Limmattal
Der lange Weg zum eigenen Gemeindehaus hat im Bezirk Tradition

Nach einem Jahrzehnt hat sich das das Stimmvolk in Unterengstringen für ein neues Gemeindehaus entschieden. Auch in Schlieren und Dietikon dauerte das Ringen um ein zentrales Verwaltungsgebäude jahrzehntelang.

Bettina Hamilton-Irvine
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Im Juli 1989 lädt der damalige Dietiker Stadtpräsident Hans Frei zum Spatenstich des lang ersehnten Stadthauses.
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1992: Einweihung des Dietiker Stadthauses im «Limmattaler Tagblatt».
Hier entsteht das Dietiker Stadthaus: Die Baustelle im August 1991.
Schlieren, Dietikon und Unterengstringen: Der lange, steinige Weg zum eigenen Gemeindehaus hat im Bezirk Tradition

Im Juli 1989 lädt der damalige Dietiker Stadtpräsident Hans Frei zum Spatenstich des lang ersehnten Stadthauses.

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Das Unterengstringer Stimmvolk hat entschieden: Es will ein neues Gemeindehaus. Nun soll es zackig vorwärts gehen, damit das Gebäude im besten Fall schon im nächsten Jahr bezogen werden kann. So einfach das alles klingt, so kompliziert und langwierig war die Vorgeschichte.

Seit mehr als einem Jahrzehnt wird in Unterengstringen nun schon um das neue Verwaltungsgebäude gerungen: Vor zwölf Jahren lehnte das Stimmvolk eine erste Vorlage ab, seither wurden diverse Projekte erarbeitet und wieder verworfen. Nun hofft die Gemeinde, dass sie nach dem Ja an der Urne vom letzten Sonntag das Hin und Her um das Gemeindehaus endlich ad acta legen kann.

Sieben verschiedene Standorte

Doch die Unterengstringer sind nicht die Einzigen im Limmattal, die eine halbe Ewigkeit auf ein neues Gemeindehaus warten mussten. Mit ihrer leidigen Geschichte befinden sie sich in bester Gesellschaft. In Schlieren dauerte es genau genommen sogar ein ganzes Jahrhundert, bis die Gemeinde zu einem eigenen Verwaltungsgebäude kam.

So gab es zwar im 19. Jahrhundert einst ein Büro für den Gemeindeschreiber im alten Schulhaus an der Badenerstrasse, wie das Schlieremer Jahrheft 2008 weiss. Doch der grösste Teil der Verwaltungsarbeit wurde in den Wohnungen der Gemeinderäte – damals noch die Exekutive – erledigt.

Ab Anfang des 20. Jahrhunderts mietete die Gemeinde während der nächsten 50 Jahre sukzessive mehr Räume in verschiedenen Häusern, bis die Verwaltung auf sechs Liegenschaften und ein Provisorium der Schule verteilt war.

Der Wunschstandort für ein eigenes Gemeindehaus lag schon lange im alten Dorfkern zwischen Kirche und Uitikonerstrasse, wo die Gemeinde Land besass. Anfang der 1970er-Jahre schaffte es das Gemeindehaus im Finanzplan auf Platz drei der dringend benötigten Gebäude, wurde aber vom Altersheim Sandbühl und dem Mehrzweckgebäude Büelhof noch verdrängt. Vorerst wollte der Gemeinderat daher im Lilienzentrum 1200 Quadratmeter zusätzliche Bürofläche mieten.

Doch das Stimmvolk machte ihm einen Strich durch die Rechnung und verwarf die Vorlage im März 1973 an der Urne mit 78 Prozent Nein-Stimmen wuchtig. Auch eine abgespeckte Variante mit nur noch 520 Quadratmetern Mietfläche im Lilienzentrum fand beim Stimmvolk keine Gnade und die Verwaltung geriet in immer ärgere Platznot.

Im November 1974, als Schlieren bereits ein Parlament hatte, stimmte dieses einem Projektierungskredit für ein neues Gemeindehaus an der Freiestrasse, wo es heute steht, zu. Doch wieder stellte sich das Stimmvolk quer: Es lehnte die Vorlage an der Urne ab.

Im April 1977 wurde die Stimmbevölkerung bereits zum vierten Mal innert fünf Jahren an die Urne gerufen, um über die räumliche Zukunft der Verwaltung zu entscheiden. Und diesmal klappte es: Die Vorlage für ein 4,5 Millionen Franken teures Gemeindehaus wurde angenommen. Dann ging alles Schlag auf Schlag: Im September 1977 war Spatenstich, der Rohbau stand in Rekordzeit und bereits Ende 1978 war das Stadthaus fertiggestellt.

Auch die Dietiker mussten jahrzehntelang auf ein eigenes Stadthaus warten. 1910, als die Beamten noch in ihren Wohnungen arbeiteten, beauftragte die Gemeindeversammlung die Exekutive, die Einführung einer Zentralverwaltung zu prüfen.

Noch im gleichen Jahr zog die Verwaltung ins alte Schulhaus bei der «Krone», 1933 dann ins ehemalige Sekundarschulhaus an der Bremgartnerstrasse 20, wo heute das Stadthaus steht. Als nach dem Zweiten Weltkrieg die Bevölkerungszahl sprunghaft anstieg, wurden die verschiedenen Abteilungen aus Platzmangel wieder auf diverse Gebäude verteilt.

Immer diese Platznot

Im Jahr 1978 – als in Schlieren gerade das neue Stadthaus fertig wurde – nahm der Stadtrat die Planung für einen Verwaltungsneubau wieder auf. Die war dringend nötig: Denn die Verwaltung platzte aus allen Nähten, wie das «Limmattaler Tagblatt» später schrieb: «Jetzt war der Zeitpunkt gekommen, für den Neubau konkrete Schritte zu unternehmen.»

Doch es sollte nochmals ein Jahrzehnt dauern, bis das Stimmvolk 1988 der Vorlage für ein neues Stadthaus mit zwei Tiefgaragen und einem neuen Feuerwehrgebäude zustimmte. Insgesamt 23,8 Millionen Franken sollte das Ganze kosten. Im Februar 1990 wurde der Grundstein gelegt, ein gutes Jahr später war der Rohbau fertig. Im Januar 1992 konnte die Verwaltung endlich das neue Stadthaus beziehen.