Gemeindeversammlung
Der Kindergartenkredit spaltet die Gemeinde Urdorf

Der neue, nach unten korrigierte Kredit kommt vors Volk; die Vorlage zur Einheitsgemeinde wird von der Gemeindeversammlung leicht abgeändert.

Alex Rudolf
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Kindergarten Feld in Urdorf.

Kindergarten Feld in Urdorf.

Tabea Wullschleger

Die Schulpflege konnte nur kurz aufatmen. Ihr Projektkredit für den Neubau des Kindergartens Feld wurde zwar von 87 der 161 Stimmberechtigten an der Gemeindeversammlung angenommen. Auch angenommen wurde jedoch der Antrag auf Urnenabstimmung: Mit 72 Befürworten war das nötige Drittel erreicht.
Das erste Projekt für einen Neubau des Kindergartens Feld wurde im März vom Stimmvolk bachab geschickt. Nur die SVP und die SP befürworteten es. Mit Kosten von 3,4 Millionen Franken sei es zu teuer, es brauche keine Abwartswohnungen und auch der Standort sei falsch, monierten die Gegner. Das von der Schulpflege gestutzte und nun neu präsentierte Projekt kostet mit 1,9 Millionen Franken nur noch etwas mehr als die Hälfte.

Gleich der erste Votant stellte an der Gemeindeversammlung vom Mittwoch den Antrag auf Urnenabstimmung mit der Begründung, dass der Kredit nur 100 000 Franken unter der 2-Millionen-Grenze zu liegen komme. Alles, was darüber liegt, bedarf einer Urnenabstimmung. «Urdorf kann sich diese Ausgaben schlichtweg nicht leisten, da die Schulden uns sonst eines Tages erdrücken», sagte er. Rückendeckung bekam er von Marcel Zirngast von der EVP, der das Projekt ebenfalls für zu teuer hält. «Niemand von ihnen», sprach er die Gemeindeversammlung direkt an, «würde zu diesem Preis ein Haus bauen.»
Ursula Baumgartner (SP) und Danilo Follador (CVP) stellten sich in ihren Voten hinter das Kindergartenprojekt. Die Schulpflege sei intensiv über die Bücher gegangen und habe ein gutes Projekt hervorgebracht, konstatierte Follador. Eine erfrischende Abwechslung gab es von einem anderen Votanten. Dieser trat an das Rednerpult und stellte klar, dass er nicht geplant hatte, etwas zu sagen. «Ich bin für den Kindergarten aber gegen das Verschwenden von 1,9 Millionen Franken.» Was er denn nun tun solle, fragte er den Schulpräsidenten Stefan Zehnder. Dieser beantwortete die Frage mit: «In den nächsten paar Minuten solltest du dich entschieden haben».

Einheitsgemeinde polarisiert

Ein weiteres emotionales Traktandum war die Einheitsgemeinde. Anfang dieses Jahres reichte alt Gemeinderat Jörg Pauli (SVP) eine entsprechende Initiative ein. Erst sprach sich die Schulpflege gegen die Initiative aus. Die Schule verliere in einer Einheitsgemeinde an Bedeutung, monierte sie. Der Gemeinderat hingegen beurteilt die Lage anders und empfiehlt die Initiative für den Urnengang am 8. März zur Annahme. Kürzlich stellte sich auch die Rechnungsprüfungskommission auf die Seite der Initianten und fordert die Prüfung einer allfälligen Fusion.

Bei der Lektüre der Argumente des Gemeinderates und der Schulpflege könne man meinen, die beiden Gremien sprechen nicht über dasselbe, meinte der erste Votant: So unterschiedlich seien Ansichten und Argumente der beiden Gremien. Hans Balmer von der SP sprach sich deutlich für die Erheblichkeitserklärung aus: «Den Teufel, den die Schulpflege für den Fall einer Annahme an die Wand malt, scheint mir verdächtig.» Zudem stellte er einen Antrag auf Terminänderung in der Vorlage. So soll die Einheitsgemeinde nicht auf Anfang 2016, sondern erst auf Anfang 2018 gebildet werden. So würde mehr Zeit für eine intensive Auseinandersetzung bleiben. Der Änderungsantrag wurde von der Gemeindeversammlung einstimmig angenommen.