Thomas Hunziker hört seiner Frau zu und lacht leise. Annette Hunziker zählt soeben die Gründe auf, weshalb es sie aus ihrer deutschen Heimat in die Schweiz zog. Seine unscheinbare Reaktion wirkt so, als wollte er ihre zarten Komplimente während des Sechs-Augen-Gesprächs gar nicht hören.

Zum Bild des singenden Cowboys oder des rappenden Mathemathiklehrers will diese Szene nicht passen. Als wären diese Rollen nicht genug, gründete Hunziker vor

20 Jahren den Pop-Chor Catbrook Singers, den er auch dirigiert. In zwei Jahrzehnten auf der Bühne trug der Schlieremer Cowboyhut und Anzug, spielte Klavier, Gitarre und liess dabei seine Stimme erklingen.

Mit 20 Jahren verliess Hunziker seine Heimat in Bern, um in Zürich Mathematik und Englisch zu studieren. Der Musik, seiner Leidenschaft, blieb er immer treu. Schon als 13-Jähriger drückte er hie und da die Tasten des alten Pianos seiner Grossmutter, bis sich seine Neugierde in Wissbegierde verwandelte. Der Autodidakt erkannte schon früh Ähnlichkeiten zwischen der Harmonielehre und der Lehre der Mathematik. «Damit etwa die Harmonie stimmt, müssen Intervalle zwischen den Noten respektiert werden», sagt Hunziker heute. «Ein gelungenes Musikstück ist die Mischung aus Berechnung und Gespür.»

Dirigent und Komponist

1999 gründete Hunziker mit sechs Freundinnen und Freunden einen Pop-Chor. Schon damals schrieb und komponierte er eigene Lieder. «Am Anfang übten wir in der Stube eines Kollegen, aber nach und nach wuchsen wir derart, dass wir einen neuen Proberaum brauchten», erinnert er sich. Ein wichtiges Element geriet damals in Vergessenheit: der Name des Chors. Sechs Jahre lang sang die Gruppe ohne offizielle Bezeichnung. Bis Annette Hunziker dazu kam. Sie gab den Anstoss für den Ausbruch aus der Anonymität. Da der Chor in Zürich Seebach in der Nähe des Katzenbachs zu Hause ist, nannten sie ihn schliesslich «Catbrook Singers».

Premiere in Schlieren

«Wir sind ein dynamischer Chor», sagt Annette Hunziker. Die 25 Männer und Frauen singen nicht nur, sondern wippen auch lässig zum Takt der Musik. «Wir stellen eine richtige Show auf», sagt Thomas Hunziker. Damit kommt er auf «Switzerland 12 Points» zu sprechen, das neue Programm der «Catbrook Singers». Der Titel bezieht sich auf die höchstmöglichste Punktzahl, die ein Lied beim Eurovision Song Contest (ESC) von einem anderen Land bekommen kann.

Der Chor feiert im Schlieremer Stürmeierhuus am Sonntag die Premiere von «Switzerland 12 Points.» Für das Konzert sind Covers auf Englisch, Italienisch, Französisch sowie Deutsch geplant. Die Hits reichen von «Waterloo» von Abba, über «Ein bisschen Frieden» von Nicole in einer Swing-Version bis zu «Hard Rock Hallelujah» von Lordi. 1956 gewann zudem Lys Assia für die Schweiz mit dem Lied «Refrain» den ersten Eurovision Song Contest. «Das werden wir auch singen», sagen die Hunzikers fast unisono. Sie berichten weiter vom geplanten Programm, etwa von der Moderation, dem Lichterspiel und dem animierten Hintergrund. «Wir organisieren alles von A bis Z», sagt Thomas Hunziker. Auch aus diesem Grund nennt er den Chor ein «zeitintensives, aber mit viel Herzblut ausgeübtes Hobby». Trotz diesem Mehraufwand kann Hunziker die Musik nicht sein lassen. Für ihn sind die aufeinander abgestimmten Stimmen eine Belohnung. «Die Klänge, das Zusammensein, das alles inspiriert mich», sagt er. «Die Auftritte sind unsere Belohnung.»

Ihr Ehemann sei ein anderer auf der Bühne, sagt Annette Hunziker am Tisch der gemeinsamen Wohnung. «Als wir uns kennenlernten, widmete er mir ein selbstkomponiertes Liebeslied. Damals spielte er Gitarre und sang in einer Countryband. Sobald er seinen Hut anzog, war er wie ein Superstar.» Im Alltag ist Hunziker der Mathematiklehrer, der seinen Schülern zuliebe Formeln rappt. «Sie sind ja dä härtischt Mathe-Lehrer womer je gha hent», schreibt ein Fan auf seiner Website.

Zugleich ist er wohl einer der sanftesten Dirigenten. «Thomas hat sehr viel Geduld und erklärt allen alles in einer sehr liebenswerten Art», sagt seine Frau. «Wenn ich er wäre, wäre ich strenger gewesen», sagt sie lachend. Und wie reagiert Thomas Hunziker? Er lacht auch. Wenn auch ein wenig leiser.

Die Catbrook Singers feiern am Sonntag, 31. März um 18 Uhr im Stürmeierhuus Schlieren Premiere von «Switzerland 12 Points». Am Sonntag, 1. September um 18 Uhr treten sie zudem am Schlierefäscht auf.