Weiningen
Der Neujahrsapéro wird zum Politikum

Die kurzfristige Absage des Neujahrsapéros des Quartiervereins Fahrweid erhitzt die Gemüter. Der Verein sieht diese Absage derweil als einen Hilfeschrei gegen das Diktat der Gemeinde.

Alex Rudolf
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Quartierzentrum Föhrewäldli. (Archiv)

Quartierzentrum Föhrewäldli. (Archiv)

MKE/Archiv

Wer sich am 2. Januar auf den Weg ins Quartierzentrum Föhrewäldli machte, um auf das neue Jahr anzustossen, der wurde enttäuscht. So erging es zumindest Max Bürgis. Der ehemalige Präsident der Kreisgemeinde der SP und eine Handvoll weiterer Personen fanden an der verschlossenen Tür einen Zettel vor, auf dem stand, dass der Apéro des Quartiervereins Fahrweid (QV) ausfalle. Begründet wurde dies damit, dass die Räumlichkeiten des «Föhrewäldlis» wegen des Umbaus bis auf weiteres nur mit grossem Aufwand zugänglich gemacht werden könnten. «So etwas darf nicht mehr vorkommen», so Bürgis in einem Leserbrief.

Samuel Bosshard vom Quartierverein Fahrweid kann die Frustration verstehen. «In einem E-Mail haben wir sämtliche Mitglieder des Vereins darüber informiert, dass der Apéro nicht stattfindet. Zudem verteilten wir Flyer in Briefkästen und am 2. Januar früh morgens brachte ich den Zettel am Eingang des Föhrewäldli an», so Bosshard. Dass es noch immer Leute gab, die zum Apéro erschienen, weil sie nichts von dessen Absage erfahren hätten, tue dem QV natürlich leid. Aber: «Die Suche nach einer anderen Lokalität für den Apéro hat sich schwieriger gestaltet, als angenommen», so Bosshard. Während das «Föhrewäldli» in den vergangenen Jahren stets gratis habe genutzt werden können, müsste man andernorts stattliche Preise für einen solchen Anlass zahlen. Geld, das der QV nicht habe.

Missverständnis könnte Grund sein

Überrascht nahm auch Gemeindepräsident Hanspeter Haug (SVP) die Absage des Anlasses zur Kenntnis. «Ich habe mich im Vorfeld persönlich dafür eingesetzt, dass der Apéro dieses Jahr trotz der Bauarbeiten durchgeführt werden kann», so Haug. Auf der Gemeindeverwaltung sei jedoch nie eine Anfrage für diesen Anlass eingegangen, sagt er. «Dass die Gemeinde nichts von einer Anfrage vom QV Fahrweid wusste, ist lächerlich», erwidert Bosshard darauf. Er räumt jedoch ein, dass ein Missverständnis im Spiel gewesen sein muss.

Im Ringen um das «Föhrewäldli» zwischen dem Weininger Gemeinderat und dem QV Fahrweid wird somit ein neues Kapitel geschrieben. Erst im vergangenen September zog sich die langjährige Pächterin Ursula Beutler aus dem Restaurationsbetrieb zurück. Dieser wird seither saniert. Nach der Fertigstellung soll die «Hotel & Gastro Formation» im Föhrewäldli eine Ausbildungsstätte für Gastropersonal eröffnen. Einen Pächter für einen neuen Quartiertreffpunkt sucht die Gemeinde noch. Erst Ende Oktober lancierte der QV die Idee, einen provisorischen Treffpunkt im Pavillon des Quartierzentrums einzurichten, solange die Renovationsarbeiten laufen. Mit der Begründung, dass dies nicht mit den feuerpolizeilichen Vorschriften zu vereinbaren sei, lehnte der Gemeinderat dies ab.

Wollte der Quartierverein mit der spontanen Absage des Apéros auch ein politisches Statement für das Föhrewäldli, für den Quartiertreffpunkt und gegen den Gemeinderat setzten? Bosshard weist diese Vermutung von sich. Die Absage des Apéros sei viel eher ein Hilfeschrei wegen der schwierigen Zusammenarbeit mit der Exekutive und dem fehlenden Restaurationsbetrieb. Was hält Gemeindepräsident Haug von der kurzfristigen Absage? «Ich finde es schade, dass man nicht gemeinsam auf das neue Jahr anstossen konnte. Über die Gründe spekuliere ich jedoch nicht.»