Birmensdorf
Der Kanton hat den Weiher bei der Kaserne tockengelegt – doch warum?

Die kantonale Baudirektion hat das Gewässer entleert. Das bedeutet aber nicht das Ende des Teichs.

Sibylle Egloff
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Weiher Birmensdorf

Weiher Birmensdorf

Leserfotos: Kurt Sauter
Nach der Unterhaltsreinigung der Baudirektion Ende September ist nicht mehr viel vom Weiher übrig.

Nach der Unterhaltsreinigung der Baudirektion Ende September ist nicht mehr viel vom Weiher übrig.

Leserfotos: Kurt Sauter

«Es ist eine traurige Aufnahme», schreibt Kurt Sauter aus Urdorf in einem E-Mail an die Limmattaler Zeitung. Angefügt hat er ein Foto des Weihers unterhalb der Kaserne Reppischtal in Birmensdorf – oder zumindest das, was davon noch übrig ist.

Zu sehen sind Bollensteine, etwas Kies und Erde. Es fehlt indessen jede Spur von Wasser, Pflanzen und Tieren im Teich. Den Schnappschuss machte Sauter, der gerne bei den Weihern der Kaserne vorbeispaziert und Bilder von Libellen, Fröschen und Schmetterlingen schiesst, vor zwei Wochen. «Der Weiher wurde total trocken gelegt und gereinigt», sagt Sauter. Seine Sorge bei dem Anblick gelte den Tieren. «Ich frage mich, was mit den unzähligen Bewohnern geschehen ist.»

Tiefer Wasserpegel

Bereits Anfang August beobachtete Sauter, dass der Wasserspiegel des Weihers aufgrund der starken Dürre gesunken war. Auch damals sorgte er sich um die Tiere im Teich und hielt seine Beobachtung mit der Kamera fest. Entwarnung gab seinerzeit die kantonale Baudirektion.

Sie ist für den Unterhalt der Weiher bei der Kaserne zuständig, da diese Eigentum des Kantons Zürich sind. Für Libellen und auch andere Tierarten sah die Baudirektion keine Gefahr. So lange noch ein Wasserkörper vorhanden sei, müsse man sich keine Sorgen machen. «Bei einigen Arten könnte sich die Entwicklung bei geringem Wasserstand sogar beschleunigen», hiess es.

Vom Wasser ist nun aber nichts mehr zu sehen. Die Baudirektion hat dafür eine Erklärung: «Der Weiher verfügt über einen Ablass, um ihn bei Bedarf periodisch zu entleeren. Dies wurde nun vorgenommen und der Weiher ausgemäht und entkrautet. Gleichzeitung wurde der Ablass repariert.» Die Öde im Teich ist somit gewollt.

«Damit sich Weiher langfristig als Laichgewässer für verschiedene Tierarten eignen, dürfen sie nicht zuwachsen, verlanden oder verschlammen. Um dies zu verhindern, braucht es einen periodischen Unterhalt», so die Baudirektion. Der traurige Anblick, der sich Sauter bot, hat somit zum Zweck, dass der Teich für die kommende Saison wieder von den Tieren genutzt werden kann. Doch was passiert unterdessen mit ihnen?

Auf die Störung reagieren

«Die nötigen Pflegeeingriffe bei Weihern werden am besten im Herbst durchgeführt. Dann sind Kaulquappen, Molch- und Libellenlarven grösstenteils ausgewachsen und haben den Weiher verlassen», heisst es von der Baudirektion. Diejenigen Tiere, die sich dennoch im Weiher aufhalten würden, seien dank den warmen Temperaturen noch aktiv und könnten auf die Störung reagieren. Sie würden auf die Weiher in der Umgebung ausweichen.

Das Rätsel um die «Radikalkur», wie Sauter die vorgefundene Öde nennt, ist somit gelöst. Der schöne Anblick des Teichs beim Spazieren wird er nicht mehr lange missen müssen. «Der Weiher bleibt weiterhin bestehen», bestätigt die Baudirektion. Man warte nun nur noch auf den Regen, der den Teich wieder füllen soll. Die Vegetation werde sich rasch wieder ausbilden und der Weiher mit den Jahren zunehmend verlanden, bis für seinen Erhalt ein weiterer Pflegeeingriff notwendig werde.