Schlieren

Der Kanton genehmigt östliche Umfahrung des Zentrums nicht

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In den kommenden Monaten wird das Schlieremer Parlament über den kommunalen Verkehrsplan befinden. Damit kommt eine rund vierjährige Planungsarbeit zum Abschluss, die in Zukunft das Stadtbild verändern wird.

Neben zahlreichen Ergänzungen im Netz des Langsamverkehrs sieht der Verkehrsplan etwa optische Aufwertungen des Strassenraums entlang der wichtigsten Verkehrsachsen vor. Das Stadtzentrum soll zu einem grossen Fussgängerbereich werden (siehe Box). Die strittigsten Punkte betreffen aber einige einschneidende Veränderungen für den öffentlichen und den motorisierten Individualverkehr (siehe Grafik), die sich aus der übergeordneten kantonalen Richtplanung ergeben. Dazu gehören etwa der Bau des Verkehrskreisels im Zentrum (Grafik: 4), die Umlegung der Badenerstrasse und die Festlegung des Bahntrassees für die Limmattalbahn.

Vor allem bei den bürgerlichen Parteien sowie den Schlieremer Gewerbevereinen und Wirtschaftsverbänden sorgten die kantonalen Verkehrsprojekte bereits bei der Erarbeitung des kommunalen Richtplans für rote Köpfe. Sie befürchten, dass es nach dem Bau des geplanten einspurigen Kreisels am Stadtplatz, der auch als Haltestelle für die Busse und die Limmattalbahn dienen soll, im Zentrum vermehrt zu Stau kommen werde. Sie forderten umfassende flankierende Massnahmen, um den Durchgangsverkehr aus dem Zentrum auf die Bern-/Überlandstrasse zu leiten. Eine eigens für die Revision der Verkehrsplanung gebildete Verkehrskommission aus Stadtrats-, Verwaltungs- und Parteienvertretern forderte dazu etwa den Bau zweier Umfahrungsrouten westlich und östlich des Zentrums.

Unterführung nicht genehmigt

Der Kanton genehmigte jedoch nur die westliche Umfahrung über die Goldschlägistrasse mit einem Durchstich zur Bernstrasse (1). Die östliche Entsprechung mit einer Bahnunterführung westlich der NZZ-Druckerei zur Verbindung von Zürcher- und Rütistrasse sowie eine Verbindungsstrasse nach Unterengstringen über das Erdbeerifeld (2) wollte er nicht in die kantonale Richtplanung aufnehmen. Auch anderen Forderungen der Verkehrskommission entsprach er nicht: Von einer Sperrung der Engstringerbrücke (6) für den motorisierten Verkehr sah er ebenso ab wie von der Abklassierung der Engstringerstrasse nördlich der Bernstrasse.

Während der öffentlichen Auflage der vorgeprüften Version des Verkehrsplans im Frühling 2012 gingen schliesslich über 60 Einwendungen ein. Die meisten davon entfielen auf die östliche Zentrumsumfahrung. Dennoch sah der Kanton auch bei der zweiten Vorprüfung davon ab, diese Massnahme in seine Richtplanung aufzunehmen.

Route führt durch Kulturland

Drei Gründe hätte die Baudirektion dafür angeführt, sagt der Schlieremer Bauvorstand Markus Bärtschiger (SP): «Eine Unterführung bei der NZZ wäre laut Kanton technisch sehr aufwendig und teuer. Ausserdem ist die Strasse über das Erdbeerifeld nach der Annahme der Kulturlandinitiative nicht realisierbar.» Und schliesslich hätten die Planer argumentiert, dass es beim Abzweiger in eine solche Unterführung zu unerwünschten Rückstaus auf der Zürcherstrasse kommen würde, so Bärtschiger. Man wolle stattdessen den Durchgangsverkehr von Altstetten herkommend bereits bei der Hermetschloo-Brücke auf die Bernstrasse verlagern.

An diese Alternative glauben die Kritiker des Verkehrskreisels jedoch nicht: Gewerbe, das östlich des Zentrums angesiedelt sei, werde kaum den Umweg über die Post Mülligen nehmen, um auf die Bernstrasse zu gelangen, sagt etwa Detaillistenpräsident Philipp Locher: «Der motorisierte Verkehr passiert somit die Gleise weiterhin bei der Engstringerbrücke oder durch die Goldschlägi-Unterführung. Der Ziel- und Quellverkehr funktioniert so in keinster Weise.»

Nachdem der Stadtrat den kommunalen Verkehrsplan zuhanden des Parlaments verabschiedet hat, wird die parlamentarische Spezialkommission Verkehrsplan nun eine Vorprüfung vornehmen. Anschliessend wird das Parlament darüber befinden und gegebenenfalls Änderungsanträge stellen. «Allerdings kann es Änderungen nur an den kommunalen, nicht aber den kantonalen Festlegungen vornehmen», sagt Bärtschiger. Schliesslich muss der Kanton das Planungsinstrument genehmigen, damit es in Kraft tritt. Danach können Gegner des Projekts gegen einzelne Teilprojekte der Verkehrsplanung nur noch mit baurechtlichen Einsprachen vorgehen.

Ebendies hat Philipp Locher im Fall des kantonalen Teilprojekts Zentrumskreisel vor: Seine Detaillistenvereinigung Pro Schlieren, der Gewerbeverein und die Wirtschaftskammer hatten während der Planauflage des Projekts eine zweispurige Führung des Kreisels, Lichtsignalanlagen bei den Fussgängerstreifen über die Fahrbahn sowie einen Verzicht auf das Ein- und Ausbiegeverbot in und aus der Bahnhofstrasse gefordert. Rund 140 ihrer vorformulierten Einwendungsschreiben gingen ein. Dennoch: Der Kanton entsprach keiner der drei Forderungen. Eine sogenannte Einigungsverhandlung mit dem Amt für Raumentwicklung habe zu keiner gütlichen Lösung geführt, sagt Locher: «Ich werde deshalb juristisch gegen den Richtplan kämpfen. Wenn nötig bis vor Bundesgericht.»

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