Vorweihnachtszeit
Der Schmutzli geht beim Samichlaus in die Lehre

Der Samichlaus klopft an der Tür. Doch wer steckt eigentlich dahinter?

Julia Wartmann
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Samichlaus und Schmutzli sind unterwegs zu den Kindern.

Samichlaus und Schmutzli sind unterwegs zu den Kindern.

(ZVG von Andreas Zahno)

«Sami niggi näggi, hinder em Ofe stäggi.» Wer sein Sprüchlein vor dem Samichlaus aufsagt, erhält von ihm Erdnüsse, Mandarinen und Schokolade. Wer sich weigert, wird von ihm getadelt. Was simpel klingt, bedarf guter Vorbereitung und Organisation.

Die St.Niklaus-Gesellschaft rechtes Limmattal bildet seit über 50 Jahren Samichläuse aus. «Unsere Mitglieder rekrutieren sich primär aus dem Freundeskreis», sagt Vereinspräsident Andreas Zahno. In neun von zehn Fällen fragen Mitglieder ihre Bekannten, ob sie Interesse daran hätten, sich bei der St. Niklaus Gesellschaft zu engagieren. In einem ausführlichen Gespräch mit dem Schmutzli oder «Chlaus» in spe wird über seinen Umgang mit Kindern gesprochen. Danach folgt eine Probezeit als Schmutzli. Diese dauert meistens zwei bis drei Saisons an. Einige der Mitglieder treten seit mehr als 20 Jahren als Schmutzli auf, ihnen gefällt die Rolle. In der St.Niklaus-Gesellschaft werde darauf geachtet, dass der Schmutzli und der Samichlaus als Team auftreten. «Die Zeiten des stillschweigenden Schmutzlis, der die Kinder in den Sack steckt, sind vorbei», sagt er. Heutzutage sind beide für Lob und Tadel zuständig.

In die Rolle hineinwachsen

Nachwuchs-Schmutzlis werden zusammen mit erfahrenen Nikoläusen auf Tour geschickt. Die Paare werden immer wieder neu zusammengestellt, damit der Nachwuchs einen möglichst vielseitigen Einblick in das Geschäft des Nikolaus erhält. «Es gibt kein fixes Schema, wie der Besuch ablaufen muss. Jeder Samichlaus hat seine eigene Art und Weise, mit der Familie und den Kindern umzugehen», sagt Zahno.

Nach den Familienbesuchen treffen sich die Mitglieder jeweils im Waldhäuschen des Vereins, um sich auszutauschen. Beim Essen werden gute und schlechte Erlebnisse diskutiert. Zu den schlechten Erfahrungen gehören für Zahno zum Beispiel «spezielle Familienverhältnisse». Es komme vor, dass der Vater erst mitten im Samichlaus-Besuch nach Hause kommt, weil er noch im Training war. Eine unangenehme Situation für alle Beteiligten, da der Ablauf gestört wird. Doch es gibt auch weniger ernste Zwischenfälle: «Wenn uns die Eltern bei einem Besuch neben dem Cheminée platzieren, dann wird es ziemlich heiss unter der Verkleidung und man beginnt zu schwitzen.»

Jedes Jahr Anfang November wird das letzte Jahr rekapituliert. Was ist gut gelaufen? Was könnte man dieses Jahr anders machen? Hinter dem reibungslosen Ablauf eines Besuchs steckt viel Vorbereitung. Auf der Website der Gesellschaft können die Eltern ein Formular herunterladen, das vor dem Besuch auszufüllen ist. Darin wird nach den Namen und Kosenamen aller Anwesenden, nach dem Alter der Kinder und dem Versteck des vorbereiteten «Chlaussäcklis» gefragt. Für jedes Kind gibt es ausserdem die Spalten Lob und Tadel. «Die Tadellisten haben sich nicht wirklich radikal verändert. Die Klassiker Aufräumen, Abräumen, Mithelfen, teilen, Zähneputzen, ins Bett gehen, Aufstehen, Streiten und Nuggi abgeben sind auch heute immer noch auf den meisten Listen. Immer mehr hören wir aber: disziplinierter mit iPod und Internet umgehen», sagt Zahno.

Nicht der «Böhlimann»

Auf die Frage der Kinder, warum es mehrere Weihnachtsmänner gäbe, antworte jedes Mitglied individuell. Es ist laut Zahno wichtig, mit den Kindern in den Dialog zu treten und auf sie einzugehen. Wenn ein Kind ängstlich wirke, ginge er auf Abstand. Auch mit den Eltern müsste man manchmal Klartext reden: «Es gibt Eltern, die wollen, dass wir ihre Kinder in einer halben Stunde erziehen. Themen wie Bettnässen sprechen wir aber sicher nicht an.» Der Samichlaus entscheidet selbst, ob er einen Tadel erwähnt.

Dieses Jahr sind neun Nikoläuse des Vereins unterwegs. Sie besuchen ganz verschiedene Familien auf der rechten Seite der Limmat, auch solche, die den Samichlaus noch nicht so lange kennen. «Unser Ziel ist es, dass die Kinder sich mit einem Lächeln von uns verabschieden und sich auf unseren Besuch im nächsten Jahr freuen», sagt Zahno.