Altberg

Der Limmattaler Hausberg ist ein Ruhepol mit einem Kleinod darauf

Ute Hoffmann (l.) wird zusammen mit ihrer Familie ab dem neuen Jahr die Gäste auf dem Altberg bewirten. Sie hat die Waldschenke von Gabriela Hintermann gepachtet, die nach 25 Jahren als Wirtin aufhört.

Ute Hoffmann (l.) wird zusammen mit ihrer Familie ab dem neuen Jahr die Gäste auf dem Altberg bewirten. Sie hat die Waldschenke von Gabriela Hintermann gepachtet, die nach 25 Jahren als Wirtin aufhört.

Gabriela Hintermann wirtet seit 25 Jahren in der Waldschenke, jenem Restaurant, das ihr Grossvater 1921 erwarb. Nun hört sie auf und verpachtet das Restaurant weiter. Wie geht es mit der Geschichte weiter, die 1895 begann.

Die Waldschenke Altberg ist ein Ort, wie man ihn nur noch selten antrifft. Während sich unten das Furt- und speziell das Limmattal rasant wandeln, scheint oben auf dem Hügel die Zeit stehen geblieben zu sein. Noch heute geniessen Gäste hier ihre Mahlzeit, ihr Glas Wein in der Stube unter Petrollampen.

Das Einkehren in der Waldschenke kommt einer Zeitreise gleich. «Dieser Fleck ist wie ein Stück heile Welt», sagt Gabriela Hintermann. Seit 25 Jahren wirtet sie auf dem Altberg. Wie das zuvor schon die Eltern und die Grosseltern getan haben. Seit 1921, als ihr Grossvater Adolf Schibli an einer Gant eine Waldparzelle auf dem Altberg ersteigerte, ist die Waldschenke in Familienbesitz.

Weiterhin ein Familienbetrieb

Das wird auch künftig so bleiben. Dennoch bahnen sich Veränderungen an. Gabriela Hintermann hört Ende Jahr als Wirtin auf. Die Waldschenke hat sie an ihre langjährige Stellvertreterin Ute Hoffmann und deren Familie verpachtet.

«Es ist ein guter Zeitpunkt, um aufzuhören. Es war schon immer mein Plan, dass ich nicht bis 65 Jahre hier oben wirte», sagt die bald 56-jährige Hintermann. Sie habe keine eigene Familie und sei glücklich, dass sie so gute Mitarbeiter habe, die die Waldschenke weiterführen werden. «Einem Wildfremden zu verpachten, kam für mich nie infrage», so Hintermann.

Trotz des Wirtewechsels wird sich für die Gäste auf dem Altberg wenig ändern. «Auch wir sind ein Familienbetrieb und werden die Waldschenke in ähnlichem Stil weiterführen wie bislang», sagt Ute Hoffmann. Natürlich bleibe auch das Fondue auf der Speisekarte, jenes Gericht, das bis heute der unangefochtene Favorit bei den Gästen ist.

«Wieso soll ich etwas verändern, das funktioniert?», fragt Hoffmann, die mit ihrem Mann vor acht Jahren «per Zufall» den Weg auf den Altberg fand. Die gelernte Köchin fühlt sich wohl hoch oben über dem Limmat- und Furttal. «Anfangs war es gewöhnungsbedürftig, auf dem Berg zu wohnen. Mittlerweile geniesse ich die Ruhe hier oben», so Hoffmann.

Eine Ruhe, die auch von den Gästen geschätzt wird. «Wer hier hinauf kommt, will es geniessen, will den Alltag hinter sich lassen», sagt Hintermann. Sie habe deshalb auch nie Probleme mit ihren Gästen gehabt, keine Auseinandersetzungen, keinen Streit. Nicht zuletzt deshalb spricht sie von einem «privilegierten Arbeitsort». Das Wirten auf dem Altberg könne man nicht vergleichen mit dem Führen eines Restaurants in einem Dorf.

Die Gäste sind es denn auch, die Hintermann vermissen wird. «Die Arbeit im Gastgewerbe erfordert eine hohe Präsenzzeit. Freizeit bleibt wenig übrig», so Hintermann. Deshalb würde sich ein Grossteil der sozialen Kontakte bei der Arbeit ergeben. Aus Gästen seien so Freunde geworden. Manche von ihnen würden schon seit 50 Jahren regelmässig in der Waldschenke einkehren. «Der Altberg ist auch deshalb ein Hausberg für mich, ein Stück Heimat», sagt Hintermann.

In den Ferien auf dem Altberg

Eine Heimat, mit der die scheidende Wirtin schon seit der Kindheit eng verbunden ist. «Ich war oft bei meiner Grossmutter in den Ferien auf dem Altberg. Als ich etwa sechs Jahre alt war, habe ich hier oben einen Guetzlistand betrieben», erinnert sie sich. Später habe sie in der Waldschenke mitgeholfen, so wie es sich für einen Familienbetrieb gehöre. «An Mittwochnachmittagen und an den Wochenenden war für mich klar, dass es auf den Altberg geht», sagt Hintermann, die in Höngg aufgewachsen ist.

Auch in Zukunft wird Gabriela Hintermann auf dem Altberg, ihrem Berg, anzutreffen sein. «Nun aber als Gast oder als Ferienaushilfe», sagt sie. Trotz der Wehmut, die mit dem Abschied von der Waldschenke verbunden ist, freut sich Hintermann auch auf die Zeit, die auf sie zukommt: «Im Winter werde ich oft Skifahren gehen. Und auch mein Hobby, das Malen, werde ich intensivieren.» Überhaupt wolle sie sich all den Dingen widmen, die im Laufe der letzten 25 Jahre zu kurz gekommen seien. Etwa richtige Ferien machen.

Noch aber steht Gabriela Hintermann hinter dem Tresen. Am 28. Dezember wird sie ihren letzten Anlass durchführen. Dann wird die Waldschenke geschlossen, ehe sie am 2. Januar wieder ihre Türe öffnet. Nun unter neuer Führung, aber immer noch mit derselben Stube und ihren Petrollampen.

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