Region Limmattal

Der Limmattaler des Jahres über das Schlierefäscht: «Wir Organisatoren sind im Dilemma»

Rolf Wild auf dem stillgelegten Abschnitt der Badenerstrasse beim Zentrumsplatz in Schlieren: Hier wird im kommenden August die städtische Bundesfeier stattfinden.

Rolf Wild auf dem stillgelegten Abschnitt der Badenerstrasse beim Zentrumsplatz in Schlieren: Hier wird im kommenden August die städtische Bundesfeier stattfinden.

Rolf Wild wurde wegen seines Engagements zum Limmattaler des Jahres gewählt. Im Interview fordert er mehr Mittel für die Kultur.

Besser hätte das Jahr für Rolf Wild nicht laufen können. Das Schlierefäscht von Anfang September, dessen Organisationskomitee er bereits zum dritten Mal präsidierte, war ein voller Erfolg und lockte schätzungsweise 100 000 Personen in die Stadt. Wilds Einsatz wurden von den Leserinnen und Leser honoriert: Mit 234 Stimmen setzte sich der 69-Jährige gegen fünf Mitbewerber durch und gewann den Titel des Limmattaler des Jahres. Traditionsgemäss ist dieser der Gesprächspartner für das letzte Interview des Jahres in der Limmattaler Zeitung.

Nach 2011 war dies Ihre zweite Nomination für den Titel des Limmattaler des Jahres – damals obsiegte Schwester Elisabeth Müggler. Sind Sie überrascht, dass es diesmal geklappt hat?

Rolf Wild: Überrascht bin ich nicht, da ich im Vorfeld von zahlreichen Bekannten auf die Nomination angesprochen wurde. Viele meinten, sie gäben mir ihre Stimme und ich würde siegen. Das stimmte mich zuversichtlich.

Was gefällt den Lesern dieser Zeitung so an Ihnen?

Was vielleicht den Ausschlag für mich gegeben hat, ist, dass das Schlierefäscht die Limmattalerinnen und Limmattaler auf einer emotionalen Ebene abholte. Viele haben schöne Erinnerungen daran. Alle wurden vom Fest angesprochen – von sehr jung bis sehr alt. Zudem war das Angebot für die Besucher gratis, es konnten also alle mitmachen. Weiter hatte der Anlass eine Ausstrahlung auf die ganze Region.

Liegt dies auch an der Verlängerung auf zehn Tage, die Sie 2011 erst angerissen und anschliessend umgesetzt haben?

Wahrscheinlich schon. Früher wusste man auch im ganzen Bezirk, dass ein Fest stattfindet. Aber kaum hatte es begonnen, war es schon wieder vorüber. Dass es nun bereits zum dritten Mal auf zehn Tage verteilt stattfand, half sicher dabei, es bekannter zu machen.

Für so ein Fest braucht es viele Helfer: Am Vereinssterben sieht man jedoch, dass immer weniger Menschen Freiwilligenarbeit leisten können oder wollen.

Dass die Bereitschaft zur Freiwilligenarbeit wirklich zurückgeht, würde ich nicht unterschreiben. Ich verorte jedoch einen Fehler im System.

Wie meinen Sie das?

Es hat sich eingebürgert, dass zahlreiche Aufgaben, die eigentlich von der öffentlichen Hand wahrgenommen werden müssten, von Freiwilligen erledigt werden. Meine Finanzchefin Sabrina Berri beispielsweise muss sich mit vielen administrativen Kleinarbeiten herumschlagen, während ich ihren Einsatz für wesentlich komplexere Fragen gebrauchen könnte. Dass beispielsweise Vereine für solche Aufgaben nicht genügend Personal finden, ist nicht von der Hand zu weisen.

Was schlagen Sie in diesem konkreten Fall vor?

Ich finde, die Stadt sollte personelle Ressourcen für solche Arbeiten zur Verfügung stellen.

Bereits mehrmals appellierten Sie für mehr Unterstützung von der öffentlichen Hand. Tat sich etwas?

Leider nicht. Das Sparprogramm, das die Stadt seit einigen Jahren fährt, wurde kürzlich um eine Steuersenkung ergänzt. Es wird also auch in Zukunft wenig Geld zur Verfügung stehen.

Sie sind also nicht optimistisch?

Was uns die Zusammenarbeit mit der Stadt erleichtert hat, ist, dass Stadtpräsident Markus Bärtschiger (SP) im Kern-OK als Vertreter der Politik waltet. Dies hat uns vieles ermöglicht. Die finanziellen Umstände sind aber Resultat eines politischen Prozesses.

Wollen Sie nicht politisch aktiv werden?

Wir organisieren ein Fest für alle und sind nicht politisch motiviert. Zudem wurde bei der letzten Budgetdebatte über Kleinstbeträge gestritten. Sämtliche Kürzungen fanden eine Mehrheit im Parlament. Dass sich dies bald ändert und man mehr Geld für die Kultur in die Hand nehmen will, bezweifle ich.

Wie sähe eine optimale Förderung aus Ihrer Sicht aus?

Nicht nur die grossen Kisten wie das Schlierefäscht, sondern auch die kleineren Veranstaltungen und Initiativen sollen einen festen Platz im kulturellen Leben der Stadt erhalten. Um dies umzusetzen, braucht es aber nicht nur finanzielle Unterstützung. Auch wäre ein neuer Stadtsaal sehr hilfreich gewesen.

Das Schlieremer Stimmvolk sagte vor knapp zwei Jahren aber deutlich Nein zu einem Architekturwettbewerb.

Daher wird in den kommenden rund zehn Jahren auch nichts geschehen, was schade ist.

Zurück zum Schlierefäscht: Was gelang Ihrer Ansicht nach nicht?

Der Lärm war teilweise ein Problem, für das man an den nächsten Festen eine Lösung parat haben muss. Da jeder einzelne Gastronomiebetrieb seine eigene Musikanlage installierte, wurde es mit zunehmender Stunde lauter und lauter. Reklamationen der Anwohner betrafen ausschliesslich diese Lärmemissionen und nicht jene von der Hauptbühne des Festes. Hier braucht man Antworten, wenn das nächste Schlierefäscht stattfindet.

Was wird sich sonst noch verändern?

Das nächste Mal wird wohl kein Feuerwerk mehr stattfinden. Das werde ich im Abschlussbericht so empfehlen. Die Leute hatten zwar Freude, doch schien es aus der Zeit gefallen, nicht zuletzt wegen dem Greta-Effekt. Vermutlich wird es niemand vermissen.

Werden Sie die Organisation des Festes in vier Jahren nochmals übernehmen?

Wir vom Kern-OK sind bezüglich dieser Frage im Dilemma. Vielleicht sollten wir der nächsten Generation Platz machen, doch drängt sich jemand auf für diese zeitintensiven Aufgaben? Ob ich nochmals das Präsidium übernehme, weiss ich nicht. Das sage ich auch meinen engen Freunden und meiner Familie. Mein Bauchgefühl wird es mir dann schon sagen. Von meinem Kern-OK habe ich noch von niemandem gehört, dass sie nicht wieder mitmachen wollen. Bis Mitte 2020, wenn wir die erste Geldtranche von der Stadt benötigen, müsste das Kern-OK aber stehen. Doch Schlieren steht im kommenden Jahr noch viel mehr bevor.

Was denn?

Der Vorstand von Event Schlieren hat beschlossen, dass die Bundesfeier am 1. August erstmals auf der stillgelegten Badenerstrasse stattfinden wird. Weil dieses Gelände besser erreichbar ist, rechnen wir auch mit mehr Besucherinnen und Besuchern. Zudem stellen wir nach langer Zeit wieder einen gemeinsamen Räbeliechli-Umzug auf die Beine. Darauf freue ich mich sehr.

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