Zürcher Obergericht

Der «Samurai-Kämpfer» von Schlieren kommt frei

Der psychisch Angeschlagene kommt un frei (Symbolbild)

Der psychisch Angeschlagene kommt un frei (Symbolbild)

Der heute 35-jährige Arbeitslose aus Schlieren hat immer wieder für Unruhe gesorgt. So sprühte er unter anderem mit einem Pfefferspray anderen ins Gesicht, drohte seinen Nachbarn mit dem Tod und bedrohte sie mit einem Schwert. Nun kommt er frei.

Am 4. Dezember 2008 geriet der 35-jährige Arbeitslose trotz eines Hausverbotes im Einkaufszentrum Lilie an den Hauswart. Dabei zückte der mehrfach vorbestrafte Angeschuldigte plötzlich einen Pfefferspray und sprühte damit dem Geschädigten ins Gesicht. Dabei wurde auch ein anwesender Sicherheitsangestellter in Mitleidenschaft gezogen. Wie der Hauswart trug auch er eine brennende Haut und tränende Augen davon. Der Angeklagte rannte davon, wurde aber von seinen beiden Gegnern bei der Polizei verzeigt.

Mit Samurai-Schwert bedroht

Wenige Monate später schlug der Angeklagte erneut zu. Diesmal in der Nacht auf den 19. Februar 2009, als er ihm zwei verhassten Nachbarn aus einem nichtigen Anlass am Telefon mitteilte, dass er nun bei ihnen vorbeikommen und sie kaltmachen würde. Kurz darauf rüstete sich der psychisch angeschlagene Täter mit einem Samurai-Schwert aus und begab sich mit einer schuss- und stichsicheren Weste vor die Liegenschaft der Anwohner.

Diese hatten in Todesangst bereits die Polizei alarmiert. Worauf zwei rechtzeitig eingetroffene Fahnder den bewaffneten Mann gerade noch stoppen und festnehmen konnten. Allerdings hatte der Angeschuldigte zuvor erheblichen Widerstand geleistet. In der Form von Tritten und einem «Schwedenkuss» (Kopfstoss), der allerdings sein Ziel verfehlte.

Freiheitsstrafe vobn 10 Monaten

Im März 2010 musste sich der inhaftierte und teilgeständige Limmattaler zuerst vor dem Bezirksgericht Dietikon verantworten. Er wurde damals wegen Gewalt und Drohung gegen Beamte, Tätlichkeiten, Drohung sowie Widerhandlung gegen das Waffengesetz zu einer Freiheitsstrafe von 10 Monaten verurteilt.

Was aber schwerer für ihn wog: Aufgrund seiner geistigen Störungen wurde er vom Gericht in eine stationäre Massnahme eingewiesen. Mit der Folge, dass er für über zwei Jahre weggesperrt wurde. Die Verteidigung legte Berufung gegen den Dietiker Entscheid ein und verlangte gestern Dienstag vor dem Zürcher Obergericht nicht nur die Aufhebung der Massnahme, sondern auch die sofortige Freilassung ihres Klienten.

Sofortige Freilassung angeordnet

Staatsanwältin Claudia Wiederkehr wehrte sich gegen eine Haftentlassung und verlangte die Fortsetzung der stationären Therapie. In erster Linie wegen einer gutachterlich festgestellten Rückfallgefahr. Allerdings ohne Erfolg.

So folgten die Oberrichter in weiten Teilen den Anträgen des Verteidigers. Einerseits senkten sie die Dietiker Strafe infolge von zwei Einstellungen auf 6 Monate Freiheitsentzug. Andererseits hoben sie die stationäre Massnahme aus Gründen der Verhältnismässigkeit auf und setzten neu eine ambulante Therapie in Freiheit an. Der Gerichtsvorsitzende Christoph Spiess machte klar, dass der Beschuldigte trotz eines ursprünglich 10-monatigen Freiheitsentzuges bereits weit über zwei Jahre lang eingesperrt gewesen sei. Was nun nicht mehr angehe.

Gang vors Bundesgericht

Der Gutachter habe zwar von einer Rückfallgefahr gesprochen. Nicht aber im Hinblick auf schwere Gewaltdelikte, begründete Spiess die sofortige Freilassung des Beschuldigten. Staatsanwältin Wiederkehr kündigte kurz nach dem Urteil an, dass sie gegen die sofortige Freilassung des Angeklagten beim Bundesgericht vorgehen werde.

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