Eine solche Parlamentssitzung erlebt man nicht alle Tage: Ein Gemeinderat winkt ins Publikum, ein Kind wuselt herum, die Frauen von der Trachtengruppe bereiten den Apéro vor, die Gäste plaudern, ein Mitarbeiter der Stadtverwaltung rennt mit dem Natel am Ohr herum und zwischen den Traktanden blasen zwei Trompetenspieler Fanfaren.

Dass die Sitzung am Donnerstagabend eher unkonventionell ablief, war aber durchaus gewollt: Schliesslich handelte es sich um die Konstituierung für den Gemeinderat – und dieser traf sich für einmal im Festzelt auf dem Kirchplatz statt im Stadthaus.

Cécile Mounoud neu im Präsidium

Zum neuen Ratspräsidenten gewählt wurde Stephan Wittwer (SVP). Von den anwesenden 30 Ratsmitgliedern erhielt Wittwer 29 Stimmen, nur ein Stimmzettel war leer. Zur 1. Vizepräsidentin wurde turnusgemäss die bisherige 2. Vizepräsidentin, Christiane Ilg (EVP), gewählt. Sie erhielt 28 Stimmen, zwei Stimmzettel wurden leer abgegeben. Als 2. Vizepräsidentin neu auf dem Bock Platz nehmen darf Cécile Mounoud (CVP). Auf sie entfielen 26 Stimmen, wobei vier Stimmzettel leer eingingen.

Wittwer ersetzt als Präsident Pius Meier (CVP), der in seiner kurzen Rücktrittsrede vorrechnete, dass jeder Gemeinderat in seinem Amtsjahr im Schnitt 2,2 Vorstösse eingereicht hatte, während jeder Stadtrat nur durchschnittlich 1,2 Anträge vorbereitet hatte.

Bitte Redezeit nicht überziehen

Wittwer erklärte, er sehe sich in seiner neuen Rolle als Schiedsrichter und betonte, er werde nicht zögern, die gelbe Karte zu verteilen, sollte es «ruppig» werden. Er hoffe aber, nie auf die rote Karte zurückgreifen zu müssen. Wittwer zitierte zudem Konrad Adenauer, den ersten Bundeskanzler Deutschlands, mit folgenden Worten: «Natürlich achte ich das Recht. Aber auch mit dem Recht darf man nicht so pingelig sein.» In diesem Sinne bat er seine Ratskollegen darum, nicht so pingelig zu sein, sollte ihm einmal ein Fehler unterlaufen. Gleichzeitig kündigte er an, selber pingelig sein zu wollen, sollte im Parlament der gegenseitige Respekt fehlen oder die Redezeit überzogen werden.