Für die Schweizer läuft es am ITF-Futures- Turnier in Schlieren bisher nicht wunschgemäss. Im Halbfinal ist Sandro Ehrat die letzte verbliebene Hoffnung auf einen Heimsieg. «Ich bin resultatmässig sehr zufrieden. Jetzt schaue ich Runde für Runde weiter», sagt der amtierende Schweizer Meister. Insgesamt ist das internationale Tennisturnier auf der Anlage des Tennisclubs Schlieren laut Organisatoren bisher ein Erfolg. Und das, obwohl der Regen zum Turnierstart am Samstag zu Verschiebungen führte und den Spielplan etwas durcheinanderbrachte. «Wir sind jetzt aber wieder im Zeitplan», sagt Turnierorganisator und TC-Schlieren-Präsident Olivier Wehrli.

Rund 60 Zuschauer verfolgen am Mittwochabend das Geschehen von der Haupttribüne aus. Im letzten Einzel des Tages fordert Luka Stäheli auf dem Centre-Court die Nummer zwei des Turniers, Samuel Bensoussan. Trotz Unterstützung des Publikums und einiger mutig herausgespielter Punkte, die mit grossem Applaus quittiert werden, muss Stäheli sich dem konstanteren Franzosen 2:6, 3:6 geschlagen geben. Einen Platz weiter hinten hat kurz zuvor der Brasilianer Bruno Sant’Anna den Deutschen Pascal Meis besiegt. Immer wieder rief Meis während des Spiels laut aus, sein Frust war deutlich zu spüren. Obwohl er in den Ballwechseln öfter den besseren Eindruck hinterliess, wurde auch ihm die fehlende Konstanz zum Verhängnis. Am Mittwoch nicht mehr im Einsatz stand Gian Grünig, der mit der Wildcard des TC Schlieren angetreten war. Nach einem souveränen Sieg in der ersten Qualifikationsrunde unterlag er 6:7, 3:6 und verpasste den Sprung ins Haupttableau.

Auf der Anlage laufen jeweils mehrere Matches parallel, sodass es immer viel zu sehen gibt. Neben rasanten und intensiven Ballwechseln fällt auf dem ruhigen Gelände auch akustisch etwas auf: die erstaunliche Vielfalt männlichen Stöhnens. Vom komplett stillen Typen bis zum Spieler, der sich bei jedem Ballwechsel fast die Seele aus dem Leib schreit, ist alles mit dabei.

Nach jedem Spiel schwärmen umgehend die Helfer zum Abwischen und Linienputzen auf den Platz, um ihn für die nächste Begegnung vorzubereiten. Viele Spieler mischen sich zwischen ihren Einsätzen unter die Zuschauer und geniessen die entspannte Stimmung. Ob Spanisch, Portugiesisch, Russisch oder Finnisch: Dank den vielen Sprachen verschiedener Nationalitäten wähnt man sich an einem globalen Anlass.

Gemeinsames Essen für die Spieler

Die Terrasse des Restaurants auf der Anlage ist gut gefüllt mit speisenden Gästen und vielerorts wird über Tennis gefachsimpelt. Während des gesamten Turniers haben die Spieler in einer Ecke der Terrasse ihre eigene Lounge, in die sie sich zurückziehen können. Gleich daneben steht zusätzlich ein kleines Buffet mit Spaghetti und Salatauswahl, denn heute ist Players Night: Alle Spieler, Schiedsrichter und Helfer sind zum Essen eingeladen. Nach dem Spielbetrieb sitzt eine Handvoll Spieler gemeinsam am Tisch im Spielerbereich und lässt den Tag Revue passieren.

Turnierorganisator Wehrli ist bisher zufrieden mit dem Verlauf. Bis auf einige Kleinigkeiten, die man gleich vor Ort habe anpassen können, laufe alles reibungslos. Obwohl er kaum Zeit hat, selbst die Spiele zu verfolgen, ist er angetan vom Gesehenen: «Die Geschwindigkeit und die Kraft, die hinter den Schlägen stecken, sind beeindruckend.»

Lob von Swiss Tennis

Auch von ausserhalb erhält die Turnierorganisation gute Noten. «Der Rahmen ist sehr professionell. Es ist nicht einfach, ein solches Turnier erstmals durchzuführen», sagt Karin Rosser, Leiterin Wettkampf bei Swiss Tennis, die in Schlieren zu Besuch ist. Lob gibt es auch von den teilnehmenden Spielern. Der Schweizer Jakub Paul und sein Doppelpartner Alexander Ritschard, die sich früher am Tag in den Halbfinal vorgekämpft haben, loben die gute Organisation. «Auch die Plätze sind in gutem Zustand und das Essen ist lecker», sagt der Schweizamerikaner Ritschard.

Äusserst zufrieden mit dem Turnier sind auch ihre Gegner im Doppel-Halbfinale: die Finnen Patrik Niklas-Salminen und Harri Heliövaara, die Nummer 332 der Welt, haben sich beide gestern fürs Halbfinale qualifiziert. «Als Nummer eins gesetzt zu sein, gibt mir das nötige Vertrauen, um das Turnier zu gewinnen», sagt Heliövaara. Ihm gefällt in Schlieren besonders die Umgebung. Fast alle ITF-Turniere hätten heutzutage einen hohen Standard und man treffe auch immer wieder die gleichen Spieler an, aber das Gelände hier sei besonders schön. Gut möglich, dass er auch am Samstag beim Final noch mal in den Genuss der idyllischen Anlage kommt.