Das Gebiet des «Autohandels-Zentrums» leert sich allmählich. In den vergangenen Tagen und Wochen wurden die vielen Occasionswagen, die über Jahrzehnte das Gesicht der Stadt Schlieren geprägt haben, abtransportiert.

Bis Ende Mai soll das gesamte Gebiet geräumt sein. Der Grund: Die Mietverträge mit den rund 25 verbliebenen Autohändlern seien nun planmässig ausgelaufen, wie Jörg Koch, CEO der mit der Projektleitung betrauten Pensimo, auf Anfrage sagt. Auf dem Areal, das mitverantwortlich dafür war, dass Schlieren den Ruf einer Autoverkaufsstadt erhielt, entsteht Grosses: Die beiden Anlagestiftungen Turidomus und Adimora planen eine Überbauung mit 190 Wohnungen und Gewerbenutzung auf dem westlichsten Baufeld des neuen Quartiers Schlieren West.

Kann es, da die Autohändler von dannen ziehen, nun losgehen? «Noch nicht», sagt Koch. Denn erst müsse das mittels Architekturwettbewerb bereits erkorene Projekt «Schwarm» bis zur Baureife weiterentwickelt werden. Im Anschluss braucht das 90-Millionen-Projekt noch die Bewilligung der Stadt Schlieren. «Wir rechnen damit, dass wir nach den Sommerferien 2017 mit dem Bau beginnen können», sagt Koch. Visualisierungen des Projektes wollen die Verantwortlichen bewusst noch nicht veröffentlichen, da sich die Überbauung bis zur Realisierung noch verändern könne.

Noch vor einem Jahr sah es anders aus: Zwar standen die Pläne der Pensimo Turidorum für das westlichste Baufeld von Schlieren West bereits fest, doch war noch unklar, wann sie realisiert würden.

Noch vor einem Jahr sah es anders aus: Zwar standen die Pläne der Pensimo Turidorum für das westlichste Baufeld von Schlieren West bereits fest, doch war noch unklar, wann sie realisiert würden.

Wird das Gebiet zwischen Badenerstrasse und SBB-Gleisen nun also rund anderthalb Jahre nicht genutzt? Dies sei nicht zwingend der Fall, so Koch. «Wir sind derzeit dabei ein Konzept für mögliche Zwischennutzungen zu erstellen.» Doch seien diese Pläne noch nicht spruchreif.

Gemeinsam mit der im Jahr 2003 geschlossenen Occasions-Brache auf dem Färbi-Areal, war jene an der Badenerstrasse prägend für die Stadt Schlieren. Mit dem neuen Quartier «Am Rietpark» ist die Autohandels-Geschichte des Färbi-Areals gänzlich verschwunden. Heute stehen rund 600 Wohnungen in diesem Gebiet.

Händler fanden neue Areale

Kurt Brunner von der AMV Araco AG, die während rund 33 Jahren Hauptmieter des nun brachliegenden Grundstücks war, sagt auf Anfange, dass die Mehrheit der 25 Händler neue Areale gefunden hätten: «Vergleichbar mit jenem in Schlieren sind diese natürlich nicht. Hier waren alle auf einem Haufen, bald sind sie in alle Himmelsrichtungen verstreut.» Er selber wird nicht mehr mit Autos handeln, sondern die Branche wechseln. Bereits heute sind auf dem Areal kaum noch Autos zu finden, doch müssen die Occasionshändler die Brache Ende Mai räumen.

«Verschiedene Installationen wie etwa Stromanschlüsse oder auch die Bürocontainer müssen bis dann noch rückgebaut werden», sagt Brunner. Dass erst in rund anderthalb Jahren mit dem Bau der Wohnungen begonnen werden soll, wusste Brunner nicht. Die Turidomus habe den Vertrag ursprünglich auf September letzten Jahres gekündigt: «Dass wir nun doch rund dreiviertel Jahre länger bleiben konnten, als ursprünglich gedacht, hat uns natürlich gefreut», sagt Brunner.

Die beiden verantwortlichen Anlagestiftungen sind noch immer bestrebt, die Umnutzung der Autobrachen – analog dem Färbi-Areal – fortzuführen. Anders die AXA Winterthur: Die Besitzerin des Baufelds zwischen jenem der Turidomus/Adimora und Schulhaus Reitmen, gab vor einem Jahr bekannt, vorerst keine Überbauung zu realisieren. Dies begründeten die Verantwortlichen damit, dass die «Absorptionszeit» – also jene Dauer zwischen Erstellung und Vermietung einer Wohnung – zu lange sei im Limmattal. Seither blieb die Brache ungenutzt.

An den Plänen, das Baufeld zu begrünen, jedoch keiner öffentlichen Nutzung zuzuführen, hält die AXA Winterthur fest, wie das Unternehmen auf Anfrage bekannt gibt. Das aus einem bereits durchgeführten Architekturwettbewerb hervorgegangene Siegerprojekt hatte die Versicherung verworfen. Im vergangenen Februar wurde jedoch bekannt, dass die AXA Winterthur in Verhandlungen mit der Stadt Schlieren steht. Diese zieht das Gebiet für die Erstellung des Alterszentrum-Ersatzbaus in Betracht. Zum Fortschritt dieser Gespräche gibt es weder von der Stadt noch vom Versicherer Neuigkeiten. Aus Sicht der Stadt ist das Kohler-Areal gleich beim Schlieremer Bahnhof eine Standort-Alternative.