Haselnüsse
Der Nussgipfel wird zum Luxusgut

Aufgrund der Missernte in der Türkei im Frühjahr ist der Preis der Früchte enorm gestiegen. Limmattaler Bäckereien sehen sich gezwungen, ihre Produkte auf Anfang Jahr zu verteuern.

Anina Gepp
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Die Lieferanten halten die Haselnüsse zurück und verkaufen sie nur schubweise: Das erhöht den Preis des Rohstoffs erneut.Freudiger

Die Lieferanten halten die Haselnüsse zurück und verkaufen sie nur schubweise: Das erhöht den Preis des Rohstoffs erneut.Freudiger

Nussgipfel, Hefekränze und Vogelnästli: Diese beliebten Gebäcke werden erst durch die Zugabe von Haselnüssen besonders aromatisch. Doch diese sind zurzeit so teuer, wie schon lange nicht mehr. In der Türkei, der Hauptlieferantin der Nüsse, wurde durch eine Frostnacht im Frühjahr mehr als die Hälfte der Ernte zerstört. Die Blüten sind erfroren, worauf keine Früchte gedeihen konnten. Mit 800 000 Tonnen Haselnüssen pro Jahr hat die Türkei einen weltweiten Marktanteil von 70 Prozent. Im Schwarzmeerraum, der wichtigsten Anbauregion, dürfte die Ernte dieses Jahr gemäss Angaben des Dachverbands der Nuss-Industrie aber mit rund 500 000 Tonnen um 30 Prozent tiefer ausfallen.

Die Missernte hat einen massiven Preisaufschlag im Einkauf zur Folge, den die Limmattaler Bäckereien nun zu spüren bekommen. «Wir müssen aufgrund der schlechten Ernte unsere Preise leicht anheben», sagt Patrizia Gioffreda, Geschäftsführerin der Bäckerei Meuli in Oberengstringen. Produkte mit Haselnüssen würden im Schnitt um 10 Rappen pro Stück teurer. Doch auch der Preis für grosse Brote wird in der Dorfbäckerei per 1. Dezember leicht aufschlagen. Aufgrund des vielen Niederschlags dieses Jahr gebe es weniger hochwertiges Mehl, so Gioffreda. Immerhin: Für Weihnachtsguetzli mit Haselnussanteil wie Brunsli, Zimtsterne und Nussleckerli, bleibe der Kilopreis derselbe wie im Vorjahr.

Preis hat sich verdoppelt

Die Bäckerei Bode mit Filialen in Uitikon und Birmensdorf wird ihre Preise auf Anfang nächstes Jahr ebenfalls überarbeiten müssen. Der Ankauf von Haselnüssen sei doppelt so teuer wie in den Vorjahren und seit diesem November koste das Kilo nochmals ganze drei Franken mehr, so André Bode, Geschäftsführer der Bäckerei Bode. Im Schnitt würden Produkte mit Haselnüssen in beiden Filialen um drei Prozent teurer. Bis man genau wisse, wie die nächste Ernte in der Türkei ausfällt, könne daran nichts geändert werden, sagt Bode. «Die Lieferanten halten die Haselnüsse derzeit zurück und verkaufen sie nur schubweise.» Die Bäckerei versuche, die Preisänderungen für die Kunden so human wie möglich zu gestalten und nur dort vorzunehmen, wo es wirklich notwendig ist.

Die Linzertorte wird teurer

Die Bäckerei Plüss in Weiningen sieht sich ebenfalls gezwungen, die Preise auf Beginn des neuen Jahres anzupassen. Immer wenn ein Rohstoff rar werde, habe das Konsequenzen, so Roger Plüss, Inhaber der Bäckerei. Um wie viel Prozent die Produkte teurer werden, hängt vom Anteil der verwendeten Menge an Haselnüssen ab. So wird in der Bäckerei Plüss eine Linzertorte, die anteilsmässig viel der Hartschalenfrucht enthält, mehr aufschlagen, als eine Wähe, bei der nur auf den Boden des Teiges Haselnuss gestreut wird.