Limmattal

Der Milliarden-Kampf um Tunnels ist eröffnet

Beim Rangierbahnhof könnten Güterzüge künftig in den Boden verschwinden – im neuen Gubrist-Zugtunnel.

Beim Rangierbahnhof könnten Güterzüge künftig in den Boden verschwinden – im neuen Gubrist-Zugtunnel.

Die Idee, Güterzüge durch den Gubrist fahren zu lassen, konkurrenziert mit verschiedenen Mega-Projekten, wie dem Zugtunnel Altstetten-Aarau. Die Mittel sind stark umkämpft, daher ist noch offen, wo das Schienennetz tatsächlich ausgebaut wird.

Wer Gubrist hört, mag an allerlei denken, nur nicht an Züge. Am Sonntag wurde aber bekannt, dass das Bundesamt für Verkehr (BAV) die Idee verfolgt, einen Tunnel für Güterzüge durch den Gubrist zu bauen, der rund eine Milliarde Franken kosten würde.

Der Tunnel soll beim Rangierbahnhof Limmattal beginnen und in Zürich Affoltern enden. Die Idee ist Teil des Ausbauschritts 2030/2035 der Bahninfrastruktur, den das BAV vorbereitet. Mit dem Tunnel sollen Güterzüge nach Osten das Limmattal und die Stadt Zürich umfahren können.
Wo das Schienennetz tatsächlich ausgebaut wird, ist noch offen: 2017 unterbreitet der Bundesrat einen Vorschlag mit konkreten Projekten zur Vernehmlassung, 2018 folgt die Botschaft ans Parlament, das dann 2019 entscheidet. Danach könnte es noch zu einem Volksreferendum kommen.

Schon jetzt ist aber klar: Entweder stehen 7 Milliarden Franken für einen Ausbau bis 2030 oder 19 Milliarden Franken für einen Ausbau bis 2035 bereit.

Die Mittel sind umkämpft, es gibt mehr Ideen, als Geld vorhanden ist. So steht der Mega-Zugtunnel Altstetten-Aarau, der das Limmattal massiv von den Fernverkehrszügen entlasten und diese schneller machen würde, in direkter Konkurrenz zur Idee des Gubrist-Güterzugtunnels. Dazu kommen weitere Ideen aus der Region Zürich.

Wäre die Welt ein Wunschkonzert, würde der Bahnhof Stadelhofen ein viertes Gleis erhalten, zwischen Bassersdorf und Winterthur der Brüttener Tunnel und zwischen Zürich Wiedikon und Thalwil der Zimmerberg-Basistunnel II entstehen, dazu die beiden Tunnels unter dem Limmattal. Auch die restliche Schweiz sprudelt vor Ideen: So hätten beispielsweise die Luzerner gerne einen Durchgangsbahnhof, wie ihn Zürich schon hat.

So reagieren die Limmattaler


Der Dietiker Stadtpräsident und Präsident der Zürcher Planungsgruppe Limmattal, Otto Müller, findet den Gubrist-Güterzugtunnel eine interessante Idee: «Wir sind grundsätzlich interessiert, das Limmattal zu entlasten. Jede Entlastung würde den Bau des S-Bahnhofs Silbern begünstigen und das Lärmaufkommen verringern», sagt Müller.

Allerdings dürfe dadurch keinesfalls das Projekt eines Zugtunnels von Altstetten nach Aarau beeinträchtigt werden. Müsste Müller wählen, würde er den Mega-Tunnel bevorzugen: «Dieser Tunnel bringt mehr Entlastung. Von den 600 bis 800 Zügen, die täglich durchs Limmattal fahren, sind schliesslich der grösste Teil Passagierzüge.»


Der Güterzug-Tunnel würde auch unter Weiningen hindurchführen. Gemeindepräsident Hanspeter Haug nimmt die Idee gelassen auf. «Wenn die Züge in Spreitenbach in den Boden gehen, ist mir das Ganze eigentlich egal. Aber ich sehe die Idee als utopisch an, denn es gibt so viele teure Projekte, zwischen denen sich der Bund entscheiden muss.»

Auch unter der Geroldswiler Fahrweid würde der Tunnel durchführen. Gemeindepräsident Michael Deplazes sagt, dass man ein konkretes Projekt genau prüfen werde, wenn dieses vorliege.


Grösstes Güterverkehr-Nadelöhr


Die Ideen, die das BAV derzeit verfolgt, sind entstanden, nachdem Kantone und Interessengruppen ihre Bedürfnisse anmeldeten. Eine davon ist die Begleitgruppe Güterverkehr des BAV, in der auch Frank Furrer vom Verband der verladenden Wirtschaft (VAP) sitzt. Selbst weiss er nicht viel mehr über die Idee als die Öffentlichkeit, da sich das BAV mit Informationen zurückhält.

«Wer mit Informationen spart, hat es leichter, die Führung zu behalten», sagt Furrer. Die neue Tunnel-Idee habe oberste Priorität für den Güterverkehr. Der Grund: Für die Schweizer Wirtschaft und deren Güterverkehr ist die West-Ost-Achse Genf-St. Gallen die wichtigste.

Auf dieser Achse seien die Abschnitte Limmattal und Zürich-Winterthur das Nadelöhr schlechthin: «Wenn hier nichts passiert, nimmt die ganze Schweiz Schaden. Der Tunnel hätte einen positiven Netzeffekt bis ins Tessin, das Wallis und nach Genf.»


Der Tunnel Altstetten-Aarau würde zwar auch eine Entlastung bringen, aber nicht unmittelbar für die Ostschweiz. «Wir dürfen die Ostschweiz nicht vom Rest des Landes abhängen», so Furrer. Vom Tunnel-Ende in Zürich Affoltern könnte laut Furrer ein oberirdisches Gleis nach Rümlang genutzt werden, wo sich das Treibstoff-Tanklager für den Flughafen Zürich befindet.

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