Noch ist die Nordfassade der Klosterkirche im Fahr komplett eingerüstet. Das wird nicht mehr lange so bleiben. Schon nächste Woche wird ein Teil des Gerüstes ab- und an der Westfassade des Latrinenhauses wieder aufgebaut. Dann ist die Sicht frei auf jene Fresken, die von Doris Warger und ihrem Team bereits restauriert wurden. Seit 2015 sind die Arbeiten an den 1746 und 1747 von den Luganeser Gebrüdern Torricelli geschaffenen Malereien im Gange. Noch dieses Jahr sollen sie abgeschlossen werden.

Wer allerdings darauf hofft, dass die Wandmalereien dann wieder in leuchtenden Farben erstrahlen, wird enttäuscht werden. Denn der Restauratorin geht es in erster Linie darum, den Verputz, «den Träger der Malerei zu reparieren» und so den heutigen Zustand zu bewahren, wie sie am Montag auf einem Rundgang erklärte. Gesichter oder ganze Figuren wurden also nicht nachgezeichnet, wie man vielleicht vermuten könnte. Das hat auch Priorin Irene im Verlauf der Freskensanierung erfahren müssen: «Ich musste lernen, dass man nach der Restaurierung ruhig sehen darf, dass die Malereien aus dem 18. Jahrhundert stammen.»

Letztmals vor 50 Jahren saniert

Bevor mit den Arbeiten an den letztmals in den 1960er-Jahren renovierten Malereien begonnen werden konnte, mussten zuerst Untersuchungen zu den Eigenschaften des barocken Kalkmörtels durchgeführt werden. Es zeigte sich, dass das Hauptproblem darin besteht, dass der Mörtel, der Träger der Farben, teilweise mürbe geworden ist. Durch Löcher und Risse in der Fassade, die stark der Witterung ausgesetzt ist, drang Wasser ins Mauerwerk. So entstanden Hohlstellen zwischen Farbe und Putz. Manche von ihnen «waren quadratmetergross», so Warger. Lokalisiert habe man diese von Hand, durch Abklopfen der Mauer. Sämtliche Hohlräume und Risse wurden mittlerweile kartografiert und so für die nächste Generation dokumentiert.

Injektionen gegen Hohlstellen

Seither geht es für die Restauratoren nun darum, in einer ersten Phase den Verputz zu konsolidieren. Dabei werden die mürben Putzstruktur verfestigt und die von blossem Auge kaum erkennbaren Hohlstellen mittels Injektionen hinterfüllt. Die dabei verwendeten Materialien sind dem barocken Mörtel angeglichen. In einer zweiten Phase werden die offenen Stellen im Verputz mit Kalkmörtel geschlossen und abschliessend die Kittungen eingetönt. Wobei diese Retuschen auf die Originalfarben abgestimmt sind.

Die Kosten für die Restaurierung der Fresken im Kirchhof inklusive des Kirchturms, die Teil der Gesamtsanierung der Klosteranlage sind, werden sich auf rund 700 000 Franken belaufen. Daran beteiligen sich neben dem Bund und dem Kanton Aargau unter anderem auch die Gemeinde Unterengstringen sowie weiter Spender. Bereits abgeschlossen wurde letzten November die erste Sanierungsetappe. Sie kostete elf Millionen Franken und umfasste die Klausur im West- und Südflügel sowie die Propstei und den Besuchertrakt im Ostflügel des Konventgebäudes. Abgeschlossen sein wird die Gesamtsanierung frühestens 2030.