Dietikon
Der neue Pfarrer von Dietikon erhält zwei Wohnungen

Als Stellvertreter tritt Elmar Bortlik Anfang November das Amt des reformierten Pfarrers an, die ordentliche Wahl findet im Februar statt. Derweil haben Bortliks Familienverhältnisse die Kirche vor eine spezielle Herausforderung gestellt.

Tobias Hänni
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Von der Pfarrwahlkommission vorgeschlagen: Elmar Bortlik.zvg

Von der Pfarrwahlkommission vorgeschlagen: Elmar Bortlik.zvg

Wenn Elmar Bortlik Anfang November seine Arbeit als neuer Pfarrer der reformierten Kirche Dietikon aufnimmt, dann bringt er auch seine Familie mit ins Limmattal. An sich ist das für die reformierte Kirche ja kein Problem, wäre da nicht der Umstand, dass diese Familie aus sechs Personen besteht. Das hat die Kirchgemeinde die letzten Wochen vor eine wohl neue Herausforderung gestellt: Wo findet sich in Dietikon ein Haus oder eine Wohnung, die genug Platz für einen sechsköpfigen Haushalt bietet? Die Kirche hatte für die Familie Bortlik in Aufrufen nach einer Bleibe mit 6,5 Zimmern gesucht – erfolglos. Nun wird sie vorerst in zwei übereinanderliegenden Wohnungen untergebracht. «Die Lösung ist nicht ideal», sagt Hansjörg Gloor, Präsident der Kirchenpflege. Doch es habe sich auf die Schnelle keine andere Möglichkeit finden lassen.

Mit seinem Antritt per 1. November wird Bortlik zunächst Stellvertreter von Daniel Wiederkehr. Dieser hatte auf vergangenen Januar gekündigt; Kurt Liengme amtete danach übergangsweise als Pfarrer der reformierten Kirche. Nach einem mehrmonatigen Auswahlverfahren hat sich die Pfarrwahlkommission «nach einer angeregten Diskussion» Ende August für Bortlik entschieden, wie der Oktoberausgabe der gemeindeeigenen Publikation «Kirche A» zu entnehmen ist. Allerdings ist Bortlik damit für die Amtsdauer 2016 bis 2020 noch nicht gewählt, sondern erst als Pfarrer vorgeschlagen. Die eigentliche Wahl fällen die Mitglieder der Kirchgemeinde Ende Februar an der Urne, danach läuft eine Einsprachefrist von wenigen Tagen. Bei Bortliks vorzeitigem Stellenantritt handelt es sich also quasi um eine Art Probezeit – noch vor der Wahl können die Gemeindemitglieder die Arbeit des Kandidaten kennen lernen.

Die Stelle des reformierten Pfarrers im Bezirkshauptort war begehrt: Nicht weniger als 26 Bewerber meldeten sich auf das Inserat, schrieb Pfarrwahlkommissionspräsident und Stadtrat Heinz Illi in «Kirche A». «Es war keine einfache Aufgabe, die besten Bewerbungen auszuwählen und zu priorisieren.»

Dass der Entscheid der 15-köpfigen Wahlkommission letztlich auf Bortlik gefallen ist, erklärt Kirchenpflegepräsident Gloor damit, «dass er unser Stellenprofil sehr gut abdeckt und er mit allen gut zusammenarbeiten wird». Die Wahl sei ein langes Prozedere gewesen, ähnlich dem Bewerbungsverfahren in der Wirtschaft. Dabei wurden auch die Besucher von Bortliks Gottesdiensten befragt und Gespräche mit seiner Partnerin geführt. Derzeit ist Bortlik in der Diakonie Ländli in Oberägeri (ZG) angestellt.

Nicht auf Schwerpunkte geeinigt

Bortliks Vorgänger, Daniel Wiederkehr, hatte noch vor dem Ende seiner Amtszeit die Stelle gekündigt. In der April-Ausgabe von «Kirche A» nannte er einige Gründe für die Kündigung: Ihm sei es nicht gelungen, «das Vertrauen meiner engsten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu gewinnen. Auch die Zusammenarbeit mit der Kirchenpflege blieb schwierig. In Fragen rund ums Engagement für die sozial Schwachen von Dietikon haben wir uns nicht gefunden», schrieb Wiederkehr.

Hansjörg Gloor wollte sich zu diesen Aussagen «nach so langer Zeit nicht mehr äussern». Man wolle nun nach vorne blicken. Ebenfalls in der Aprilausgabe von «Kirche A» drückte Gloor sein Bedauern aus, dass «es uns nicht gelungen ist, uns auf gemeinsame Schwerpunkte im diakonischen Engagement zu einigen». Wiederkehr sei ein Pfarrer mit «klaren Vorstellungen und Überzeugungen, der auf Menschen zugeht und Dinge anpackt». Ihm sei es immer wieder gelungen, gute Ideen zu entwickeln, Kontakte zu knüpfen und Projekte umzusetzen. Einige der Projekte, die Wiederkehr während seiner Zeit bei der reformierten Kirche Dietikon angestossen hat, sollen laut Kirchenpflegepräsident Gloor auch weitergeführt werden. So findet etwa der «besondere Lunch», bei dem die Reformierten zusammen mit der katholischen Kirche und dem Industrie- und Handelsverein Mittagessen für Unternehmer organisiert, auch weiterhin statt.