Dietikon
Der Kultursalon will der «Col-Art» zu Comeback verhelfen

Die Journalistin und Juristin Regula Heinzelmann möchte in ihrer Wohnung mitten in einem Dietiker Wohnquartier einen Kultursalon etablieren, wie man ihn von Grossstädten wie Berlin und New York kennt.

Franziska Schädel (Text und Foto)
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Regula Heinzelmann (links) lud Col-Art-Pionier Marc Kuhn und Gattin Rossana Duràn zum Kultursalon ein.

Regula Heinzelmann (links) lud Col-Art-Pionier Marc Kuhn und Gattin Rossana Duràn zum Kultursalon ein.

Diesmal hat sie zu einer Kunstveranstaltung eingeladen. Sie hat Rhabarberkuchen gebacken, dazu gibt es Kaffee. Und immer wieder klingelt es an der Wohnungstüre. Besucher bringen Blumen und Champagner.

An den Wänden hängen Bilder der Gastgeberin: «Ökodschungel» heissen sie und «Erbschleicherei». Regula Heinzelmann hat zu diesen Themen auch juristische Ratgeber verfasst. Am Samstag aber ist ihre Wohnung weder juristische Kanzlei noch Schreibwerkstatt. Diesmal geht es ihr darum, der in der Schweiz etwas in Vergessenheit geratenen Kunstrichtung Col-Art zu einem Comeback zu verhelfen.

Col-Art – oder auch Koordinierte Kollektivkunst – wurde 1968 in Zürich gegründet. Mit dabei war damals auch Marc Kuhn, der in Regula Heinzelmanns Küche erzählt, wie es dazu kam. Er zeigt das erste Bild, das er zusammen mit dem Iraker Sherif al Sheroufi und Albert Willen 1968 in Zürich schuf. Die Grundidee sei gewesen, Künstler aus ganz verschiedenen Stilrichtungen zusammenzubringen und gemeinsam ein Werk erschaffen zu lassen. Sie repräsentierten schon damals drei Kunststile, drei Generationen und drei Kulturen in einem Bild. In den vergangenen 46 Jahren, so Kuhn, haben rund 400 Berufskünstler und 3000 Laien aus 40 Ländern an der Erschaffung von Col-Art-Kunstwerken mitgewirkt. Col-Art ist heute weltweit in Galerien, Events und Ausstellungen präsent. Marc Kuhn und seine Frau Rossana Duràn wollen Col-Art auch in der Schweiz wieder zu mehr Beachtung verhelfen. «Diese Kunstrichtung hat mindestens das Potenzial von Pop Art», ist Kuhn überzeugt. Er hofft, dass Museen und andere Institutionen ihre Türen für Ausstellungen öffnen werden. «Ich bin jetzt 74 – lange kann ich nicht mehr darauf warten», sagt er schmunzelnd und zeigt stolz Bilder und Plakate von Werken der vergangenen Jahre.

Schöner als in Mexiko

Und welchen Eindruck macht Dietikon auf eine mexikanische Kunstmalerin? Rossana Duràn betrachtet den Limmattaler Bezirkshauptort durch die Brille einer Künstlerin. Bei der Beschreibung des Blumenschmucks an Dietikons Strassen und Plätzen kommt sie ins Schwärmen. «Ich sah die violetten Tulpen und ich sagte zu mir: Was für eine poetische Art zu leben. Eine kleine kosmopolitische Stadt und diese schönen Blumen. In Mexiko sieht man das nicht. Wunderbar!»

Regula Heinzelmann hat für ihren Kultursalon bereits neue Ideen. Sie arbeitet an einem Roman und wird zu einer Lesung einladen, wenn er fertig geschrieben ist. So viel sei schon verraten: Es wird ein Wirtschaftskrimi sein.