Zürich

Der Prozess um einen mutmasslichen Vergewaltiger wird heute eröffnet

Bezirksgebäude in Dietikon

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Laut Anklage hat ein Limmattaler Lagermitarbeiter zusammen mit einem Cousin eine 19-jährige Frau vergewaltigt und soll dafür für viereinhalb Jahre ins Gefängnis. Der Beschuldigte sprach von einvernehmlichem Sex.

Der heute 27-jährige Kosovo-Albaner soll in der Nacht auf den 8. März 2013 eine 19-Jährige in sein Auto eingeladen und danach in ein Waldstück in Weiningen gefahren haben. Dort begann er, die Frau zu küssen und an den Brüsten zu berühren. Obwohl sie erklärte, dass sie dies nicht wolle, hörte er erst auf, als sie zu schreien anfing. Eine Woche später trafen sich die Geschädigte und der Lagermitarbeiter zu einem Gespräch. Der Beschuldigte tauchte mit seinem Cousin auf und drückte die Frau gegen ihren Willen in das Fahrzeug. Dann fuhren die Männer nach Schlieren, wo sie mit der Geschädigten eine Bar aufsuchten. Zwei Stunden später stieg die Frau freiwillig ins Auto in der Annahme, sie werde nach Hause gebracht. Stattdessen fuhr der Beschuldigte nach Weiningen, wo er die Geschädigte zum Geschlechtsverkehr zwang. Der Cousin vergewaltigte das Opfer ebenfalls. Wobei der Beschuldigte die zweite Vergewaltigung filmte. Nachdem sich der Hauptbeschuldigte noch einmal an der Frau vergangen hatte, liess er sie frei.

Laut Anklage setzte der Beschuldigte die Geschädigte mit dem Videofilm unter Druck. Worauf die Geschädigte Anzeige erstattete und der Lagermitarbeiter festgenommen wurde. Er sitzt seit dem 8. April 2013 im Gefängnis. Vor Gericht wies der Beschuldigte die Vorwürfe zurück und machte einvernehmlichen Sex geltend. Der Verteidiger warf der jungen Frau ein widersprüchliches Verhalten vor. Ein richtiges Opfer hätte Alarm geschlagen und wäre geflüchtet, so der Anwalt. Er ging von einem Seitensprung der Geschädigten aus. Als sie vom Video erfahren habe, hätte ihr eine peinliche Rufschädigung gedroht. Deshalb habe sie mit den falschen Anschuldigungen die Flucht nach vorne ergriffen. Der Anwalt verlangte für seinen Klienten für die zu Unrecht erlittene Haft eine Genugtuung von 70 000 Franken.

25 000 Franken Schmerzensgeld forderte die Rechtsvertreterin des Opfers. Ihre Mandantin leide heute noch unter einer posttraumatischen Belastungsstörung, erklärte sie. Eine Vertreterin der Staatsanwaltschaft ging nicht nur von mehrfacher Vergewaltigung, sondern auch von mehrfacher sexueller Nötigung, Freiheitsberaubung und weiteren Delikten aus. Auf dem Video höre man genau, wie das Opfer «nein» und «höred uf» sage.

Das Urteil wird nächsten Mittwoch erwartet.

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