Es weihnachtet sehr an der Zürcherstrasse: Strahlend hell leuchtet dort das Haus von Thomas Fürbringer in der Dunkelheit und fasziniert Fussgänger wie Autofahrer. Kein Weg oder Blick führt an der opulenten Weihnachtsbeleuchtung vorbei, die jede andere in ihrem Umfeld verblassen lässt. Fürbringer, der Herr der Lichter, ist sich dessen bewusst und freut sich über die durchaus gewollte Resonanz auf seinen Hausschmuck.

Vor 23 Jahren zog er mit seiner Frau Yvette nach Uitikon und schnell war für ihn klar, dass sein neues Zuhause auch als Winter-Wunderland taugt. Doch einfach nur ein funkelnder Stern war ihm nicht genug. «Schon als Bub war ich fasziniert von den vielen Lichtern zur Weihnachtszeit», erzählt der heutige Partner einer namhaften Vermögensverwaltung. Doch damals in Basel konnten die üblichen Weihnachtsbäume seine Sehnsucht nach einem glitzernden Lichtermeer nicht wirklich stillen. «Eine Tanne mit etwa sechs Kerzen ist doch ziemlich öde», meint Fürbringer, denn mehr ist schliesslich mehr.

Eine Reise nach Paris erfüllte schliesslich seinen Wunsch nach Inspiration: Die im Dezember hell erleuchtete Prachtstrasse Champs-Élysées liess für Fürbringer keine Wünsche mehr offen. Also brachte er diese Opulenz mit nach Uitikon. «In den ersten zehn Jahren wuchs die Dekoration ständig», erzählt Fürbringer. Und auch die Technik war damals eine kompliziertere als heute. Was ihn jedoch nie davon abhielt, in jedem Jahr am Samstag vor dem ersten Advent pünktlich um
17 Uhr seine Beleuchtung in Betrieb zu nehmen. Und zu jeder Weihnachtszeit variieren seither auch die Lichter und das Thema. In diesen Tagen steht ein märchenhafter Nordpol mit Schwänen und Pinguinen sowie einem Wasserfall im Mittelpunkt.

Seit es LED-Lämpchen gibt, wurden Haus und Hof der Familie Fürbringer sogar noch heller (und günstiger), was nicht allen gefiel. Ein Nachbar gelangte gar vor einigen Jahren ob der Lichter bis zum Bundesgericht – und scheiterte. Eine längst vergessene Episode in der Chronik von Thomas und Yvette Fürbringer.

Heute leuchten 40 000 Lämpchen den Weg für die Fürbringers nach Hause. Etwa 200 Meter Kabel werden dabei benötigt, dazu kommen noch 100 Meter herkömmliche Elektrokabel. Ein grosser Transformer sorgt weiter jeden Tag in drei Etappen für eine reibungslose Aufschaltung.

Fürbringer ist indes nicht alleine für die Beleuchtung verantwortlich. Zusammen mit vier Mitstreitern, zwei von ihnen idealerweise Elektriker, beginnen immer sechs Wochen vorher mit dem Aufbau der Dekoration, für die sogar ein Skyworker benötigt wird, um das Material vom Lager in Landikon an seinen Platz zu schaffen. Allesamt bringen die Freunde viel Leidenschaft für die Beleuchtung mit. Und sollte einer von ihnen nicht in Weihnachtsstimmung kommen, wird er von den anderen wieder «auf Kurs» gebracht. So geschehen vor etwa sechs Jahren, als ausgerechnet Fürbringer selbst den Elan der Vorjahre nicht verspürte. «Aber meine Freunde gaben mir unmissverständlich zu verstehen, dass sie, wenn nötig, die Beleuchtung auch ohne mich anbringen», sagt er bewundernd. Ein geschickter Schachzug: Schnell bekam er wieder Lust auf Lichter.

Eine Lust , die ihn immer wieder in die Medien bringt. Hervorzuheben ist sein Auftritt in der Sendung «Aeschbacher». Diese widmete sich vor fünf Jahren in der Adventszeit ausnahmslos den schönen Dingen des Lebens. Damals wurde auch publik, wie die «Arbeitsbereiche» des Ehepaars Fürbringer in Sachen Beleuchtung eingeteilt werden: Der Aussenbereich ist ganz klar die Domäne des Ehemanns, wo hingegen im Haus selbst die Ehefrau als «Innenministerin» waltet und die Dekoration auswählt. Alle Jahre wieder, so lautet drinnen das Motto, denn die Familie liebt auch die Tradition. Sollte eine Kugel oder ein Herz nicht am üblichen Platz sein, schlage die Tochter sofort Alarm, so Thomas Fürbringer.

Während die erwähnte Tradition Privatsache ist, dürfen Schaulustige aber von nah und fern ans Hause Fürbringer treten und sich von den Lichtern – und neuerdings auch von leiser Musik von Radio Swiss Classics – berieseln lassen. Dies hat eine derartige Anziehungskraft, dass einst einer der Neugierigen die vermeintliche «Wiese» vor dem Haus betrat. Dummerweise handelte es sich dabei aber um den schneebedeckten sowie zugefrorenen Hausteich. Erwähnter Besucher brach vor einem kleinen Publikum ungeschickt ins Wasser ein und verliess das Gelände mit hochrotem Kopf, wie Fürbringer lachend erzählt. Seither schützt er den Teich sowie weitere Figuren mit einem Zaun – ganz nach dem Motto: Anschauen ja und oft, anfassen gilt aber nicht.