Urdorf

Der Limmattalerlauf läuft wieder: Gelaufene Kilometer werden zu Spendengelder

Der Limmattalerlauf in Urdorf ist zum 15. Mal durchgeführt worden: Zu den Teilnehmern zählten verschiedene Limmattaler Bekannte sowie ein riesiger Teddybär namens Freddy. Insgesamt kamen Spenden von rund 55'000 Franken zusammen.

Einige Kinder in der vordersten Reihe tänzeln bereits ungeduldig unter dem Startbanner. Thomas Luginbühl hält sie zurück: «Noch drei Minuten», verkündet er. Er steht breitbeinig vor der Menge – und aufgeregt. Denn Luginbühl, das jüngste Mitglied des Organisationskomitees, hat lange auf diesen Moment hingearbeitet. Nachdem der Sponsorenlauf vor drei Jahren eine enttäuschende Teilnehmerzahl verzeichnen musste, waren frische Ideen und neuer Schwung gefragt. Zumal es am Samstag in Urdorf das Jubiläum des 15. Laufes zu feiern galt.
Luginbühl stürzte sich auf die Aufgabe, kreierte Banner und Flyer und rührte auch digital, auf Facebook und auf Instagram, die Werbetrommel. Zudem regte er an, erstmals und passend zur Jubiläumszahl, einen 15-Stunden-Lauf durchzuführen. Nicht zuletzt erneuerte der Jugendarbeiter der reformierten Kirche Urdorf das Logo des neu Limmattalerlauf heissenden Events. Die Schnürlischrift musste weg und einem schnörkellosen, dynamischen Schriftzug weichen.

Jeder trägt seinen Teil bei

Der Effort hatte sich bezahlt gemacht: Rund 150 Läuferinnen und Läufer waren am Samstagmittag aufgekreuzt. Nachdem sie sich zusammen mit der dreifachen Olympionikin Krisztina Papp aufgewärmt hatten, durften sie die zwei Kilometer lange Strecke nun endlich in Angriff nehmen.

Obschon der Lauf immerhin zwei Stunden dauerte und die Mittagssonne heiss brannte, stürmten die Kinder unbekümmert los. Andere setzten vorausschauend auf ein gemütliches Traben, während wiederum andere eher losmarschierten und sich dabei auf ihre Wanderstöcke stützten. Die Läuferinnen und Läufer kamen sehr vielfältig daher. Einige führten einen grossen roten Ballon mit, den es während des ganzen Laufes festzuhalten galt. Einer schob im Kinderwagen seinen knapp einjährigen Nachwuchs vor sich her, der ebenfalls mit einer Startnummer ausgestattet war.

Der Schlieremer SP-Gemeinderat Roger Seger liess sich trotz Krankheit nicht von einer Teilnahme abhalten und sauste in seinem motorisierten Rollstuhl los. Sozusagen auf dem Rücksitz transportierte er dabei einen riesigen Teddybären namens Freddy, der nach dem Lauf für das Projekt von Horyzon in Haiti versteigert wurde. In dieses Projekt flossen mindestens 70 Prozent der erlaufenen Spendengelder. Trat man als Gruppe an, durften 30 Prozent des Erlöses zudem für ein eigenes Projekt eingesetzt werden.

Während die rund 150 Läuferinnen und Läufer gerade erst gestartet waren, fühlten sich andere zu diesem Zeitpunkt bereits auf der Zielgeraden: Denn 43 Tollkühne hatten sich für den langen 15-Stunden-Lauf angemeldet und waren, wenn sie keiner Stafette angehörten, bereits die ganze Nacht unterwegs gewesen.

Nach zwei respektive 15 Stunden war der Limmattalerlauf bereits wieder Geschichte. Eine respektable Summe von rund 55'000 Franken war zusammengekommen und wurde von den Läuferinnen und Läuferinnen mit einem traditionellen Birchermüesli gefeiert.

Mit Hilfe des Vollmonds und der Feuerwehr

Patrick Müller, Leiter Stab der Urdorfer Gemeindeverwaltung, sah trotz des absolvierten 15-Stunden-Laufs verblüffend frisch aus. Man hätte meinen können, er sei nicht für Haiti gestartet, sondern von dort aus den Ferien zurückgekommen. «Ich fühle mich gut», sagte er und lachte. «Es war viel lockerer als die 100-Kilometer-Läufe, an denen ich in Biel teilgenommen habe. Ich wusste, dass ich keine runde 100 Kilometer schaffen muss.» Sehr respektable 85 Kilometer sind es für Müller dann doch geworden. Während des Laufs haben ihm der Vollmond, die warme Nacht und das anwesende Feuerwehrteam Energie gespendet. Für die Organisatoren hatte er viel Lob übrig: «Der Limmattalerlauf hinkt den professionellen Anlässen in keiner Weise hinterher.»

Am Zwei-Stunden-Lauf teilgenommen hatte der Parlamentspräsident von Schlieren, Walter Jucker (SP). «Ich bin von Luginbühl angefragt worden, ob man Werbung für den Lauf machen könnte. Da dachte ich mir: Statt nur Werbung zu machen, laufe ich doch gleich selber mit.»
Sein Ziel sei es gewesen bei seinen Parlamentskollegen 100 Franken pro Kilometer zu sammeln. Da dies nicht geklappt hatte, trommelte Jucker am Schlierefäscht noch ein paar zusätzliche Sponsoren zusammen. So kam er jetzt auf 200 Franken pro Kilometer. «Ich bin nicht ganz am Limit gelaufen und habe mich entschieden, nach 18 Kilometern aufzuhören. Schliesslich will ich meinen Sponsoren nicht allzu weh tun», sagte er und lachte.

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