Dietikon

Der Löwe hat nicht mehr genug Biss

«Das Löwenzentrum ist in die Jahre gekommen», sagt Stadtpräsident Otto Müller. Nun soll es aufgefrischt werden. Bettina Hamilton-Irvine

«Das Löwenzentrum ist in die Jahre gekommen», sagt Stadtpräsident Otto Müller. Nun soll es aufgefrischt werden. Bettina Hamilton-Irvine

Hohe Mieten und fehlende Laufkundschaft machen den Detaillisten im Löwenzentrum zu schaffen. Einige Mieter haben bereits aufgegeben. Die Stadt wünscht sich für das in die Jahre gekommene Geschäftsgebäude eine Auffrischung.

Nach zwei Jahrzehnten hat Miranda Jenny genug: Ihr Papier- und Kartengeschäft im Dietiker Löwenzentrum ist Geschichte. Jenny konnte die Miete nicht mehr stemmen. «Der Mietzins war schon immer sehr teuer für mich», sagt sie. Als dann Ende 2013 ihr Vertrag auslief, beschloss Jenny, auszuziehen. «Das Kleingewerbe findet im Dietiker Zentrum keine bezahlbaren Lokale mehr», sagt sie. «Ich weiss nicht, welche Branche noch genug erwirtschaften könnte, um diese Mieten zu bezahlen.»

Zwar hätte sich die Miete aufs neue Jahr nicht verändert. Doch habe sie gehofft, dass ihr der Vermieter finanziell etwas entgegengekommen würde, sagt Jenny. Immerhin sei sie 20 Jahre lang Mieterin gewesen und habe sich immer sehr mit dem Löwenzentrum identifiziert. Es sei hart gewesen, den Laden zu schliessen, sagt Jenny. Doch sie habe sich nun mit der Situation abgefunden.

Immerhin gelang es Jenny, ihre Mitarbeitenden zu behalten und in ihrer Papeterie an der Zürcherstrasse, die sie hat umbauen lassen, unterzubringen. Doch ein schaler Nachgeschmack bleibt: Noch vor drei Jahren hatte Jenny vier Papeteriegeschäfte in der Region. Nachdem sie vor zwei Jahren das Geschäft in Schlieren schliessen musste, vor einem Jahr die Papeterie in Altstetten und nun auch noch den Laden im Löwenzentrum, bleibt ihr nur noch das Lokal an der Zürcherstrasse. Es ist unterdessen die einzige Papeterie zwischen Zürich und Aarau, die überlebt hat.

Kürzlich aus dem Löwenzentrum ausgezogen ist auch die Ex-Libris-Filiale, die neben Jennys Papeteriegeschäft eingemietet gewesen war. Auch für sie hat das Geschäft an diesem Standort nicht mehr rentiert, wie Mediensprecherin Marie-Christine Schindler sagt. Der Mietzins sei aber nur ein Grund dafür gewesen.

«Die Rahmenbedingungen in so einem Zentrum sind allgemein schwierig», sagt Schindler. Aufgrund der langen Öffnungszeiten, an die man gebunden sei, habe man hohe Personalkosten. Zudem spüre man, dass viele Kunden ihre Einkäufe zunehmend online tätigten.

«Es fehlt an Laufkundschaft»

Das bestätigt auch Jenny: «Das Kaufverhalten hat sich verändert.» Aufgefallen ist Jenny im Löwenzentrum aber noch etwas anderes: Seit dem Umbau der Migros sei die Gourmessa nicht mehr sichtbar und ziehe weniger Laufkundschaft an, sagt sie. «Das spürten wir deutlich.»

Einen ähnlichen Verdacht hat man bei Chicorée – dem Laden, der vor einem knappen Jahr die Verkaufsfläche der Gourmessa übernommen hat und nun im Löwenzentrum mit einem Kleider- und einem Schuhladen vertreten ist. «Mit dem Schuhladen sind wir gut gestartet, doch dann ist der Umsatz abgeflacht», sagt Mediensprecher Pascal Weber. Die Kleider verkaufen sich zwar besser, doch der Umsatz im Löwenzentrum stagniere seit 2013. «Dies liegt sicherlich auch an der fehlenden Laufkundschaft», so Weber. Im Löwenzentrum werde Chicorée aber auf jeden Fall bleiben. Auch, weil man als Dietiker Firma mit der Stadt verbunden sei.

Kein Problem mit fehlender Kundschaft hat indes die Migros, wie Mediensprecher Andreas Reinhart sagt: «Wir haben viel Geld in die Migros im Löwenzentrum investiert und sind zufrieden – sowohl mit dem Umsatz als auch mit der Frequenz.» Dass die Anzahl der Kunden rückläufig sei, könne er nicht bestätigen. Man habe kürzlich die Zahlen vor und nach dem Umbau verglichen: «Wir sind unverändert auf Kurs.»

Sorgen mache man sich hingegen im Zusammenhang mit dem Parkhaus, sagt Reinhart: Das Parkieren sei «massiv teurer» geworden und das Parkhaus sei in einem ungepflegten Zustand. «Der eine oder andere Pinselstrich könnte da nicht schaden.»

Auffrischung ist «dringend nötig»

Dass im Zusammenhang mit dem 26 Jahre alten Löwenzentrum akuter Handlungsbedarf besteht, hat auch die Stadt eingesehen. «Das Zentrum ist in die Jahre gekommen», sagt Stadtpräsident Otto Müller. «Es hätte dringend eine Auffrischung und im Parterrebereich eine Neugestaltung nötig.» Deshalb habe man den Kontakt zum Besitzer des Zentrums, der Zurich Anlagestiftung, gesucht, sagt Müller – und habe eine Zusicherung erhalten, dass eine Aufwertung und die Ausarbeitung einer Strategie geplant sei. Das Ziel: vielseitigere Vermietungen.

Er bedaure, dass die Papeterie Jenny ausgezogen sei, sagt Müller, der einräumt, zurzeit fehle dem Löwenzentrum der richtige Ladenmix. «Die Stadt kann nicht finanziell unterstützen», so Müller: «Sie muss aber für bessere Rahmenbedingungen sorgen.»

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