Schlieren
Der Skatepark kostet 231000 Franken mehr als geplant

Werkvorstand Stefano Kunz (CVP) rechnet mit einer harten Debatte im Parlament

Florian Niedermann
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Auf dieser Brache im Zelgli-Quartier plant der Schlieremer Stadtrat eine Skateranlage.

Auf dieser Brache im Zelgli-Quartier plant der Schlieremer Stadtrat eine Skateranlage.

Florian Niedermann

Bald ist es sechs Jahre her, dass das Schlieremer Parlament dem Stadtrat einen Kredit in der Höhe von 350 000 Franken für den Bau einer Skateranlage im Zelgli-Quartier genehmigt hat.

Nur drei Gemeinderäte sprachen sich 2010 gegen die Freizeitanlage aus, 24 unterstützten den Antrag. Doch was dann folgte, war ein langwieriger Konflikt mit Anwohnern.

Nach zwei Entscheiden des Baurekursgerichts, die schliesslich zu einer aussergerichtlichen Einigung führten, steht nun endlich ein neues Projekt. Dieses kostet jedoch insgesamt 581 000 Franken, weshalb der Stadtrat den Gemeinderat erneut darüber befinden lassen will.

Werkvorstand Stefano Kunz (CVP) macht sich auf eine harte politische Debatte gefasst: «Ich mache mir da keine Illusionen. Der Skatepark hat im Vergleich zu 2010 einen schwereren Stand.»

Anzeichen dafür, dass sich im Parlament der Wind gedreht hat, gab es schon im vergangenen Jahr.

Im März 2015 forderte FDP-Gemeinderat John Daniels nämlich zusammen mit vier Mitunterzeichnenden in einer Motion, dass der Stadtrat den Kredit von 2010 aufhebt und das Projekt endgültig begräbt.

Ihnen waren insbesondere die Kosten ein Dorn im Auge. Alleine die Planungsarbeiten und die zweimal vom Baurekursgericht beanstandeten Lärmgutachten hatten bis zu diesem Zeitpunkt bereits zusätzliche 53 000 Franken verschlungen.

Weil sich in den Verhandlungen zwischen der Stadt und den Anrainern aber eine Lösung abzeichnete, zog Daniels seine Motion wieder zurück. Ende August konnte Werkvorstand Kunz schliesslich verkünden, dass der Stadtrat bald ein revidiertes Bauprojekt vorlegen könne. Er rechnete aber schon damals mit Mehrkosten von rund 150 000 Franken.

Lärmschutz verursacht Kosten

Gemäss aktueller Vorlage käme der Skatepark die Stadt nun gar rund 231 000 Franken teurer zu stehen, als ursprünglich vorgesehen.

Die grössten Kostentreiber bilden dabei die Honorare infolge der verschiedenen Projektüberarbeitungen (44 000 Franken) und die Aushubarbeiten (81 000 Franken). In der Vorstudie ging der Stadtrat davon aus, dass der Lärmschutzhügel zwischen dem Skatepark und den angrenzenden Wohnhäusern mit Aushubmaterial erstellt werden könnte. Weil sich bei der Projektierung aber zeigte, dass der Baugrund dafür ungeeignet ist, muss dafür anderes Erdmaterial angeschafft werden.

Trotz der gestiegenen Kosten ist der Stadtrat nach wie vor vom Skatepark-Projekt überzeugt, wie Kunz sagt: «Wir sehen es als Ergänzung zum Spielplatz-Konzept: Wir wollen Kinder und Jugendliche von der Strasse fernhalten und ihnen andere Aufenthaltsorte bieten. Davon gibt es noch immer zu wenig.» Angesichts der gesellschaftlichen Vorteile dieser Freizeitangebote lohne sich auch eine solch grosse Investition, sagt der Werkvorstand.

Kritik am Betriebskonzept

Doch sauer aufgestossen sind Motionär John Daniels nicht nur die gestiegenen Kosten. Er kritisierte auch das Betriebskonzept, in welchem der Stadtrat die meisten Forderungen der Anwohner berücksichtigte.

Erscheinungsbild und Nutzungsvorgaben entsprächen eher «einer Straffvollzugsanstalt als einem Ort, an dem sich Jugendliche austoben können», monierte Daniels.

Die Anrainer verlangten etwa, dass der Skatepark umzäunt wird und an Werktagen nur von 8 bis 12 und von 13 bis 20 Uhr genutzt werden darf, an Sonn- und Feiertagen gar nur von 10 bis 12 und von 14 bis 19 Uhr.

Auf dem Areal soll zudem ein striktes Musik- und Alkoholverbot gelten. Neben Exponenten der FDP zog deshalb auch die SVP vor einem Jahr in Zweifel, dass ein Skatepark unter diesen Bedingungen noch Sinn mache.

Zumindest was ihre Forderung nach einer Umzäunung angeht, konnte der Stadtrat die Anwohner zwischenzeitlich umstimmen: «Das war für die Betroffenen ein wichtiger Aspekt. Es bedeutet ein grosses Entgegenkommen, dass wir auf den Zaun verzichten können», sagt Kunz.

Doch dieser Erfolg steht auf tönernen Füssen: Der Stadtrat hat sich nämlich dazu verpflichtet, doch noch einen Zaun zu errichten, falls die Benutzer die Betriebszeiten nicht einhalten.

Dass es soweit kommt, will er mit einem eigens erarbeiteten Betreuungskonzept verhindern. So wird etwa ein Telefonanschluss eingerichtet, über welchen die Anwohner allfällige Verstösse gegen die Nutzungsvorgaben jeweils bis zwei Stunden nach Betriebsende bei einem Angestellten des Werkhofs melden können.

Der Werkvorstand bezeichnet das nun vorliegende Projekt als einen «Kompromiss mit Modellcharakter», da er in enger Zusammenarbeit von Behörden und betroffenen Stadtbewohnern entstanden sei.

Darüber, ob das Schlieremer Parlament seine Meinung teilt und der Skatepark noch Unterstützung findet, lässt sich derzeit nur spekulieren: Sämtliche Fraktionen teilten auf Anfrage mit, dass sie sich mit der Vorlage erst nach den Sportferien befassen würden.