Dietikon
Der rote Streifen sorgte für Aufregung – nun ist er weg

Die «berühmteste Schwelle des Limmattals» sorgt erneut für rote Köpfe. Der Absatz auf dem Dietiker Kirchplatz wurde kürzlich mit einem fetten, roten Strich versehen. Dieser sollte auf die Schwelle aufmerksam machen.

Ladina Trachsel
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Der rote Streifen auf dem Kirchplatz sorgte für Gesprächsstoff – nun ist er wieder entfernt worden. LTR

Der rote Streifen auf dem Kirchplatz sorgte für Gesprächsstoff – nun ist er wieder entfernt worden. LTR

Die auffällige Markierung stiess auf wenig Gegenliebe. Zwar sei niemand mehr gestürzt, seit sie angebracht worden sei, sagt Vincenzo Cammisa. Der Inhaber der Schuhmacherei am Kirchplatz hat die Aufregung um die «Stolperschwelle» von Anfang an mitverfolgt. Jedoch stosse nun die Optik der Markierung auf Abneigung bei Passanten und Ladenbesitzern.

Strich ist falsch platziert

«Der rote Strich ist scheusslich fürs Auge und verhunzt das Gesamtbild des Platzes», sagt Judith Niggli, eine Passantin. Und der Dietiker Italo Tonini beklagte sich am Mittwoch in einem Leserbrief in der az Limmattaler Zeitung, wie «brachial die Schönheit des Steins und der ganze Platz» durch die Markierung verschandelt worden seien. Zudem sei der Strich völlig falsch platziert, denn er müsste die Stirnseite der Stufe markieren.

Doch wer hat den roten Strich eigentlich veranlasst? Der Kirchplatz gehört offiziell der katholischen Kirchgemeinde St. Agatha. Das Nutzungsrecht besitzt jedoch die Stadt Dietikon, die daher für den Platz verantwortlich ist und diesen auch finanziert. Die bisherigen Entscheidungen über die Gestaltung des Platzes geschahen immer in gegenseitiger Absprache.

Beide Seiten wissen von nichts

Doch auf der Verwaltung der Stadt Dietikon weiss man nicht, wer die Markierung in Auftrag gegeben hat. «Wir waren sehr überrascht über den roten Strich, denn er entspricht überhaupt nicht unserem Konzept der Zentrumsumgebung. Wir hätten eine dezentere Lösung gewählt», sagt Jasmina Ritz, Dietiker Standortförderin, auf Anfrage. Aber auch Karl Geiger, Präsident der katholischen Kirchgemeinde, weiss von nichts. Er habe automatisch angenommen, dass die Stadt die Markierung veranlasst habe, sagt er. Den Strich fände er aber gar nicht so schlecht, wie alle behaupteten. «Die Hauptsache ist doch, dass die Leute nicht mehr stolpern», so Geiger.

Wohlgemeinte Zwischenlösung

Weitere Abklärungen lösen das Rätsel: Der rote Strich stammt vom wohlmeinenden Hauswart der Kirche St.Agatha. Anscheinend hat er die Markierung angebracht, nachdem einmal mehr jemand gestolpert ist und sich beschwert hat. Dies erklärt die katholische Kirchgemeinde auf Anfrage, da der Hauswart zurzeit im Urlaub weilt. Er habe auf eigene Faust gehandelt und die einfachste Lösung, nämlich diejenige einer Markierung, gewählt. Er habe damit nur helfen und niemandem in den Rücken fallen wollen.

Ein erneuter Augenschein vor Ort zeigt, dass der Strich unterdessen bereits wieder entfernt wurde. Wie Standortfördererin Ritz auf Anfrage sagt, ist eine verträglichere Lösung in Arbeit: «Wir von der Stadt werden uns mit der Kirchgemeinde zusammensetzen und nach einer Lösung für die Stolperschwelle suchen, die sowohl für Sicherheit sorgt als auch ins ästhetische Konzept passt.»

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