Schlieren
Der neue Schlieremer Stadtteil am Rietpark wächst nach Osten

Der neue Stadtteil am Rietpark in Schlieren streckt sich nun auch nach Osten. Mit dem Spatenstich für den ersten Wohnkomplex «Magnolia» auf dem Geistlich-Areal hat gestern die Bebauung einer der letzten grossen Brachflächen der Stadt begonnen.

Florian Niedermann
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Der Spatenstich für den Neubau Magnolia im Schlieremer Geistlich Areal.
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Spatentisch der Überbauung Magnolia in Schlieren
So soll das Gebäude in Zukunft aussehen.
Der Magnolienhof bildet das Zentrum des Neubaus und ist umgeben von einem veglasten Säulengang.
Das Peojekt soll vielfältige Grundrissvarianten für verschiedenste Wohnbedürfnisse bieten.
Modern und urban: Grosse Fenstern und offene Räume sorgen für viel Licht.

Der Spatenstich für den Neubau Magnolia im Schlieremer Geistlich Areal.

Florian Niedermann

Bis im Sommer 2016 erstellt die Geistlich Immobilien AG dort 137 Eigentumswohnungen für insgesamt bis zu 300 neue Einwohner. «Heute ist ein historischer Moment für unsere Firma», sagt Martin Geistlich, der Vorsitzende der Geschäftsleitung bei Geistlich Immobilien. Vor acht Jahren fällte sein Unternehmen den Entscheid, die industrielle Tätigkeit in Schlieren einzustellen und auf ihrem Areal neue Nutzungen anzusiedeln.

Zeitlich verschoben zum Gestaltungsplan der Firma Halter Entwicklungen für das Färbi-Areal entwickelte Geistlich Immobilien für das eigene Gelände ein solches Planungsinstrument. Die beiden Quartierteile werden dereinst durch einen über 40 000 Quadratmeter grossen Park - den «Rietpark» - verbunden sein. Vor anderthalb Jahren kürte eine Jury das Projekt «Magnolia» des Zürcher Architekturbüros Enzmann Fischer Partner AG in einem Wettbewerb für die erste Bauetappe zum Sieger.

«Projekt entspricht Nachfrage»

Bereits letzte Woche begann die Verkaufsphase für die darin entstehenden Eigentumswohnungen. Diese sei bereits gut angelaufen, sagt Geistlich: «Das zeigt uns, dass unser Projekt der Nachfrage entspricht.» Die nächste Bauetappe auf dem Geistlich-Areal an der Kreuzung Engstringerstrasse/Brandstrasse sei derzeit in Vorbereitung, sagt er. Es sei bei diesem Projekt aber noch vieles offen, so Geistlich.

Bereits 2001 begannen die Planungsarbeiten für die Überbauung der Halter Entwicklungen auf dem ehemaligen Färbi-Areal. Dieser Teil des Quartiers am Rietpark steht heute kurz vor dem Abschluss. Im grössten Gebäude, dem Zentrum am Goldschlägiplatz, entstehen bis Mai 2015 215 Mietwohnungen für bis zu 400 Personen und verschiedene Geschäftsflächen. Ein letztes Gebäude mit 66 Wohneinheiten soll im Sommer 2015 an der Brandstrasse fertiggestellt werden. Die bestehenden Wohnungen auf dem Färbi-Areal sind bereits vollständig vermietet, wie Gianfranco Basso von Halter Entwicklungen auf Anfrage erklärt.

Weniger gut ausgelastet ist das Bürogebäude mit dem regenbogenfarbigen Sonnenstoren an der Wiesenstrasse, das im Mai dieses Jahres bezugsbereit sein wird. Bisher seien 40 Prozent der Flächen darin vermietet, sagt Basso. Dies sei einerseits dem generellen Überangebot an Büroflächen geschuldet, andererseits habe es mit dem strategischen Entscheid der Firma Halter zu tun, im Gebäude vor allem Hauptsitze und grössere Firmen anzusiedeln: «Mit Kleinflächen hätten wir das Gebäude bereits füllen können. Aber das wollten wir nicht», so Basso.

Historischer Charakter

Der Spatenstich für die «Magnolia» von gestern hat nicht nur für die Firma Geistlich, sondern auch für die Stadt Schlieren historischen Charakter: Mit ihm beginnt die Überbauung einer der letzten Brachflächen der Stadt. «Die grossen Flächen auf Stadtgebiet sind bald bebaut», bestätigt der Schlieremer Stadtingenieur Hans-Ueli Hohl.

Eingezonte Parzellen, die noch frei stehen, existieren nur noch im Bereich Ifang bei der Gasometerbrücke und auf dem Gaswerkareal. Sie sind Eigentum der Stadt Zürich, Schlieren besitzt aber das Baurecht. «Derzeit ist offen, was damit geschehen soll», so Hohl. Für zwei weitere Leerflächen «Meuchwis» und «Unterrohr» haben Halter beziehungsweise die Zürich-Versicherung der Stadt Schlieren bereits Studien vorgelegt, wie er sagt: «Ob sie auch tatsächlich umgesetzt werden sollen, entscheiden wir aber erst im Zusammenhang mit der Erarbeitung des neuen Stadtentwicklungskonzepts.» Die Stadt wird damit laut Hohl spätestens 2015 beginnen.

Die Entwicklung des neuen Stadtteils nördlich der Bahnlinie ist nicht für alle Schlieremer ein Gewinn: Für Empörung sorgte in der Bevölkerung vor einem Jahr etwa die Mitteilung, dass das überregional bekannte Racketsport-Center Vitis voraussichtlich im Jahr 2020 einer weiteren Bauetappe auf dem Geistlich-Areal weichen muss. Vitis-Inhaber Kurt Locher versuchte mit den Behörden und Geistlich Immobilien eine Lösung zu finden, was jedoch scheiterte. Noch immer ist die Zukunft des Vitis-Centers ungewiss, wie Geistlich bestätigt: «Diesbezüglich hat sich meines Wissens noch nichts geändert.» Locher war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.