Schlieren wird in naher Zukunft keinen Ruftaxi-Dienst erhalten. Dies entschied das Parlament am Montag, indem es dem Antrag des Stadtrates folgte und auf die Sprechung eines Kredits von 110 000 Franken verzichtete. Mit diesem Geld hätte ein über zwei Jahre laufender Testbetrieb eingeführt werden sollen.

rheberin dieser Idee ist Gemeinderätin Gaby Niederer (QV), die nach der Ablehnung der Ortsbus-Initiative 2016 eine Motion einreichte, um die Anbindung der Aussenquartiere ans Stadtzentrum zu verbessern. «Dieses Ruftaxi bewegt», sagte sie an der Sitzung am Montag und sollte recht behalten. Bevor das Parlament das Ansinnen mit 19 zu 14 Stimmen bachab schickte, entfachte sich eine intensive Diskussion.

Die Geschäftsprüfungskommission (GPK) empfahl dem Parlament, dem Antrag des Stadtrates zu folgen. Der Sprecher der GPK-Mehrheit, Thomas Grädel von der SVP, verwies darauf, dass die vorgeschlagene Variante nicht der Definition eines Ruftaxis entspreche. «Es ist kein Ruftaxi, sondern einfach ein Taxi zum Bahnhof. Denn Ruftaxis würden nach Fahrplan eine bestimmte Route bedienen.»

Lösungen sind eine «halbe Sache»

Jolanda Lionello (SP) verwies als Sprecherin der GPK-Minderheit darauf, dass die Anbindung der Randquartiere noch immer nicht gut genug sei. Dass seit Einreichung der Motion neu der Bus 201 bei der katholischen Kirche hält und eine Buslinie zum Baumarkt Bauhaus verlängert wurde, reiche nicht. Sie bezeichnete diese Massnahmen als «halbe Sache». «Eigentlich nützt die Linie 201 den Bewohnern des alten Zürichwegs und der Kampstrasse nichts», sagte sie.

Bei einer Umsetzung der vom Schlieremer Stadtrat ausgearbeiteten Vorlage wären rund 2500 Personen näher ans Zentrum gerückt. Personen, die in den erwähnten Gebieten wohnen, hätten für einen Selbstkostenbeitrag von 5 Franken von sich zu Hause ins Stadtzentrum fahren können.

Das Ruftaxi hätte nicht nach einem fixen Fahrplan verkehren sollen, sondern lediglich auf Vorbestellung mindestens eine halbe Stunde vor Fahrtbeginn. Zudem wären lediglich zwei Fahrten pro Stunde vorgesehen gewesen. Jährlich wäre der Dienst rund 5000 Mal in Anspruch genommen worden, was zu Kosten von rund 50 000 Franken für die Stadt geführt hätte. Im Kredit für den zweijährigen Testbetrieb waren noch 10 000 Franken für die Ausstellung der Berechtigungsscheine einberechnet.

Der für das Geschäft verantwortliche Werkvorstand Andreas Kriesi (GLP) mahnte, dass sich Personen, die nahe des Perimeters, aber ausserhalb davon wohnen, stark benachteiligt fühlen würden. Dies wurde von Walter Jucker (SP) illustriert. Er nannte mehrere Beispiele von aus seiner Sicht willkürlich gezogenen Perimeter-Grenzen. Er dürfte den Dienst nutzen, sein unmittelbarer Nachbar jedoch nicht. «Die Verantwortlichen sollen doch vor Ort schauen, ob die gezogenen Grenzen Sinn ergeben.»

Falsches Signal würde gesendet

Viel Verständnis zeigte die GLP: «Auch für mich als sportlicher 30-Jähriger ist der vereiste Hang zum Schlieremer Berg im Winter eine Herausforderung», sagte Sprecher Marc Folini. Dennoch würde ein solch kostspieliger Testbetrieb ein falsches Signal zur gegenwärtigen Finanzlage der Stadt senden. «Wir bleiben jedoch achtsam und suchen nach besseren Lösungen.»

Eine solche Lösung kam von der FDP. Deren Fraktionssprecher Markus Weiersmüller verwies darauf, dass das Ruftaxi eine direkte Konkurrenz zu einem privatwirtschaftlichen Angebot bilde. «Von der Kampstrasse gelangt man mit einem Uber für 6 bis 7 Franken zum Bahnhof», so Weiersmüller.

Die SVP nehme die Bedenken des Stadtrates sehr ernst, sagte der Fraktionssprecher Moritz Berlinger und stärkte der Exekutive den Rücken.

Einzig Gaby Niederer war vollumfänglich zufrieden mit der Vorlage. «Der Stadtrat legt uns eine flexible, günstige und schlanke Variante vor», sagte sie in ihrem Votum. Die Schlieremerinnen und Schlieremer aus Randgebieten würden es verdienen, besser an den öV angeschlossen zu werden. Sie glaube nicht daran, dass der soziale Frieden der Stadt gefährdet werde, nur weil einige Menschen ausserhalb des Perimeters wohnen. «Diese wohnen schliesslich näher an einer Bushaltestelle.»