Dietikon
Der Pommes-frites-Countdown in Dietikon geht voran

Die Ruggacker-Küche ist vom Containerprovisorium in den Neubau umgezogen. Noch sieht die neue Küche unfertig aus. Die Dirigentin des Umzuges ist Küchenchefin Martina Wetzel.

Katja Landolt
Drucken
Teilen
Die Ruggacker-Küche in Dietikon ist vom Containerprovisorium in den Neubau umgezogen
7 Bilder
Die Zivilschützer zügeln, die Küchencrew kocht
Sechs Männer sind nötig, um die riesige Küchenmaschine an ihren Platz zu hieven
Bevor Mehl und Zucker gezügelt werden, müssen die Vorräte im Provisorium aufgefüllt werden
Die Männer beraten, wie die Maschine wohl am besten da hoch kommt
Eine Küchenmaschine auf grosser Fahrt
Die neuen Transportwagen müssen in die Küche gebracht werden

Die Ruggacker-Küche in Dietikon ist vom Containerprovisorium in den Neubau umgezogen

Katja Landolt

«Das Ding ist glatt wie ein Ei.» Ratlos stehen die Männer des Zivilschutzes der Region Dietikon um die Universalmaschine. Vor zehn Minuten hatte das Gerät im Containerprovisorium noch gekochte Äpfel zu Mus verarbeitet. Jetzt steht das schwere, unhandliche Ding in der nigelnagelneuen Küche im Untergeschoss des Ruggackers in Dietikon und wartet darauf, an seinen neuen Platz gehievt zu werden - wie so manch anderes Küchenmaterial. Es ist der grosse Umzugstag für die Küche des Ruggackers.

Noch sieht die neue Küche unfertig aus. Zwar stehen die grossen Gerätschaften wie Steamer, Bratkipper und Transportwagen schon bereit. Noch aber werkeln Elektriker, Gipser und Maler, noch ist der Chromstahl mit Staub überzogen und an den Türrahmen kleben Zettel, «frisch gestrichen». Dass hier ab morgen Freitag gekocht werden soll, ist schier unglaublich.

Nebst dem Zügeln wird gekocht

Die Dirigentin des Umzuges ist Küchenchefin Martina Wetzel. Sie schickt die schleppenden Mannen mal hierhin, mal dahin, eilt selbst von der neuen Küche ins Provisorium, zurück ins Getränkelager und dann in die Abwaschküche. Der logistische Aufwand ist riesig, zumal die Küche trotz Umzug auch noch kochen muss. «Bei jedem Gerät, bei jedem Lebensmittel muss ich überlegen, was wir noch im Provisorium brauchen oder was in die neue Küche mitgenommen werden kann», sagt Wetzel. Solche Grossereignisse gehen selten ohne Verzögerungen von sich. Das ist auch bei der Küchenzüglete nicht anders. Noch fehlen die Regale fürs Trockenlager, für Gries und Mais beispielsweise. Die Regale sollen erst am Freitag geliefert werden. Auch Wetzels Büro kann noch nicht gezügelt werden. Für den Fall, dass in der neuen Küche nicht alles reibungslos funktionieren würde, bleibt das Provisorium die nächsten zwei Wochen stehen.

Pommes zum Knabenschiessen

Am Umzugstag schon fast vergessen sind die eineinhalb Jahre seit Januar 2011, in denen die Küchencrew Tag für Tag eingepfercht auf 30 Quadratmetern, vollgestellt mit Steamern, Kühlboxen, Transportwagen und Bratkipper, rund 140 Mittagessen und Zmorgen und Znacht für je 100 Mitbewohner vorbereiten mussten. Vergessen sind die täglichen Einkäufe von Frischprodukten, weil der Lagerplatz dermassen knapp war, die Fahrten zwischen Provisorium und Heim mit dem Tuck-Tuck. Schnee von gestern auch die Hitzetage der letzten Woche, während denen die Küchencrew bei über 40 Grad auf engstem Raum kochen musste.

Trotz dieser engen und komplizierten Umstände und der Freude über die neue Küche will Wetzel die eineinhalb Jahre nicht in schlechter Erinnerung behalten: «Nach der Hälfte der Umbauphase hatte ich das Gefühl, die Zeit ginge nie um. Aber jetzt, da sie vorbei ist, denke ich bereits, dass es so schlimm gar nicht war.» Trudy Muggli, Leiterin Hotellerie, freut sich ebenfalls auf die neue Küchen-Ära: «Die Zeit im Container war eine gute Zeit. Aber es ist auch gut, dass sie jetzt vorbei ist.»

Auch die Bewohner dürften sich über den Umzug der Küche freuen: Seit Januar 2011 mussten sie auf eines ihrer Lieblingsessen verzichten: Pommes frites. Die Pommes wurden auf dem Transportweg zwischen Provisorium und Heim wegen des Kondenswassers lampig. Jetzt sind die Tage des Pommes-Entzugs gezählt: Am 10. September, dem Knabenschiessen, sollen zum ersten Mal wieder Pommes frites serviert werden.