Zwei Wochen vor dem Urnengang kommt Schwung in den Abstimmungskampf. Mit Flugblättern kämpfen Gegner und Befürworter der Ortsbus-Verlängerung von Uitikon nach Schlieren um jede Stimme. Unterschiedlicher könnten die Urheber dieser Kampagnen aber kaum sein. Für die einen ist der vierjährige Testbetrieb mit Kosten von insgesamt 2,4 Millionen Franken pure Geldverschwendung, für die anderen braucht es diese Investition für eine fortschrittliche Gemeinde.

Wie viele Flugblätter er genau drucken liess, weiss Rinaldo Benedetto nicht mehr genau. Es müssen rund 1200 gewesen sein, wie der ehemalige Uitiker Gemeinderat und SVP-Mitglied auf Anfrage sagt, schliesslich wurde jeder Haushalt mit einem Exemplar beliefert. «Mit meinem Rücktritt im Jahr 2010 nach 14-jähriger Tätigkeit in der Exekutive hatte ich mich eigentlich aus der Politik zurückgezogen. Doch bei dieser Vorlage blieb mir keine andere Wahl, als aktiv zu werden», sagt er. Er doppelt nach: «Die Politik, die der Gemeinderat betreibt, ist absolut weltfremd.» Die Erhöhung des Steuerfusses der Schul- und der politischen Gemeinde von vergangenem November zeige auf, dass Uitikon seine Ausgaben drosseln müsse. «Es stehen noch weitere grosse Projekte bevor. Nun einen Millionenbetrag für einen Bus auszugeben, der später nicht genutzt wird, ist absolut sinnlos,» so Benedetto.

Neues Komitee gegründet

Der Uitiker Gemeinderat sieht dies ganz anders. So entspringt die Vorlage einer Petition aus der Bevölkerung, in der eine Busverbindung nach Schlieren gewünscht wurde. Halbstündlich unter der Woche und stündlich an Sonntagen soll die Buslinie 201 via Lilienzentrum an den Schlieremer Bahnhof verlängert werden. Auf diese Weise werde sich die Reisezeit zwischen Uitikon und dem Limmattal von aktuell bis zu einer Stunde auf acht Minuten reduzieren, wie der Gemeinderat in der Weisung schreibt.

Rückenwind erhält der Gemeinderat von einem neu gegründeten, unabhängigen Komitee mit Namen «Ja zur Ortsbus-Verlängerung». Ins Leben gerufen hat es Daniel Schwendimann. Das FDP-Mitglied fragte gezielt namhafte Uitiker aus den Bereichen Sport, Wirtschaft und Politik an, ob sie für den Bus werben würden, wie er gegenüber der Limmattaler Zeitung sagt. Neben Nature-First-Verwaltungsrätin Nadja Ferg-Marty stellen sich auch die Präsidenten des Fussballclubs Daniel Wallner und jener des Tennisclubs, Martin Tschudi, hinter den Bus. Unabhängig von Benedettos Flyer liess das Komitee vergangene Woche ebenfalls jeden Uitiker Haushalt mit einem Flugblatt beliefern. Für Schwendimann, der in Uitikon wohnt und in Schlieren ein Finanzunternehmen leitet, ist diese Busverbindung entscheidend bezüglich der weiteren Entwicklung der Gemeinde: «Uitikon wächst und das Limmattal boomt – viele unserer Einwohner arbeiten in Schlieren oder in Zürich-West. Diese Busverbindung entlastet also nicht nur die SZU-Bahn und die Busse via Triemli nach Zürich, sondern auch die Strassen.» Wallner verweist darauf, dass er aus dem Fussballclub viele Teenager kenne, die in Schlieren eine Lehre absolvieren: «Ihr Arbeitsweg könnte sich auf einen Schlag drastisch reduzieren. Dies muss sich die Gemeinde leisten», sagt er. Komitee-Mitglied und Geschäftsleiter zweier Physiotherapie-Zentren, Tamim Kandil, verweist auf den Slogan Uitikons: «Die Gemeinde mit Weitsicht». Am 25. September hätten die Stimmbürger die Chance zu beweisen, dass sie auch weitsichtig sind.

Vonseiten der Partei-Parolen lässt sich kein eindeutiger Trend feststellen: So sprach sich die FDP-Ortspartei gegen den Ortsbus aus, die Grünen klar dafür. Die SVP wie auch die CVP geben den Stimmberechtigten keine offizielle Parole mit auf den Weg. Und die Rechnungsprüfungskommission empfiehlt das Geschäft zur Ablehnung.

Kategorisch möchte Benedetto einen Bus nach Schlieren dann doch nicht ausschliessen: «Wenn dann die Limmattal dereinst fährt, lässt sich darüber diskutieren, ob es einen Bus geben sollte, der die Gemeinde an die Stadtbahn anschliesst», sagt er. Bis es jedoch soweit sei, sei der Bus sicherlich nicht notwendig.