«Es fehlen noch Stühle!», tönte es am Samstagabend plötzlich durch den Raum. Als dann die ersten Stühle hereingereicht wurden, wusste man nicht: Soll man sich nun daraufsetzen, sie weitergeben, damit stehenbleiben? Warum braucht es überhaupt Stühle? Die Besucherinnen und Besucher, die die Sitzgelegenheiten nicht vermisst hatten, waren irritiert.

Die Stimme gehörte freilich nicht irgendjemandem. In schickem Anzug trat Christian Höhener auf die Bühne und liess sogleich seinen unverwechselbar hochtaktigen Redeschwall auf das Publikum los. Comedy-Partner Peter Winkler gesellte sich dazu, das Duo Lapsus war komplett.

Die Stimme hatte also nicht ein Fehlen verkündet. Vielmehr bedeutete sie, dass das Kulturhaus Gleis 21 endlich komplett war. Und nun mit einem ersten künstlerischen Akt in Betrieb ging.

«Traum geht in Erfüllung»

Nach einem Zaubertrick, der die beiden in bessere Komiker verwandeln sollte, ergriff Irene Brioschi, Kulturbeauftragte der Stadt Dietikon, das Wort. «Ein jahrelanger Traum geht in Erfüllung», sagte sie und lobte die Verwandlung der ehemaligen Farbenfabrik und Brockenstube, die von der Stadt Dietikon für rund eine Million Franken renoviert worden war.

Das Gleis 21 sei für Dietikon «ein riesiger Glücksfall» und neben dem Stadtkeller nun der zweite «kulturelle Leuchtturm» in Dietikon. Dazu passend überreichte Brioschi dem Vorstand von Gleis 21 ein Miniaturmodell eines Leuchtturms. Der Vorstand hatte sich um die Beschaffung finanzieller Mittel bemüht und die Innenausstattung der 430 Quadratmeter grossen Liegenschaft übernommen.

Kerstin Camenisch, Co-Präsidentin von Gleis 21, sprach von der Leidenschaft, die den Vorstand befeuert habe. Da kein Rednerpult vorhanden war, stellte sich zu diesem Zweck Christian Höhener zur Verfügung. Auf allen vieren machte der Komiker während der ganzen einen Buckel für Camenisch – nicht ohne sie immer wieder auf seine Lage aufmerksam zu machen.

Leidenschaft sei doppeldeutig, fuhr Camenisch fort, und habe dem Vorstand auch viele Leiden beschert. Schliesslich aber sei man ans Ziel gekommen. «Wir sind froh, dass wir für die fünf Ateliers fünf Künstler finden konnten und mit Francesca Melia auch eine Betreiberin für das Bistro.»

Heuss bastelt für Bachmann

Auch Stadtpräsident Roger Bachmann gab sich die Ehre und richtete einige Worte an die überaus zahlreichen Anwesenden. «Der Stadtrat will mehr Kultur- und Begegnungsorte für Dietikon und ist über das Gleis 21 hocherfreut.» Gleichzeitig betonte er, dass die Stadt Projekte dieser Art nur anstossen könne, für den Betrieb seien sie aber auf Eigeninitiative angewiesen.

Anschliessend trat der für seine irrwitzigen Erfindungen bekannte Stefan Heuss auf. Kurzerhand bastelte er dem Stadtpräsidenten ein aus Salzteig und Silikon gefertigtes Smartphone-Cover. Später konstruierte er einen «Wellness-Adapter», wozu er eine riesige, ratternde Bohrmaschine mit einem Handschuh bestückte. Später gaben die Band Elvis Explosion und das DJ-Duo Reteez n’ Burn ihre Musik zum Besten.

Von den Gästen gab es viel Lob. «Ich bin stolz, dass das Gleis 21 fertig wurde und fand die Eröffnungsfeier herrlich», sagte Priska Aregger aus Dietikon. Ursli Weber aus Dietikon sagte: «Ich wünsche mir, dass die Stadt noch mehr begreift, dass es solche Räume braucht. Es gibt dafür ein riesiges Bedürfnis! Das sieht man allein schon an der Besuchermenge.»