Schlieren
Der Schlieremärt verliert seine Händler - dies soll sich ändern

Es gibt noch sechs Stände am Wochenmarkt in Schlieren - ihn abzuschaffen, steht aber ausser Frage. Der Hauptgrund dafür, dass sich Händler vom Markt zurückzogen, sei das schlechte Wetter in den Frühlingsmonaten gewesen.

Florian Niedermann
Merken
Drucken
Teilen
Vor einem Jahr kamen noch regelmässig zehn Marktfahrende nach Schlieren, heute sind es nur noch sechs.

Vor einem Jahr kamen noch regelmässig zehn Marktfahrende nach Schlieren, heute sind es nur noch sechs.

Limmattaler Zeitung

Knapp ein Jahr nachdem der Schlieremärt zum ersten Mal stattfand, passierte, was Skeptiker befürchtet hatten: Einige Marktfahrer kommen nicht mehr nach Schlieren, weil sich der dort erzielte Umsatz nicht lohnt. Bauten im September 2012 noch zehn Händler ihre Stände regelmässig am Schlieremer Wochenmarkt auf, so sind es gemäss der IG Schliere Märt derzeit gerade noch sechs.

Schlechtes Wetter als Grund

Der Hauptgrund dafür, dass sich Händler vom Markt zurückzogen, sei das schlechte Wetter in den Frühlingsmonaten gewesen, sagt Béatrice Bürgin von der IG: «Wir machten im Januar eine Auswertung mit den Marktfahrerinnen und Marktfahrern. Damals zog sich nur ein Anbieter zurück. Aber als es von März bis Mai so schlechtes Wetter war, folgten weitere, weil die Umsätze zurück gingen.»

Initiiert wurde der Markt von der IG Schliere Märt, nachdem die SP 2011 in einer Umfrage zur Lebensqualität in Schlieren bei den Anwohnern das Bedürfnis nach einem Wochenmarkt feststellte. Damals gaben einige Politiker zu bedenken, dass dieses Bedürfnis wohl auf dem Papier bestehe, dass die Bevölkerung am Ende aber doch eher bei den Grossisten einkaufen werde als am Markt.

Markt ist nicht bekannt genug

Dass die Schlieremer ihren Lebensmittelbedarf nicht am Markt decken, habe nicht mit mangelndem Interesse zu tun, sagt Bürgin: «Ich treffe im Alltag immer wieder auf Einwohner, die noch gar nichts davon gehört haben. Die Kunden, die den Schlieremärt nutzen, sind sehr zufrieden.» Mit einer Flyeraktion will die IG deshalb nach den Sommerferien dafür sorgen, dass die Bevölkerung vom Wochenmarkt erfährt.

Derzeit sind an der Salmenkreuzung samstags noch Obst und Beeren, Brot, Öl, Blumen, Wein und Schnaps sowie Konfitüren und gebratene Poulets erhältlich. «Für ein angemessenes Angebot fehlen uns ein professioneller Blumenhändler und ein Käsestand.

Schön wäre es auch, wenn wir Fisch und Pilze anbieten könnten», sagt Bürgin. Die Erfahrung zeige, dass es nicht ausreiche, regionale Händler per Telefon zu kontaktieren. «Ich werde in den nächsten Wochen einige Märkte in Zürich und der Region besuchen, um Marktfahrer davon zu überzeugen, auch in Schlieren zu verkaufen», sagt Bürgin. Über ein breites Angebot könnten höhere Kundenfrequenzen erreicht werden, was auch den anderen Anbietern auf dem Schlieremärt nütze.

Als Ersatz für das «Chäswägeli», das seit diesem Frühling nicht mehr nach Schlieren kommt, verkaufte das «Alphüsli» der Sasuro GmbH auf dem Schlieremärt bis im Mai Käse und Fleischwaren. Dann beschloss Geschäftsführer Roland Gratz, nicht mehr zum Schlieremärt fahren. «Wir machten schlicht zu wenig Umsatz», sagt die administrative Leiterin der Firma, Renate Gratz, auf Anfrage. Die Erfahrung der in der ganzen Deutschschweiz tätigen Firma zeige, dass man in einer Gemeinde von der Grösse Schlierens Publikum von ausserhalb anziehen müsse, um ausreichend Kundenströme generieren zu können.

Konkurrenz in der Region ist gross

Laut Bürgin besteht dazu in der Region aber eine zu grosse Konkurrenz: «Wochenmärkte finden auch in Urdorf, Dietikon und Altstetten statt. Teilweise auch am Samstag.» Die IG habe bisher deshalb nicht aktiv ausserhalb der Gemeinde für den Wochenmarkt geworben. Man versucht stattdessen, mit der Flyeraktion und einem vielfältigen Angebot für höhere Frequenzen auf dem Markt zu sorgen.

Dass der Schlieremärt abgeschafft werden könnte, steht trotz der Abgänge der Marktfahrer ausser Frage, sagt Bürgin. Die IG-Mitglieder Pascale Leuzinger und Christian Meier, die ebenfalls an einem Stand ihre Waren feilbieten, seien mit ihren Umsätzen zufrieden. «Solange sie nicht aufhören, werden wir gemeinsam alles tun, um einen Markt anbieten zu können», so Bürgin.