Uitikon
Der regelmässige Spaziergang hält das Gedächtnis fit

Der Gedächtnisschwäche kann auf vielfältige und kreative Weise entgegen gewirkt werden. Barbara Schwehr und Esther Baumann-Steiger lancieren mit dem «Gipfeltreffen» ein Gruppenprojekt.

Lina Giusto
Merken
Drucken
Teilen
Barbara Schwehr und Esther Baumann-Steiger sind kurz vor Fertigstellung des «Gipfeltreffen»-Flyers.LGI

Barbara Schwehr und Esther Baumann-Steiger sind kurz vor Fertigstellung des «Gipfeltreffen»-Flyers.LGI

Lina Giusto

Menschen, die zu Hause an Demenz erkrankte Angehörige betreuen, sollen einen Tag pro Woche entlastet werden. Das ist das Ziel von Psychologin und Kunstagogin, Barbara Schwehr und der Aktivierungstherapeutin und Gedächtnistrainerin, Esther Baumann-Steiger.

Zu Handen dere Gemeindeversammlung haben die beiden Uitikerinnen ein Einwohnerprojekt eingereicht. Für dieses wurde im Juni ein Kredit von 17 500 Franken gesprochen. Damit startet das «Gipfeltreffen» ab dem 1. November wöchentlich, jeweils montags.

Zusammen aktiv sein

Das «Gipfeltreffen» startet kurz vor dem Mittag mit einer Begrüssungsrunde, gefolgt vom gemeinsamen Mittagessen im Restaurant Dörfli. «Nach dem Essen folgt ein gemeinsamer Spaziergang, je nach Wetter und Stimmung der Teilnehmenden. Danach treffen wir uns im Junker-Steiner-Zimmer des evangelisch-reformierten Kirchgemeindehauses», erklärt die Uitiker Kunstagogin. Das Gruppenangebot umfasse gemeinsame Gespräche, spielerische Gedächtnistrainings, kreatives Arbeiten, wie Malen und handwerkliches Gestalten, und Bewegung.

«Das Ziel ist, dass wir das Gedächtnis auf vielfältige Weise trainieren und ohne Druck auch Erinnerungen wach rufen», erklärt Baumann-Steiger. Und Schwehr präzisiert: «Die Menschen sollen Raum haben, zu sein.» Die Treffen orientieren sich an den Interessen und Fähigkeiten der Teilnehmer. «Auch Menschen, die keine Gedächtnisschwäche haben, aber vielleicht viel alleine sind, sind willkommen», ergänzt Barbara Schwehr. Die Gruppenteilnehmer sollen am «Gipfeltreffen» die Möglichkeit erhalten, soziale Kontakte aufzubauen und zu pflegen. Unterstützt werden die beiden Uitikerinnen von Luzius Luchsinger. Er ist ausgebildeter Aktivierungstherapeut. Seine Stärke liege im musischen Bereich, verraten die beiden Uitikerinnen.

Engagierte Fachfrauen

Barbara Schwehr hat jahrelange Erfahrung in der Begleitung und psychologischen Beratung von Menschen. Seit drei Jahren unterstützt sie Betagte, die an beginnender Demenz erkrankt sind. «Das mache ich etwa einen Tag pro Woche. Diese Arbeit ist sehr intensiv und fordert viel Energie», sagt Schwehr. In einem Weiterbildungskurs zum Thema kreatives Spielen für die Aktivierung bei Esther Baumann-Steiger haben sich die beiden Frauen vor rund einem Jahr kennen gelernt. Baumann-Steiger führt seit mehreren Jahren die Firma Ergoway GmbH. In ihren praktischen Kursen gibt sie ihre Erfahrung im Umgang mit dementen Menschen, die sie bei ihrer Arbeit in Institutionen wie Tagesklinik, Pflegezentren und Altersheimen gesammelt hat, an Therapeuten und Pfleger weiter. Die beiden Frauen entschieden sich, das Projekt ins Limmattal zu holen.

Nahe beim Menschen

Als Vorbild dienen ihnen die bestehenden Projekte, deren Trägerschaft das Forum angewandte Gerontologie inne hat. «Das Uitiker «Gipfeltreffen» ist das sechste dieser Art», erklärt Esther Baumann-Steiger. In den Gemeinden Wald, Regensdorf, Fällanden, Dietlikon und Affoltern am Albis gäbe es bereits «Gipfeltreffen».

Baumann-Steiger ist überzeugt: «Menschen mit Demenzerkrankung oder die einsam sind, haben ein Bedürfnis nach Gesellschaft. Deshalb wird das Angebot auf Interesse stossen.» Die Erfahrung in anderen Gemeinden habe gezeigt, dass in den ersten beiden Jahren eines solchen «Gipfeltreffen» etwa mit fünf Teilnehmern gerechnet werden könne. Ausgelastet sind sie bei einer Teilnehmerzahl von acht bis zehn Personen.

«Das Projekt soll für die Teilnehmenden kostengünstig sein», sagt Baumann-Steiger. «Ein Tag kostet 45 Franken, dazu kommt das Mittagessen für 15 Franken», sagt Schwehr. Zusätzliche Getränke, wie Kaffee und Kuchen oder Früchte, aber auch Material wie Papier, Farben und Stifte während des Kurses seien im Preis inbegriffen. «Dies entspricht der Kostenstruktur der bereits bestehenden «Gipfeltreffen», sagt die Gedächtnistrainerin Baumann-Steiger. Das Forum angewandte Gerontologie übernehme die administrativen Arbeiten wie den Rechnungsversand Ende Monat und die Entschädigungsabrechnung der beiden Uitikerinnen. «Diese Arbeiten macht das Forum kostenlos», ergänzt Baumann-Steiger.

Neben der Tagesplanung und Durchführung des Kurses müssen die beiden Uitikerinnen lediglich den Versand des Flyers übernehmen. Das Logo ist in allen «Gipfeltreffen»-Gemeinden gleich.

Bezüglich der Farbe sind sich Schwehr und Baumann-Steiger schnell einig: «Das Gemeindewappen von Uitikon hat die Farben rot-gelb. Gelb wird für den Flyer schon in einer anderen Gemeinde verwendet», sagt Schwehr und Baumann-Steiger nickt. Die beiden Uitikerinnen ergänzen sich fliessend – fachlich und menschlich.