Ein altes, heruntergekommenes Haus ist zurzeit das in Dietikon am härtesten umkämpfte Gebäude: Der «Alte Bären» auf dem Kroneareal liess am Donnerstagabend im Parlament die Wogen hochgehen.

Der Grund: Der Stadtrat will den «Alten Bären», welchen die Stadt 2005 gemeinsam mit weiteren Gebäuden auf dem Areal erwarb, verkaufen. Den Erlös von voraussichtlich etwa 400 000 Franken soll in die Sanierung der benachbarten Zehntenscheune fliessen. Mittels Motion versuchte eine Gruppe von Gemeinderäten rund um Manuel Peer (SP) dies zu verhindern. Ihre Forderung: Die Stadt soll das historisch bedeutende Gebäude nicht aus den Händen geben, sondern sanieren und vermieten.

Gegen einen «Ausverkauf der Heimat»

Er wolle einen «Ausverkauf der Heimat» abwenden, sagte Peer am Donnerstag im Parlament. Die historische Mitte Dietikons müsse als Ort der Identifikation bewahrt werden. «In dem Moment, in dem die Stadt den Alten Bären verkauft, ist sie ärmer – an kulturellem und ideellem Wert wie auch an Besitz», sagte er. Zudem dürfe man ein derart wichtiges Gebäude nicht für «ein Butterbrot» verkaufen.

Peer schlug drei mögliche Vorgehensweisen vor: Man könne einen Architekturwettbewerb ausschreiben, die Planung an einen Totalplaner delegieren oder sogar an einen Totalunternehmer, der von der Planung bis zum Bau alles übernehme.

Sanierung der Zehntenscheune ist teuer

Der Stadtrat wollte die Motion nicht entgegennehmen. Es liege ein überzeugendes Projekt vor, welches den «Alten Bären» wieder seiner ursprünglichen Wohnnutzung zuführen wolle, sagte Hochbauvorsteherin Esther Tonini (SP). Zudem wolle man finanziell etwas für die Sanierung der Zehntenscheune herausholen, die 2,5 bis 3 Millionen kosten werde.

Die SVP war für einen Verkauf. Denn auch ein Totalunternehmer übernehme nicht alle Arbeiten, sagte Markus Erni. Und wie man am Beispiel der Taverne Krone sehe, werde ein solches Sanierungsprojekt immer teurer als gedacht. So öffne man «ein Fass ohne Boden».

«Stadt muss Prioritäten setzen»

Werner Hogg (FDP) sagte: «Die Stadt Dietikon muss in ihrer Finanzplanung Prioritäten setzen.» Es sei besser, wenn man nicht alles wolle, sondern sich auf ein Projekt konzentriere: die Zehntenscheune.

Vehement für das unter kommunalem Denkmalschutz stehende Gebäude setzte sich Reto Siegrist (CVP) ein, dem es aber nicht gelungen war, seine ganze Fraktion von seiner Meinung zu überzeugen. «Der Kronenplatz ist der Zeitzeuge Dietikons, der für die letzten 300 Jahre steht», sagte Siegrist, der fragte, ob man diesen wirklich mit «fremden Herren» teilen wolle. Man müsse handlungsfähig bleiben und dieses Kulturgut für künftige Generationen bewahren.

Auch Martin Müller (DP) sprach sich für die Motion aus. Es sei unsinnig, dass man den «Bären» verkaufen und gleichzeitig das Haus Brechtbühl auf dem Areal abreissen und dessen Wert vernichten wolle.

Grüne sprechen von «Bschiss»

Verkaufe man den «Alten Bären», gehe ein wichtiger Raum für die Öffentlichkeit verloren, sagte Samuel Spahn (Grüne). Der Stadtrat, der in Sachen Zentrum eine grosse Fantasielosigkeit zeige, habe offensichtlich immer noch nicht gemerkt, was Öffentlichkeit bedeute. Dass man suggeriere, mit dem Erlös könne man die Zehntenscheune sanieren, nannte Spahn einen «Bschiss». Als Architekt könne er nur den Kopf schütteln, sagte Lucas Neff (Grüne): Es sei unvorstellbar, dass man einen Teil eines Ensembles verkaufen wolle, das unter dem gleichen Dach stehe. Mit Blick auf die Finanzen sagte Neff: Die Stadt habe nur ein Problem mit der laufenden Rechnung. Eine Investition, die danach einen Ertrag abwerfe, sei hingegen mehr als lohnenswert. Ebenfalls «ganz klar» gegen den Verkauf war Ernst Joss (AL). Der «minime» Betrag, den man dafür bekomme, werde die finanziellen Probleme der Stadt nicht lösen, sagte er.

SP gibt nicht auf

Das Parlament verhinderte schliesslich die Überweisung der Motion mit 18 zu 12 Stimmen. Doch die SP will nicht augeben: Sie hat bereits angekündigt, am Freitag eine Volksinitiative zur Rettung des Bären starten zu wollen.