Das Bienensterben und die wetterbedingte Unsicherheit haben Obstbauer Hans Peyer aus Bergdietikon dazu veranlasst, auf eine andere Lösung zu setzen. Seit einigen Jahren übernehmen auf seiner Obstplantage Hummeln die Arbeit der Bienen.

Hummeln fliegen schon bei 8 Grad

Peyer lässt sich die kleinen Helfer in Paketen schicken. «Ein Camionneur liefert sie in einer Kartonschachtel. Darin befindet sich eine Box mit Waben und Futterreserven für die Hummeln», erklärt er. Zieht man den Zapfen aus der Box, dann muss man nur noch warten, bis es für die Insekten warm genug zum Fliegen ist.

«Etwa 8 Grad genügen, Bienen fliegen erst bei etwa 10 bis 12 Grad.» Und obwohl der Volksmund von der «fleissigen Biene» spricht, müsste es wohl eher «fleissige Hummel» heissen. «Die Hummeln beginnen am Morgen früher zu fliegen und sind auch am Abend länger zu beobachten», sagt Peyer.

Im April kommt die erste Lieferung Hummeln

Die Insekten aus dem Paket bestellt Peyer bereits im Dezember, etwa im April kommt die erste Lieferung. Da sich im Volk keine Königin befindet, vermehren sich die Hummeln nicht. Sie sind etwa 3 bis 4 Wochen aktiv. Peyer benötigt deshalb mehrere Lieferungen, denn auf seiner Plantage gibt es unzählige Sorten an Kern- und Steinobst, die zu unterschiedlichen Zeiten blühen.

Wie viele Völker für die Bestäubung nötig sind, hängt davon ab, was angebaut wird und über wie viele Quadratmeter sich eine Anlage erstreckt. Auch die Umgebung spielt eine Rolle – etwa wie viele Bienenvölker vorhanden sind. Peyer hat bis jetzt gute Erfahrungen gemacht. «Wenn es keine Bienen unmittelbar bei einer Obstanlage hat, ist die Bestäubung eine unsichere Sache – auf die Hummeln ist Verlass.»

Bienen sind trotzdem wichtig

Andere Betriebe arbeiten nach wie vor mit Bienen. Der Biohof Fondli hat ein Bienenhäuschen, das von einem Imker betreut wird. Für Anita Lê ist es noch etwas zu früh, um die diesjährige Situation zu beurteilen. «Im Moment ist es sehr kalt, da fliegen die Bienen sowieso nicht. Im März war es überdurchschnittlich warm, da hatte es viele Bienen», sagt sie.

Auch Kurt Bräm ist auf die Bienen angewiesen. Äpfel, Kirschen, Zwetschgen und Beeren gedeihen auf seinem Hof in Dietikon. Er befürchtet aber keine grösseren Einbussen in diesem Jahr: «Ich habe zehn Bienenvölker, davon haben sieben überlebt, ich habe also Glück gehabt.»

Im Moment hofft er auf besseres Wetter, damit die Bienen bald ihre Arbeit verrichten. Hummeln seien nur eine Übergangslösung, ist er überzeugt. «Sollten wir einmal keine Bienen mehr haben, dann haben wir ein Riesenproblem, deshalb muss man gut zu ihnen schauen», ist er überzeugt.