Bei der Politischen Gemeinde haben hauptsächlich drei vom Stimmvolk beschlossene Megaprojekte die tiefen Löcher in den Finanzhaushalt gerissen: die Sanierung und Erweiterung des Alterszentrums Weihermatt für 29 Millionen Franken, die Sanierung der Kunsteisbahn Weihermatt für 6,1 Millionen und die Sanierung der Birmensdorferstrasse für 3,2 Millionen.

Gemäss Jahresrechnung 2011 haben sich die langfristigen Schulden der Politischen Gemeinde um 15 auf 35 Millionen erhöht. Bei der Präsentation im April noch sagte Finanzvorstand Thomas Hächler: «In den kommenden Jahren müssen wir dringend Schulden abbauen.» Am Mittwoch nun präzisierte Hächler seine Aussage vom April: «Eine Trendwende gibt es nicht, eine kurzfristige Sanierung ist derzeit unmöglich. Wir werden uns weiter verschulden.»

Tropfen auf den heissen Stein

Sparen lautet die Devise. Doch dem Gemeinderat sind weitgehend die Hände gebunden; sowohl auf der Aufwands- wie auch auf der Ertragsseite hat er kaum noch Spielraum. Auf der Aufwandseite könnten laut Hächler Leistungen, wie beispielsweise die für die Jugendarbeit, gestrichen werden oder Investitionen an der Infrastruktur auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden. Aber: Die Beiträge, wie die am Beispiel Jugendarbeit, sind so gering, dass sie nicht mehr als einen Tropfen auf den heissen Stein wären. «Und auch die Plafonierung der Investitionen in die Infrastruktur ist unrealistisch; wir können die Anlagen nicht verkommen lassen», so Hächler. Allein für die inzwischen rund 40-jährigen Schulbauten müssen in den nächsten Jahren laut Schul-Finanzvorsteherin Irmgard Struchen Investitionen im Umfang von rund 11 Millionen getätigt werden.

Ähnlich sieht die Situation auf der Ertragsseite aus: Hier bestünde die Möglichkeit von Desinvestitionen, also beispielsweise dem Verkauf des Bachschulhauses oder gemeindeeigenen Landreserven. Aber auch das ist laut Hächler aus politischer Sicht eher keine Option; mit entsprechenden Vorschlägen sei man bereits mehrfach am Stimmvolk gescheitert.

Im Wachstum verkalkuliert

«Urdorf hat aus finanzpolitischer Sicht ein strukturelles Problem», sagt Hächler, «wir leben über unseren Verhältnissen.» Beim Bauboom in den Siebzigerjahren war man von einem Bevölkerungswachstum auf 20 000 Einwohner ausgegangen - und hatte die Infrastruktur samt Freizeitanlagen entsprechend ausgebaut. Doch die Einwohnerzahl steht heute bei 9300; mit einem erheblichen Wachstum rechnet der Gemeinderat nicht. Der einfache Staatssteuerertrag für das Jahr 2013 wurde mit
27 Millionen Franken veranschlagt.

Die Aussichten betreffend Verschuldung der Politischen Gemeinde und der Schulgemeinde sind düster: Gemäss konsolidierter Finanzplanung bis 2016 rechnet der Gemeinderat mit einer weiteren Verschuldung auf rund 60 Millionen Franken. Heute liegt diese bereits bei gemeinsamen 45 Millionen Franken.

Nicht an Steuerfuss rütteln

Trotzdem wollen sowohl die Politische Gemeinde als auch die Schulgemeinde die Steuerfüsse bei je 59 Prozent belassen und die Aufwandüberschüsse jeweils dem Eigenkapital belasten. Diese sind bei beiden Gemeinden relativ gesund; gemäss den Voranschlägen beläuft sich das Eigenkapital der Politischen Gemeinde auf 18,8 Millionen Franken, das der Schulgemeinde auf 10,5 Millionen.

Ewig kann das Eigenkapital nicht vernichtet werden, da sind sich die Finanzvorstände Hächler und Struchen einig. Trotzdem wollen beide lieber weiter die Schrauben auf der Aufwandseite anziehen, als eine Steuerfusserhöhung ins Auge zu fassen. «Gemeinderat und Verwaltung werden ihre Finanzstrategie der letzten Jahre - konsequentes Kostenmanagement und Maximierung der Erträge - weiter fortsetzen», so Patrick Müller, Leiter Stab. Dazu gehöre unter anderem auch, im Rahmen der Standortentwicklung aktiv um juristische Personen zu werben, die die rund 10 000 Quadratmeter Leerfläche in Urdorfer Liegenschaften beziehen.

Auch wenn weder auf der Aufwands- noch auf der Ertragsseite grosse Würfe möglich sind, glaubt Hächler, die Baisse durch konsequentes Sparen durchschreiten zu können. «Wir müssen kleine, umsichtige Schrittchen machen», sagt er. «Die Zeichen stehen nicht gut, aber sie standen auch schon schlechter.»