Geroldswil
Der Limmattaler Single-Biber hinterlässt neue Spuren

Der Nager, der sich in der Region niedergelassen hat, ist immer noch ohne Partner unterwegs. Vor einem Jahr wurden das erste Mal Spuren des Bibers entdeckt.

Kathrin Schneider
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Der Naturschutzbeauftragte Tobias Liechti hat vor wenigen Tagen einen neuen Trampelpfad des Bibers durch die Auen gefunden. Die übliche Paarungszeit für Biber ist im Februar. Biologe Andres Beck hofft, dass der Limmattaler Biber dann eine Familie gündet.

Der Naturschutzbeauftragte Tobias Liechti hat vor wenigen Tagen einen neuen Trampelpfad des Bibers durch die Auen gefunden. Die übliche Paarungszeit für Biber ist im Februar. Biologe Andres Beck hofft, dass der Limmattaler Biber dann eine Familie gündet.

Limmattaler Zeitung

Gesehen hat er ihn nicht. «Aber die Spur ist eindeutig von einem Biber», sagt Tobias Liechti von der Umweltplanungsfirma Creato. Vor wenigen Tagen hat der Naturschutzbeauftragte einen Pfad auf seiner Visite durch die Geroldswiler Auen entdeckt: «Ich war draussen unterwegs, weil ich überprüfen wollte, wann die Bauern das nächste Mal das Gras schneiden müssen.» Da habe er auch zufällig die Spur des Bibers entdeckt. Der selbst getrampelte Weg gehe weg von der Limmat zu einem nah gelegenen weiherartigen Flussarm.

Vor einem Jahr wurden das erste Mal Spuren des Bibers entdeckt. «Den neusten Erkenntnissen nach hält er sich aber immer noch zwischen dem Gebiet Chessel Spreitenbach und den Geroldswiler Auen auf», sagt Liechti. Ob es ein Männchen oder Weibchen sei, wisse man nicht. Dazu hätten sie das Tier einfangen müssen.

Schaffung neuer Lebensräume

Noch vor zweihundert Jahren gab es keine Biber mehr in der Schweiz. Seitdem der Biber in den 1960er-Jahren wieder ausgesetzt und unter Schutz gestellt wurde, hat sich sein Bestand mittlerweile auf 2000 Tiere vergrössert. In den letzten Jahren haben aber vor allem kanalisierte Flussufer und unüberwindbare Flusskraftwerke die Lebensräume der Biber eingegrenzt.

Dagegen kämpft der Bund nun an. Seit der Änderung der Gesetze über den Gewässerschutz im 2011 sind die Kantone dazu verpflichtet, strategische Konzepte auszuarbeiten. «Rund 4000 Kilometer sollen in den nächsten 80 Jahren renaturiert werden», weiss Christof Angst von der Biberfachstelle Schweiz. Diese Aufwertung der Uferbereiche würde auch dem Biber neue Lebensräume bieten. Denn die Biberbestände hätten sich in den letzten Jahren nicht überall gleich gut entwickelt. «An der Limmat haben wir sogar ein bis zwei Biberreviere verloren», sagt Angst.

An den Renaturierungen freut sich auch der Biologe Andres Beck, der für den Biberschutz im Kanton Aargau zuständig ist und den Biber an der Limmat beobachtet. «Der Biber ist eine fantastische Tierart für den Naturschutz.» Er übernehme die Pflege, indem er die Ufergebiete auf natürliche Weise holze. «Ausserdem schafft er für viele Tiere überlebensnotwendige Voraussetzungen», erklärt Beck. Dies beispielsweise, indem er Sumpfgebiete als seichte Nasszonen für zahlreiche Tiere und Pflanzen zurückhole.

Der Biber in den Geroldswiler Auen ist alleine unterwegs. «Bis jetzt haben wir noch keine Anhaltspunkte auf einen Partner oder Partnerin», meint Beck. Anhand der Anzahl und Vorkommnisse gefällter Bäume und Sträucher kann der Experte den Bestand der Biber in einem Gebiet einschätzen. «Im Sommer finden wir die wenigsten Nagespuren», sagt Beck. Wenn es kälter werde, würden die Biber aktiver, da sie mit dem Bau für die Überwinterung begännen. Im Februar sei dann die übliche Paarungszeit für die Nager. «Hoffen wir, dass unser Biber bis dann eine Familie gegründet hat.»