Schlieren

Der Kanton hat das Kreiselprojekt festgesetzt – Hauptforderung des Drogisten wurde nicht berücksichtigt

Grundzüge des Bauvorhabens.

Grundzüge des Bauvorhabens.

Der Zürcher Regierungsrat hat das Projekt zum Ausbau des Stadtplatzes in Schlieren festgesetzt. Im Stadtzentrum soll ein neuer, einspuriger Verkehrskreisel enstehen, auf dem sich auch die Haltestellen für Busse und die Limmattalbahn befinden.

Der Zürcher Regierungsrat hat das Projekt zum Ausbau des Stadtplatzes in Schlieren festgesetzt. In einer Medienmitteilung liess er gestern verlauten, dass im Stadtzentrum ab 2018 ein neuer, einspuriger Verkehrskreisel entstehen soll, auf dem sich auch die Haltestellen für Busse und die Limmattalbahn befinden.

Die Ringstrasse wird dazu zurückgebaut. Westlich des Kreisels wird die Badenerstrasse aufgehoben und der Verkehr um den vergrösserten Stadtpark herumgeführt. So die Grundzüge des Bauvorhabens. Mit dem Projekt muss sich jedoch vielleicht schon bald das Verwaltungsgericht befassen.

Der Schlieremer Detaillistenpräsident Philipp Locher, der an der Bahnhofstrasse eine Drogerie führt, hat nämlich im Rahmen der öffentlichen Auflage des Projekts im Dezember 2013 Einsprache eingelegt.

Dies, weil der Kanton die Abbiege-Möglichkeit aus dem Kreisel in die Bahnhofstrasse für den motorisierten Verkehr sperren will (siehe Grafik). Neu würde die Bahnhofstrasse in einer Art Kreisverkehr über die Neue Fossert- und die Güterstrasse um das Parkside-Gebäude herum erschlossen.

Philipp Locher, Drogist und Präsident der Detaillistenvereinigung Pro Schlieren.

Philipp Locher, Drogist und Präsident der Detaillistenvereinigung Pro Schlieren.

Detaillisten wollen direkte Zufahrt

Locher befürchtet, dass sich dieses Regime auf die Geschäfte entlang der Bahnhofstrasse negativ auswirkt. Dies umso mehr, als dass auf politischer Ebene derzeit im Raum steht, zwischen Bahnhof und Kreisel eine Tempo-20-Zone mit Fussgängervortritt zu schaffen.

«Damit würde sich die Sperrung der Strasse für Einbieger aus dem Kreisel auf uns doppelt negativ auswirken», sagt Locher. Das Gewerbe sei darauf angewiesen, dass die Ladenlokale für Autolenker möglichst direkt zugänglich seien.

Er forderte daher, dass die Abbiege-Möglichkeit vom Kreisel in die Bahnhofstrasse erhalten bleibt. Doch auf diese Forderung ist der Kanton nicht eingegangen. Die Planer stellen sich auf den Standpunkt, dass Abbieger Rückstaus im Kreisel verursachen würden. Dies, weil sie das Trottoir überqueren und davor im Kreisel warten müssten, bis Fussgänger die Stelle passiert haben.

Locher hat sich nun mit seinem Anwalt in Verbindung gesetzt: «Er klärt ab, wie unsere Chancen stehen, wenn wir die Einsprache weiterziehen», sagt er. Allenfalls könnte der Detaillistenpräsident das Projekt des Kantons vor dem Verwaltungsgericht und schliesslich gar vor Bundesgericht anfechten.

Entscheidet er sich dazu, so müsste er bis zum 16. Januar entsprechende Schritte einleiten. Und Locher gibt sich kämpferisch: «Für mich ist das Thema noch lange nicht gegessen.»

In seiner Einsprache stellte der Drogist weitere Forderungen. So verlangte er etwa, dass die Fussgängerstreifen zwischen Kreisel und den umliegenden Trottoirs mit Ampeln versehen werden, um die Pendlerströme dosieren zu können. Dieses Anliegen vertraten die Schlieremer Wirtschaftskammer, der Gewerbeverein und die Detaillistenvereinigung Pro Schlieren bereits in einer frühen Planungsphase gemeinsam. Sie befürchteten, dass der motorisierte Verkehr durch Fussgängerströme ohne Lichtsignale zu stark ausgebremst würden. Da aber nur Anrainer während der öffentlichen Auflage Einspracherecht geniessen, übernahm Locher die Forderung der Wirtschaft.

Auch dieses Anliegen berücksichtigte der Kanton bei der Festsetzung des Kreiselprojekts nicht. «Wir verfolgen den Grundsatz, dass der Kreisel mehr auf die Bedürfnisse der Fussgänger ausgerichtet werden soll», erklärt Thomas Maag von der kantonalen Baudirektion.

Ein Verkehrschaos, wie es das Gewerbe befürchtet, drohe deswegen nicht: «Modelle, die wir errechnen liessen, zeigten klar, dass der Kreisel funktioniert», so Maag. Es könne zu Stosszeiten zwar sein, dass der motorisierte Verkehr etwas langsamer fliesse als sonst, aber zusammenbrechen werde er nicht.

Dafür sorgen laut Baudirektion Lichtsignale auf der Zürcher- und Badenerstrasse, die nur so viel Verkehr in den Kreisel lassen, wie dieser bewältigen kann.

Locher ist nicht der einzige Direktbetroffene, der gegen das Kreiselprojekt vorging. Neben seiner Einsprache gingen bei der Planauflage insgesamt sechs weitere bei der kantonalen Baudirektion ein. Mit fünf Einsprechenden fand der Kanton einvernehmliche Lösungen.Auf eine Einsprache ist die Baudirektion wegen «mangelnder Legitimation» nicht eingetreten.

Der Grosskreisel wird durch die Limmattalbahn AG zusammen mit dem Bau der ersten Etappe der neuen Stadtbahn erstellt. Der Kostenbeitrag des Kantons in der Höhe von 9,16 Millionen Franken ist im Kredit der Limmattalbahn enthalten, den das Stimmvolk am 22. November genehmigt hat.

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