Guter Zweck
Der Limmattaler 2-Stunden-Lauf bewirkt mehr als nur verschwitzte T-Shirts

Der Erlös des Laufs um das Weihermatt- und Bärenweihergebiet kommt Jugendprojekten in Kolumbien zugute.

Flurina Dünki
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Spenden von Limmattaler 2-Stunden-Lauf gehen in Jugendprojekt in Kolumbien
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Irène Hofstetter von der Stiftung Horyzon macht sich in Kolumbien ein Bild der Jugendprojekte
Irène Hofstetter von der Stiftung Horyzon macht sich in Kolumbien ein Bild der Jugendprojekte
Irène Hofstetter von der Stiftung Horyzon macht sich in Kolumbien ein Bild der Jugendprojekte
Irène Hofstetter von der Stiftung Horyzon macht sich in Kolumbien ein Bild der Jugendprojekte
Irène Hofstetter von der Stiftung Horyzon macht sich in Kolumbien ein Bild der Jugendprojekte

Spenden von Limmattaler 2-Stunden-Lauf gehen in Jugendprojekt in Kolumbien

Leistungssportler, Eltern mit Kinderwagen, Nordic Walker und Spaziergänger – Läufergruppen, die sonst eher selten zusammen anzutreffen sind, werden sich am Samstag zwei Stunden lang dieselbe Strecke teilen. Beim Limmattaler 2-Stunden-Lauf, der alle zwei Jahre in Urdorf veranstaltet wird, steht Gewinnen nicht im Vordergrund.

Ganz unwichtig ist das Tempo jedoch nicht, immerhin zahlen Sponsoren aus dem Umfeld der Läufer pro vollendete Runde einen Betrag, der einem gemeinnützigen Projekt zugutekommt. Traditionell sind die Einnahmen des Laufs für Projekte der Stiftung Horyzon bestimmt, der Entwicklungsorganisation des Cevi Schweiz.
«Die Jugendlichen, die wir mit dem Beitrag des 2-Stunden-Laufs fördern, wohnen in den Armenvierteln am Rande kolumbianischer Grossstädte», sagt Irène Hofstetter von der Stiftung Horyzon. Vor kurzem ist sie von einer Arbeitsreise in Kolumbien zurückgekehrt, wo sie die Jugendprojekte besuchte, die Horyzon mit der dortigen Young Men’s Christian Association (YMCA) durchführt.

Im Strudel der Gewalt

In den letzten Jahrzehnten sind viele Menschen aus ländlichen Gebieten vor dem schon 50 Jahre dauernden bewaffneten Konflikt in die Städte geflüchtet. Dort finden jedoch viele von ihnen keine Arbeit und kommen nur in Elendsviertel unter. Gewalt und Kriminalität seien ihnen jedoch unweigerlich an den neuen Ort gefolgt, sagt Hofstetter.

Denn viele ehemalige Guerillakämpfer und Paramilitärs sind in die Stadt geflüchtet, um die sich kriminelle Banden gebildet haben. «Kinder werden gerne von den Banden angeheuert, um Waffen oder Drogen innerhalb der Stadt zu schmuggeln, denn als Minderjährige werden sie von der Polizei eher wieder freigelassen», erzählt Hofstetter. Andere würden zur Prostitution gezwungen. Manche Kinder würden gar nicht erst zur Schule geschickt, weil der Weg zu gefährlich ist.

Wie aber kann das Geld, das die Limmattaler Läufer sammeln, die Lage solcher Jugendlicher verbessern? «Der YMCA unterhält Räume in den Slums, wo Kinder und Jugendliche ihre Hausaufgaben machen und an Freizeitaktivitäten teilnehmen können», sagt Hofstetter. So würden sie eine Welt abseits der Gewalt erleben, könnten lernen und würden ausserhalb der Schule weniger zum Ziel von kriminellen Banden.

Limmattaler 2-Stunden-Lauf

Der Limmattaler 2-Sunden-Lauf, organisiert von den sieben reformierten Limmattaler Kirchgemeinden, findet alle zwei Jahre in Urdorf statt. 2016 wird er bereits zum 14. Mal organisiert. Die Laufroute um das Weihermatt- und Bärenweihergebiet beträgt 2,3 Kilometer. Die Teilnehmer, die sich im Voraus Sponsoren gesucht haben, laufen zwischen 14 und 16 Uhr und erhalten pro vollendete Runde von jedem Sponsor einen Geldbetrag. Der Erlös wird an die Organisation «Horyzon» für deren Projekte in Kolumbien gespendet. Neu haben dieses Jahr Gruppen die Möglichkeit, 25 Prozent des Erlöses für ein eigenes Projekt zu verwenden. (fdu)

Überzeugungsarbeit nötig

Dieses Konzept umzusetzen ist laut Hofstetter gar nicht so einfach. «Bei den Eltern müssen wir viel Überzeugungsarbeit leisten, da sie in ständiger Angst leben, ihre Kinder würden für illegale Geschäfte missbraucht.» Dann gäbe es Jugendliche, die sich dem Projekt nicht anschliessen, weil das schnelle Geld der Kriminalität zu verlockend ist. Können solche Bildungsprojekte überhaupt gegen die Macht der Banden aufkommen?

Ja, es gebe erfreulicherweise viele Erfolgsgeschichten, sagt Hofstetter. Viele ehemalige Projektteilnehmer blieben auch als Erwachsene mit der Organisation in Kontakt. So könne ihr Werdegang beobachtet werden. Doch nicht erst erfolgreiche Berufskarrieren, sondern jeder Fall, bei dem sich jemand von der Gewalt abgewendet hat, wird als kleiner Erfolg verzeichnet.