Den Wurstliebhabern des Limmattals ist der Appetit nicht vergangen. Trotz der Studie des WHO, die kürzlich veröffentlicht wurde und besagt, dass Würste krebserregend sind.

Markus Steiner von der Steiner Fleischspezialitäten AG in Birmensdorf sagt: «Bei unseren Stammkunden merke ich keine Veränderung, es wird immer noch genau gleich viel Wurst gekauft wie zuvor.» Ihm sei aber bewusst, dass dies ein grosses Thema sei und so werde es auch in den Medien breit geschlagen. «Sie finden immer wieder etwas Neues, das anscheinend tödliche Substanzen enthält», sagt Steiner «das Leben ist tödlich, überlebt hat es noch niemand». Die Studie ist allerdings keineswegs an der Kundschaft von Steiner vorbeigezogen. «Die Kunden stellen mir keine fachtechnischen Fragen, sondern fragen ironisch, was man eigentlich noch essen dürfe», sagt Steiner. «Gestern war es das Gemüse, heute ist es die Wurst, was wird es wohl morgen sein?» So hören sich die Kundenreaktionen an.

Krebsrisiko Wurst?

Krebsrisiko Wurst?

«Mir persönlich sagt diese Studie nichts», sagt Steiner, «es sind zusammengesetzte Variablen, die nichts belegen.» Vor allem sei diese Studie nichts Neues. Es sei seit längerer Zeit bekannt, dass der Restnitratgehalt krebsfördernd sein könnte.

So sieht es auch Peter Gadient, Angestellter der Metzgerei Hildebrand in Dietikon. Auch seine Kundschaft, zeige keinerlei Reaktion auf die Studie. Auch die Angestellten seien bis jetzt auch nicht darauf angesprochen worden. «Jeder mit gesundem Menschenverstand weiss selber, was er davon halten muss», sagt Gadient. Sie würden auch nicht aktiv auf die Kundschaft zugehen, denn so würde man die Fleischliebhaber nur nervös machen. «Würde diese Studie stimmen, wäre ich schon lange tot», sagt Gadient lachend. Jetzt sei gerade die Grillsaison vorüber und es wurde viel Fleisch gegessen, da habe man ja etwas finden müssen. «Bald kommt Weihnachten, da kommt sicherlich etwas neues zum Vorschein, was ungesund oder gar tödlich ist», sagt Gadient.

Der Geroldswiler Präsident der Branchenorganisation der Schweizer Fleischwirtschaft Proviande, Johannes Heinzelmann, ist sich sicher: «Die Studie wird keine Auswirkungen auf den Fleischkonsum der Schweizer Bevölkerung haben.» Auch Langzeitschäden, glaube er, würde es nicht geben. Das zeige die Vergangenheit. Es sei nicht das Erste mal, dass so etwas publiziert worden sei. «Vielleicht das Erste mal, in so einem breiten Rahmen und auf so einer hohen Stufe», sagt Heinzelmann. Aber es sei bereits seit Jahren ein Thema. Die Behauptung, dass Würste krebserregend sind, sei reine Angstmacherei. «Ich fasse es so auf, dass Würste krebserregende Faktoren von vielen enthalten können», sagt er, «und das kann ich nicht abstreiten, weil ich keine gegenteiligen Argumente habe.» Aber diese pauschale Verurteilung sei nicht sehr sorgfältig. «Ich bin ein bekennender Wurstliebhaber und Konsument, aber alles im Rahmen», sagt Heinzelmann. «Meinen Konsum einschränken werde ich nicht.»

50 Gramm täglich

Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC), welche der WHO angehört, haben Wurst und Schinken als krebserregend eingestuft. Der regelmässige Konsum erhöhe das Darmkrebsrisiko, und zwar um 18 Prozent je 50 Gramm täglich.
Die logische Folge einer solchen Studie wäre nun, dass die Bevölkerung ihren Fleischkonsum einschränken würde. Eine spontane Umfrage auf der Strasse Dietikons weist darauf hin, dass die Bevölkerung die Wurst nicht meidet. So findet etwa der 20-jährige Damir Dalipi aus Dietikon: «Ich habe von der Studie gehört, doch werde ich deshalb nicht weniger Wurst essen. Im normalen Mass ist es bestimmt nicht schädlich, ich esse ja nicht jeden Tag eine Wurst.» Dieser Meinung ist auch Rösli Meier, 71, aus Dietikon: «Heutzutage ist doch alles tödlich. Die finden doch immer irgendetwas, das nicht gesund ist.» Die 36-jährige Dietikerin Stefanie Mazzei ist der Meinung, dass das alles gar nicht so schlimm sei. «Es wird nicht so heiss gegessen, wie es gekocht wird», sagt sie. «Ich werde weiterhin Würste essen, es ist ja nicht so, als würde ich am Tag zehn davon essen.» Man solle alles in Massen geniessen und sicherlich auf gesunde Ernährung achten.»