Region Limmattal

Der Schienenbonus für lärmige Züge steht weiter in der Kritik

Schienenverkehr von der Brücke Viaduktstrasse Blick auf Limmatfeld

Lärmbelastung soll transparent werden

Schienenverkehr von der Brücke Viaduktstrasse Blick auf Limmatfeld

Kantonsräte hatten mehr Transparenz in Sachen Lärmschutz gefordert. Nun hat ihnen der Regierungsrat zugestimmt.

Die Lärmbelastung durch Züge wird zu wenig transparent dargestellt. Das finden die drei Kantonsräte Christian Lucek (SVP, Dänikon), Marc Bourgeois (FDP, Zürich) und Josef Wiederkehr (CVP, Dietikon, inzwischen zurückgetreten). Sie wandten sich deshalb Ende September an den Regierungsrat und wiesen darauf hin, dass die Darstellung der Daten zur Lärmbelastung verfälscht sei (die «Limmattaler Zeitung» berichtete).

Ihre Kritik am Lärm bezieht sich vor allem auf den Schienengüterverkehr, der für Anwohner eine grosse Belastung sei. Inzwischen hat der Regierungsrat zum Postulat von Lucek, Bourgeois und Wiederkehr Stellung genommen. Daraus geht hervor, dass der Regierungsrat schon ähnliche Überlegungen angestellt hat.

Als der Vorstoss eingereicht wurde, sagte Josef Wiederkehr gegenüber dieser Zeitung: «Es geht mir nicht darum, dass es gar keinen Lärm mehr geben darf, sondern dass Transparenz vorliegt.» Diese fehlende Transparenz sei bedingt durch die Tatsache, dass bei den Lärmwerten des Schienenverkehrs auf die SBB und die nationale Lärmschutzverordnung verwiesen werde, während die Daten des Strassen- und Luftverkehrs durch die Fachstelle Lärmschutz der kantonalen Baudirektion gesondert aufgeführt werden.

Der Schienenverkehr profitiere zudem vom sogenannten Schienenbonus, einem Bonus im Umfang von 5 bis 15 Dezibel. Durch diese Unterschiede bei der Erhebung ergibt sich eine von der Realität abweichende Darstellung.

Der Bund überprüft derzeit den Schienenbonus

«Der Schienenbonus wurde seinerzeit aufgrund von Studien eingeführt, wonach Bahnlärm bei gleicher Intensität als weniger störend empfunden werde als Strassenlärm», schreibt der Regierungsrat nun in seiner Antwort. Neuere Studien würden diesen Befund jedoch nicht stützen, weshalb beispielsweise Deutschland den Schienenbonus wieder abgeschafft hat. Laut dem Regierungsrat überprüft das Bundesamt für Umwelt derzeit das Regelwerk zum Lärmschutz.

Auch die fehlende Transparenz ist bereits ein Thema: Der Regierungsrat erklärt in seiner Stellungnahme, dass für die Erhebung der Lärmimmissionen der Verkehrsträger die jeweiligen Anlagehalter zuständig sind. Für die Kantonsstrassen ausserhalb der Städte Zürich und Winterthur sei das die Fachstelle Lärmschutz des Kantons, für die übrigen Strassen seien es die Gemeinden. Für den Schienenverkehr seien die Bahngesellschaften und für den Fluglärm die Flughäfen zuständig. Das Verfahren für die Erhebung der verschiedenen Lärmarten sei bundesrechtlich geregelt. Die jeweiligen Anlagehalter sind angewiesen, die ermittelten Immissionen in einem öffentlich zugänglichen Kataster festzuhalten. Für die Erfassung und Darstellung kann das Bundesamt für Umwelt Empfehlungen erlassen, hat dies bisher jedoch noch nicht getan. «Der heutige Zustand ist unbefriedigend», schreibt der Regierungsrat dazu.

Regierungsrat will sich für Änderungen einsetzen

Er werde sich deshalb an der nächsten Revision für entsprechende Änderungen einsetzen, schreibt er weiter. Insofern kommt der Regierungsrat der Forderung des Postulats nach. Denn er setzt sich dafür ein, dass die effektiven Lärmbelastungen aller Verkehrsmittel ­gleichermassen aufgeführt werden. Damit sich die Situation aber wirklich ändert, ist der Bund gefragt.

Weiter forderten die Kantonsräte, dass bei Tempo­reduktionsmassnahmen auch der Schienenverkehr inklusive Trams einbezogen werden ­soll. Der Regierungsrat verweist ­darauf, dass bereits heute «die verschiedenen Lärm­quellen» selbstverständlich einzubeziehen seien, wenn mittels Gutachten die Notwendigkeit, Zweck- und Verhältnismässigkeit einer Temporeduktion überprüft werde. Abschliessend beantragt der Regierungsrat dem Kantonsrat, das Postulat abzulehnen.

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