. Zwischen dem Dach des Zentrums Spitzacker und dem «Erdgeschoss» des Wohnhauses wird künftig eine fünf Zentimeter breite Lücke klaffen. Einkaufsbereich und Wohnbau werden nur durch Treppenhaus und Liftschacht verbunden. Diese 20 Wohnungen sind jedoch erst in gut einem Jahr fertiggestellt und bezugsbereit.

Zielpublikum waren Betagte

Auf der anderen Seite des Areals gleich oberhalb der Bushaltestelle hingegen befinden sich 15 Wohnungen bereits in der Phase des Innenausbaus. Die Wände sind noch unverputzt, der Boden noch nicht verlegt. Im Oktober werden hier die ersten Mieter einziehen. Derzeit sind sechs Wohnungen noch zu haben. Wo heute Betonboden und Bauabfall dominieren, wird bald lichtdurchflutet mit Parkettboden und in Minergie Standard gewohnt. Weil Apotheke, Einkaufszentrum und alles, was man sonst so brauche, quasi im selben Haus zu finden sei, hätte man anfänglich ältere Bewohner als Zielpublikum ins Auge gefasst, so Lang. «Bisher wurde aber nur gut die Hälfte der Mietverträge mit Menschen im Pensionsalter abgeschlossen», sagt er weiter. Die andere Hälfte der Mieterschaft sei berufstätig und um die dreissig Jahre alt.