Coronavirus
Der Lockdown macht erfinderisch: Limmattaler Kirchgänger spenden neuerdings per Twint

Die Kirchgemeinden spüren die Coronapandemie bei ihren Kollekten: Da Gottesdienste während Wochen untersagt waren und nun von maximal 50 Personen besucht werden dürfen, gehen weniger Spenden ein. Verschiedene Kirchen setzen jetzt auf neue Technologien.

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Ein Smartphone und ein QR-Code: Mehr braucht es nicht für die digitale Kollekte von Limmattaler Kirchen.

Ein Smartphone und ein QR-Code: Mehr braucht es nicht für die digitale Kollekte von Limmattaler Kirchen.

Keystone

Während Kulturanlässe und andere Veranstaltungen momentan gänzlich untersagt sind, dürfen Gottesdienste durchgeführt werden. Es dürfen aber nicht mehr als fünfzig Personen zugegen sein.

Aufgrund dieser Beschränkungen registrieren die Kirchen im Limmattal Einbussen bei ihren Kollekten. «Wir stellen schon fest, dass die Einnahmen von Kollekten seit dem zweiten Lockdown nochmals zurückgegangen sind», teilt etwa Heinrich Brändli mit. Brändli ist Kirchgemeindeschreiber der Reformierten Kirchgemeinden Dietikon, Schlieren und Weiningen (zu Weiningen gehören auch Oetwil, Geroldswil und Unterengstringen). Die Spendengelder seien 2020 im Vergleich zum Vorjahr um rund die Hälfte eingebrochen. «Das ist schon eine recht happige Einbusse», sagt Brändli.

Die drei reformierten Kirchgemeinden haben auf die geringer ausfallenden Kollekten reagiert: Sie setzen neuerdings auf das Zahlungssystem Twint. Mit dieser Smartphone-App können Spender innert weniger Sekunden einen beliebigen Beitrag senden.

QR-Code für Kollekte wird demnächst noch bekannter

Dafür ist bloss die Handynummer des Adressaten oder ein QR-Code, den man mit dem Handy einlesen kann, nötig. Solche Codes sind in den Kirchen, beim Eingang oder an den Bänken, angebracht. «Damit die Menschen aber auch von zuhause aus spenden können, werden wir den QR-Code demnächst auf unserer Website veröffentlichen», so Brändli. Da jeden Sonntag ein Gottesdienst live auf der Website gestreamt wird, erhoffe man sich so zusätzliche Kollekten.

Die Gelder, die von Kirchgängern gespendet werden, kommen einem karitativen Zweck zugute. Welche Stiftungen oder Hilfsorganisationen die Kollekten erhalten, werde jeden Sonntag aufs Neue bestimmt.

Gewisse Vorgaben erhalten wir von der Landeskirche, ansonsten können wir selbst darüber entscheiden»,

erklärt Brändli. «Die Empfänger können sehr unterschiedlich sein.» Meist seien es gemeinnützige Organisationen in der Schweiz, teils auch solche aus dem Ausland. Da diese in der Konsequenz ebenfalls weniger Kirchenkollekten erhalten, müssen auch sie Spenden auf Umwegen generieren.

Hilfswerke setzen auf Digitalisierung

Das römisch-katholische Hilfswerk Fastenopfer beispielsweise beklagte bereits während des ersten Lockdowns im Frühling 2020 deutliche Einbussen. Seither hat es sich digitale Kanäle zunutze gemacht, um Hilfsprojekte in Afrika, Asien oder Südamerika weiterhin fördern zu können. Wer spenden will, kann dies ebenfalls per Twint, aber auch per E-Banking oder auf der Website tun.

Und auch die Caritas Zürich setzt auf eine «digitale Kollekte»: Per SMS, Twint oder E-Banking lässt sich eine Spende schnell abwickeln. Vor allem dieses und nächstes Wochenende wird diesen Mitteln eine wichtige Bedeutung zukommen, denn dann findet in den Zürcher Pfarreien die alljährliche Caritas-Woche statt. Deren Zweck ist, Kirchenkollekten für die Bekämpfung von Armut in der Schweiz zu sammeln.

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