Urdorf
Der neue Schirmherr der Urdorfer Fasnacht ist ein Macher

Ein Zürcher, der in Urdorf aufgewachsen ist und sich selbst als Schlieremer bezeichnet, ist der neue höchste Fasnächtler der Clique Schäflibach. Markus Moosmann ist mit viel Engagement und Freude an der Arbeit.

Sarah Fuhrer
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Sein Jahr als Schirmherr hat Markus Moosmann prunkvoll begonnen: In einer weissen Stretchlimousine fuhr er bei seiner Ernennung am Samstag vor einer Woche vor, stieg in einem rot-glitzernden Anzug aus und verteilte 150 Rosen an die Frauen. Seine Ernennung war bis zu diesem Zeitpunkt streng geheim gehalten worden, nur wenige Eingeweihte hatten davon gewusst. Die Überraschung, als der gebürtige Urdorfer aus dem Auto stieg, war gross.

«Ich Bin mit meinen 1,69 nicht besonders gross», sagt der 54-Jährige mit dem verschmitzten Lachen, «aber ich habe eine laute Stimme und kann richtig anpacken. Ich bin ein Macher». Das sei wichtig als Schirmherr, zudem müsse man bekannt und spontan sein, ein Unikum, das «für jeden Seich zu haben ist». «Es ist eine Aufgabe, für die nicht jeder angefragt wird. Ich bin stolz, dass ich dieses Jahr die Clique repräsentieren darf», so Moosmann.

Man kommt nicht um die Fasnacht rum

Die Fasnacht hat in Urdorf einen hohen Stellenwert: Sie wird als fünfte Jahreszeit bezeichnet, der Schirmherr ist gemäss fasnächtlichem Brauch der höchste Urdorfer nach der Gemeindepräsidentin. Man kommt in der Gemeinde nicht um die Fasnacht herum – so ging es auch Moosmann. Seit seiner Kindheit war er an Umzügen dabei, als junger Erwachsener war er einige Jahre bei den Hobbynarren und in der Urgruppe. Danach hat er die Fasnacht lange nur als Zuschauer genossen.

Vor sechs Jahren wurde er dann zum ersten Mal als Schirmherr angefragt. Damals war er aber noch im Vorstand des TCS-Camping Club Zürich und bei der Feuerwehr Schlieren engagiert – es muss bei immer etwas laufen. «Wenn ich aber etwas anpacke, dann richtig und nicht nur so halbherzig», so Moosmann, deswegen habe er damals auch abgesagt. Inzwischen hat er beide Mandate abgelegt und sagte umgehend zu, als er als Schirmherr angefragt wurde.

«Ich packe gerne etwas Neues an», sagt Moosmann. Er schätzt den Kontakt mit Menschen, nimmt aktiv am Dorfleben teil, sowohl in Urdorf als auch in Schlieren, wo er seit 23 Jahren in der Entsorgung beim Werkhof arbeitet und sich deshalb selbst als Schlieremer bezeichnet.

Wer was braucht, soll Moosmann fragen

Wenn jemand etwas brauche, heisse es oft, man solle einfach mal den Moosmann fragen, erzählt der gelernte Lastwagenmechaniker. Er sei dafür bekannt, dass er gerne helfe. Einmal habe er sogar René Rindlisbacher aus der Patsche geholfen. «Er brauchte ein Fahrzeug für eine Bühnenshow», sagt Moosmann. Kurzerhand kam er mit seiner Crew vorbei.

Inzwischen ist aus dieser Aktion eine Freundschaft entstanden. Bis heute ist er mit Rindlisbacher in Kontakt und wird zu seinen Auftritten eingeladen. An Moosmanns 50. Geburtstag kam der Moderator sogar auf dem Werkhof vorbei, um mit ihm zu feiern «Ich glaube, die Leute schätzen, dass ich direkt bin und alles geradeheraus sage», so Moosmann.

Auch bei der Arbeit ist ihm die gute Stimmung im Team wichtig. Er ist Bereichsleiter der Abteilung Entsorgung. «Für viele bin ich der Inbegriff von Entsorgung. Sie kennen mich», so Moosmann. Einige belächeln den Beruf als «nur Entsorgung», aber Moosmann ist täglich mit viel Engagement und Freude an der Arbeit. Besonders spannend sei zurzeit, dass gelegentlich Schüler und Jugendliche bei ihm arbeiten, die entweder eine Strafe abarbeiten müssen oder keine Lehre gefunden haben sowie Asylsuchende. «Es ist eine Herausforderung, es ist interessant, diese Personen kennen zu lernen und von ihren Hintergründen zu hören», so Moosmann. Generell schätze er, dass sein Job immer wieder Abwechslung bringt.

Lastwagen sind seine Leidenschaft

Eine Weitere Leidenschaft von Moosmann sind Lastwagen. Die grossen Fahrzeuge begleiten ihn schon seit seiner Lehre und er stellt seine Begeisterung für sie mit dem kleinen Lastwagen-Ohrring im linken Ohr zur Schau. Nach der Rekrutenschule fuhr er mit dem Lastwagen zwischen Deutschland und Tunesien hin und her, um der armen Bevölkerung und den Fabrikarbeiterinnen alte, nicht mehr benötigte Kleider zu bringen und ihnen auszuhelfen.

Auch heute reist er noch gerne umher: «Ich fahre oft mit meiner Frau und Freunden mit dem Wohnmobil in den Norden», so Moosmann. Er schätzt die ruhige Zeit mit seiner Frau, mit der er seit 30 Jahren verheiratet ist, und seinen zwei erwachsenen Kindern. «Früher hatte ich immer Angst, etwas zu verpassen. Als die Kinder geboren wurden, habe ich gelernt, dass die Familie genug ist», sagt der Schirmherr. Mit seiner Frau wohnt er in Zürich. Dort könne er sich wirklich erholen, weg von der Arbeit und einer Umgebung, wo ihn alle kennen.

«Meine Frau ist der ruhige Pol bei uns. Sie holt mich immer wieder zurück auf den Boden», sagt Moosmann. Denn er habe schon eine ganze Menge Ideen für das kommende Jahr. «Ich möchte auf jeden Fall vollen Einsatz geben für die Urdorfer und etwas Neues und Grossartiges ermöglichen», so Moosmann.

Kontakt zwischen Urdorf und Schlieren fördern

Dafür will er seine Beziehungen nutzen. Ausserdem möchte er den Kontakt zwischen Urdorf und Schlieren fördern. «Ich freue mich auf die Aufgabe, diese Clique zu repräsentieren. Ich werde sicher viel herumkommen, andere Fasnachten sehen und zum Beispiel ein Jurymitglied bei verschiedenen Maskenbällen sein», so Moosmann. Die Ernennung hat jetzt schon grössere Auswirkungen, als er gedacht hatte. Am ersten Tag kam Stadtpräsident Toni Brühlmann auf ihn zu und habe ihm gratuliert. «Generell habe ich viele Gratulationen bekommen. Viele Leute haben sich über meine Ernennung gefreut», so Moosmann. «Es wird auf jeden Fall ein verrücktes Jahr, in dem ich zudem noch Grossvater werde .»