Dietikon
Der reformierte Kirchenchor ist reif fürs Ortsmuseum

Der reformierte Kirchenchor von Dietikon besteht seit über einem Jahrhundert. Der 125-jährigen Geschichte ist im Dietiker Ortsmuseum eine Ausstellung gewidmet.

Julia Wartmann
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Mit Hilfe einer Schablone können die Chormitglieder identifiziert werden
7 Bilder
Eine Geige und eine Bachtrompete, auch Hörnli genannt, stechen dem Besucher ins Auge
Ein Klavierauszug von Mozart veranschaulicht den Besuchern, was an Konzerten gespielt wird
Die Konzertplakate des reformierten Kirchenchors Dietikon haben sich über die Jahre hinweg verändert
Auf alten Schwarz-Weiss Fotos sind ehemalige Mitglieder und Anlässe zu sehen
Die Hirtenmesse ist der Hingucker der Ausstellung
Reformierter Kirchenchor

Mit Hilfe einer Schablone können die Chormitglieder identifiziert werden

Limmattaler Zeitung

«Herr Metzler, der damalige Dirigent machte mich nach der Probe aufmerksam, dass er meine Stimme prüfen möchte. Zu seiner Musikbegleitung hatte ich ‹mit Herzklopfen› ein kleines Lied zu singen», ist in den Erinnerungen von Margrit Schmid, über ihren Eintritt in den reformierten Kirchenchor, zu lesen. Das war im Jahr 1946.

Diese und weitere aufgezeichnete Anekdoten aus dem 125-jährigen Bestehen des Chors sind ab dem Wochenende in einer Ausstellung im Dietiker Ortsmuseum zu betrachten. Schmids Stimmprüfung fiel übrigens gut aus. Sie wurde den Altstimmen zugeteilt und ist, wie sie schreibt, «dann bei dieser Stimmlage geblieben.»

Die Ausstellung im sogenannten Vereinszimmer im zweiten Stock des Museums ist in neun Kapitel unterteilt. Darunter fallen beispielsweise die verschiedenen Chorreisen oder das Singen mit anderen Chören. Jedes einzelne behandelt wichtige Momente aus der Geschichte des Chors. Verantwortlich für das Zusammenstellen des Materials zeichnet Archivar Heinz Zeller. Anfänglich war er besorgt, das Material eigne sich nicht für eine Ausstellung, er dachte, es sei zu zweidimensional. Doch Dora Müller, die Leiterin des Museums, habe ihm Mut gemacht. Überhaupt habe er von ihrer grossen Erfahrung profitiert. Beide sind sehr zufrieden mit dem Ergebnis der Zusammenarbeit. «Die Ausstellung hat gerade den richtigen Umfang: nicht überladen, aber auch nicht leer», findet Zeller.

Blickfänge der Ausstellung

Müller, die seit 15 Jahren im Ortsmuseum tätig ist, zehn davon in leitender Funktion, betont, wie wichtig es sei, nicht nur Texte und Bilder an den Wänden aufzuhängen. Sie sagt: «Eine Ausstellung braucht einen Blickfang.» Jene über den Kirchenchor hat gleich mehrere: Die Dirigenten-Marionette, die Zeller bei seinem Abschied als Schulleiter der Musikschule Dietikon erhalten hat, sticht dem Besucher als Erstes ins Auge. Eine Bachtrompete, umgangssprachlich auch «Hörnli» genannt, sowie eine Geige sollen den Bezug zur Musik symbolisieren. Bei einem weiteren Höhepunkt der Ausstellung handelt es sich um ein Schaubild musizierender Hirten aus Filz. Die Frau eines Chormitglieds hat sie in liebevoller Bastelarbeit selbst geschaffen.

Bereits zu seinem 75- jährigen sowie zum 100-jährigen Bestehen des Chors wurden Jubiläums-Konzerte veranstaltet. Erinnerungen daran gewährt die Ausstellung in der Form von Plakaten und Veranstaltungs-Flyern. Trotz sinkender Mitgliederzahlen werden die Jubiläen von Mal zu Mal aufwendiger gefeiert, sagt Zeller. Bemerkenswert am Chor sei halt vor allem sein Fortbestehen über all diese Jahre hinweg. Das gehöre laut Zeller eben gefeiert.

Der reformierte Kirchenchor gewährt den Besuchern der Ausstellung sogar Einblicke in seine Finanzen. In den alten Kassenbüchern aus den Jahren ab 1925 wurden die Ausgaben und Einnahmen fein säuberlich notiert. «So schön kann das heute niemand mehr, wir ‹töggelen› ja nur noch auf dem Computer», sagt Zeller. Ehemalige Dirigenten und Komponisten werden mit einer eigenen Kapitel geehrt.

Anfänge schlecht dokumentiert

Zeller hat aus all den Informationen im Archiv ein Inhaltsverzeichnis
der Jahrgänge 1925 bis 2015
zusammengestellt. Darauf ist ersichtlich, wer in einem bestimmten Jahr Präsident, wer Dirigent war, wohin die Chorreise ging und was für Konzerte aufgeführt wurden. «Die ersten 34 Jahre des Chors, von der Gründung 1891 bis 1925, sind schlecht dokumentiert», sagt er. Ausser einem Gedicht zum Geburtstag des damaligen Präsidenten und dem Foto einer Chorreise, existieren laut Zeller keine Unterlagen mehr aus dieser Zeit.

Die Ausstellung steht den Besuchern ab dem 8. März bis Ende Jahr jeweils am Sonntag von 10-12 und von 14-16 offen. Müller hofft, dass nächstes Jahr ein weiterer Verein ein Jubiläum feiert, denn: «Für solche Ausstellungen ist das Vereinszimmer da.»