Es war eine denkwürdige Gemeindeversammlung. Erst nach einer geheimen Abstimmung stand fest, dass der Weininger Gemeinderat neue Pläne für die Entwicklung des Unterdorfes ausarbeiten muss. Mit 102 zu 84 Stimmen bei 198 eingereichten Stimmzetteln wiesen die Stimmberechtigten den Gestaltungsplan Unterdorf am Donnerstagabend zurück. Es war das Finale eines eigentlichen Abstimmungskrimis.

Denn der geheimen Ausmarchung gingen bereits zwei offene Abstimmungen über den Rückweisungsantrag voraus. Bei der ersten wurde diesem mit nur einer Stimme Differenz stattgegeben. Wegen des knappen Votums liess Gemeindepräsident Hanspeter Haug nochmals abstimmen. Dabei wurde der Rückweisungsantrag mit zwei Stimmen Unterschied abgelehnt. Haug fragte die Versammlung an, ob sie nun eine geheime Abstimmung wolle, um ein klares Ergebnis zu erhalten.

Verabschiedet wurden dagegen der revidierte Verkehrsrichtplan und die überarbeitete Bau- und Zonenordnung (BZO). Beide Planungsinstrumente stehen ebenfalls im Zusammenhang mit dem zurückgewiesenen Gestaltungsplan. Ziel war es, die im Masterplan Unterdorf enthaltenen Vorgaben mit den drei Vorlagen rechtsgültig umzusetzen.
Der neue Verkehrsrichtplan enthält unter anderem die im Masterplan aufgeführten Erschliessungen des Unterdorfs durch Strassen und Wege.

Mit der neuen BZO wurden die Kernzonenvorschriften so definiert, dass Umgestaltungen von ehemaligen Bauernhäusern auch unter Einhaltung der Vorgaben des Ortsbildschutzes in einem vernünftigen Rahmen realisierbar sind. Zudem wurden die Gebiete «Unterdorf-Nord», «Unterdorf-Süd», «Chalofen», «Grossächer» und «Gubrist-West» einer Gestaltungsplanpflicht unterstellt.

Mit dem Gestaltungsplan sollten auf das schutzwürdige Ortsbild abgestimmte Baubereiche ausgewiesen sowie Aussen- und Freiräume gekennzeichnet werden. Unter anderem waren Baufelder für die Erweiterung des Schulhauses Schlüechti ausgewiesen sowie zwei Tiefgaragen und ein öffentlicher Platz geplant.

Die Mehrheit der Stimmberechtigten war mit diesen Ideen offenbar nicht zufrieden, trotz des Votums von Bauvorstand Wilfried Werffeli. «Entweder machen wir etwas, oder wir planen und planen», sagte er. Durch das Votum der Versammlung geht das Geschäft nun aber zurück an den Gemeinderat. «Wir werden nun eine neue Vorlage bringen. Es wird einen Antrag zuhanden der Gemeindeversammlung mit den entsprechenden Kosten geben», sagte Haug.

Aufträge für den Gemeinderat

Dabei hat der Gemeinderat gleich auch Aufträge mit auf den Weg bekommen. Sie sind Teil des Rückweisungsantrags. Dabei wird das Vorgehen, die weitere Entwicklung des Unterdorfs mittels eines Gestaltungsplans zu steuern, nicht infrage gestellt.

Jedoch soll er überarbeitet und seine räumlichen Auswirkungen dargestellt werden. Zudem muss der Gemeinderat eine Auslegeordnung für weitere Parkierungsmöglichkeiten, abgesehen von Tiefgaragen, erstellen. Zuletzt wird er aufgefordert, einen «Gemeinde-Masterplan» mit der Absicht, die Gemeindeverwaltung zum Schlössli zu verlegen, zu erarbeiten.

Wann der Gemeinderat einen neuen Antrag vorlegt, ist unklar. Sicher ist, dass im Unterdorf Handlungsbedarf besteht. Dies geht auch aus einer Beantwortung einer Anfrage hervor, die an der Gemeindeversammlung verlesen wurde.

In Bezug auf das Weininger Dorfbild, das zum kantonalen Inventar der schutzwürdigen Ortsbilder von überkommunaler Bedeutung gehört, heisst es in der Antwort: «Aufgrund des im Gebiet Unterdorf herrschenden komplizierten rechtlichen Sachverhalts ist der Gemeinderat zu einer umfassenden Planung mit entsprechend hohen Ausgaben verpflichtet.» Als Baubehörde sei dieser verpflichtet, dafür zu sorgen, dass die Einwohner ihre Rechte und Pflichten entsprechend den gesetzlichen Vorgaben ausüben könnten.