Weiningen
Der Kindergarten-Neubau in der Fahrweid wird erneut teurer

In Weiningen soll eine ausserordentliche Gemeindeversammlung weitere 1,26 Millionen Franken für den Neubau des Kindergartens Föhrenwäldli sprechen. Hinter den Mehrkosten steckt offenbar eine Uneinigkeit unter Statikern.

David Egger
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Das Gebäude des Kindergartens Föhrenwäldli soll in die Höhe wachsen – neu für 6,56 Millionen Franken.

Das Gebäude des Kindergartens Föhrenwäldli soll in die Höhe wachsen – neu für 6,56 Millionen Franken.

David Egger

Kürzlich stellte die Gemeinde Weiningen ein Baugesuch: Das bereits genehmigte Projekt zum Abriss und Neubau des Kindergartens Föhrenwäldli in der Fahrweid soll abgeändert werden. Doch der Gemeinderat schweigt. Er will sich auf Anfrage noch nicht zum Thema äussern. Die Schweiz am Wochenende weiss: Beim Konzept und der Grösse des Neubaus gibt es zwar keine frappanten Änderungen, aber das neue Projekt kostet 1,26 Millionen Franken mehr. Mit den bereits in der Volksabstimmung vom 5. Juni 2016 bewilligten 5,3 Millionen Franken ergeben sich nun Gesamtkosten von 6,56 Millionen Franken. Es ist nicht der erste Kostenanstieg bei diesem Projekt: Ende 2014 ging man noch von Kosten von bis zu 4,8 Millionen Franken aus.

Bei den neuerlichen Mehrkosten fällt ein Faktor besonders ins Gewicht: Die neuste Berechnung der statischen Verhältnisse deckt sich nicht mit den früheren Berechnungen, die noch von einer anderen Firma gemacht wurden. Darum sind neu andere oder zusätzliche statische Massnahmen geplant, die mehr kosten. Der Hintergrund: Wird der Kindergartenbau abgerissen und neu aufgebaut, hat das Auswirkungen auf das im gleichen Gebäudekomplex enthaltene Quartierzentrum Föhrewäldli. Dieses könnte Schaden nehmen, wenn vor dem Kindergarten-Abriss die statischen Verhältnisse nicht sauber eingeschätzt werden.

Das Föhrenwäldli ist ein Polit-Dauerbrenner

Ursprünglich hegte der Weininger Gemeinderat den Plan, das Obergeschoss des Quartierzentrums Föhrewäldli dem Kindergarten zuzusprechen, um angesichts steigender Schülerzahlen nicht in zeitliche Bedrängnis zu kommen. Um den Plan umzusetzen, war die Exekutive aber auf eine Kompetenzerweiterung angewiesen. Die Gemeindeversammlung hiess den entsprechenden Antrag am 5. Dezember 2013 gut. Aber noch an der Versammlung wurde erfolgreich eine Urnenabstimmung beantragt. Diese resultierte am 9. Februar 2014 in einem Nein.

Am 4. Dezember 2014 genehmigte die Gemeindeversammlung dann 125 000 Franken, damit der Neubau des Kindergartens projektiert werden kann und 480 000 Franken, um auf der Wiese beim Föhrenwäldli provisorische Container aufzubauen.

Am 5. Juni 2016 wurden an der Urne schliesslich 5,3 Millionen Franken für den Bau der Erweiterung gesprochen. Diese sieht im Erdgeschoss drei Kindergartenräume vor und im ersten Obergeschoss Gewerberäume für schulnahe Betriebe (zum Beispiel Spielgruppe oder Mittagstisch), die später in einen vierten Kindergarten umgewandelt werden können. Im dritten und vierten Obergeschoss sind total vier Mietwohnungen geplant. Im Untergeschoss werden die öffentlichen Schutzräume neu konzipiert.

Nun soll die Gemeindeversammlung am 4. Mai über einen Zusatzkredit von weiteren 1,26 Millionen Franken abstimmen.

Mit den Mehrkosten für den Bau erhöhen sich auch die jährlichen Abschreibungen. Basierend auf dem neuen Harmonisierten Rechnungslegungsmodell (HRM2), das am 1. Januar 2019 in Kraft tritt, hat die Gemeinde vor der Urnenabstimmung letztes Jahr noch eine jährliche Haushaltsbelastung von 135 000 Franken prognostiziert. Angesichts dessen, dass die Baukosten um rund 23,8 Prozent zunehmen, dürfte sich auch die jährliche Abschreibungssumme um einen tiefen fünfstelligen Betrag vergrössern.

Der entsprechende Architekturauftrag für die Erweiterung des Kindergartengebäudes wurde im August 2016 im kantonalen Amtsblatt ausgeschrieben, kurz nach der letzten Volksabstimmung. Gemäss der amtlichen Publikation des Zuschlagsentscheids ging nur ein Angebot ein, das die Eignungskriterien erfüllte. Das Angebot der Unger und Treina AG aus Zürich Altstetten erhielt daher im Oktober 2016 den Zuschlag. Sie hat schon viel Erfahrung mit öffentlichen Bauten: Davon zeugen etwa diverse Sanierungen und Umbauten an den Geroldswiler Schulhäusern Huebwis und Fahrweid in den letzten zwanzig Jahren oder auch der moderne Neubau für die Tagesstrukturen beim Weininger Schulhaus Schlüechti.

Architekt tritt in den Ausstand

Der Chef der Firma engagiert sich für Weiningen: André Treina (FDP) ist Mitglied der Rechnungsprüfungskommission (RPK) seiner Wohngemeinde. Bei der Beurteilung des nun anstehenden Geschäfts ist er aber von Anfang an komplett in Ausstand getreten, da er als Architekt involviert ist. Damit alles seine Richtigkeit hat, wurde Treina an die entsprechenden Sitzungen der RPK gar nicht erst eingeladen. Die RPK unter Führung von Präsident Thomas Mattle (SVP) trifft derzeit noch genauere Abklärungen, um später ein Ja oder ein Nein zum Zusatzkredit empfehlen zu können. Sobald das passiert, kann die Weisung fertiggestellt werden, von der die Gemeinde bereits einen detaillierten Entwurf erarbeitet haben dürfte.
Wenn die Weisung dann veröffentlicht ist, will sich auch der Gemeinderat erstmals äussern.

Die zur Genehmigung des Zusatzkredits nötige Gemeindeversammlung ist noch nicht einberufen und auch auf der Gemeindewebsite nicht angekündigt. Dem Vernehmen nach findet sie aber am 4. Mai statt. Passend zur Abstimmungsvorlage soll sie im Quartierzentrum Föhrewäldli abgehalten werden. Noch vor dem Weisungsversand werden die Ortsparteien an einer nicht öffentlichen Veranstaltung informiert: Am 29. März erklärt ihnen Bauvorstand Hans-Peter Stöckl die Änderungen am Kindergartenprojekt.

Nein hätte Zusatzkosten zur Folge

Die Hoffnung besteht, dass die Bauarbeiten beginnen, sobald die Bewilligung des Zusatzkredits rechtskräftig ist – also etwa im Juni. So wäre sichergestellt, dass der neue Kindergarten bis im Herbst 2018 fertig ist. Wäre dies nicht der Fall, würden die auf drei Jahre beschränkten Erleichterungen der Wärmedämmvorschriften bei den 2015 aufgebauten provisorischen Kindergarten-Containern wegfallen, was eine teure Nachrüstung der Container nötig machen würde. Eine Ablehnung des Kredits hätte daher erneut Mehrkosten zur Folge.