Birmensdorf
Der Kampf für Tierrechte braucht Kraft

Vor fünf Jahren gründete Brigitte Post die Stiftung Tierbotschafter.ch – sie hat seither viel erreicht.

Daniel Diriwächter
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Will sich auch um hiesige Pobleme kümmern: Brigitte Post, zu Hause in Birmensdorf, umgeben von ihren drei Hunden.

Will sich auch um hiesige Pobleme kümmern: Brigitte Post, zu Hause in Birmensdorf, umgeben von ihren drei Hunden.

Daniel Diriwächter

Vor fünf Jahren wusste Brigitte Post: Es ist Zeit, zu handeln. Die etablierte Marketingfachfrau und Unternehmerin war erfolgreich im Beruf, doch ihre Herzensangelegenheit war eine andere: das Wohl der Tiere.

Durch ihr Interesse wurde sie immer öfter mit dem Elend konfrontiert, dem Millionen von Vierbeinern ausgesetzt sind. Etwa den streunenden Strassenhunden, auf die nicht selten der Tod durch Vergiften oder Abschlachten wartet. Post wusste früh, dass es andere Lösungen gibt. Statt zu resignieren, gründete sie in Birmensdorf die Stiftung Tierbotschafter.ch. Es war der Beginn eines engagierten Projekts, dessen Unterstützung mittlerweile um den ganzen Erdball reicht.

«Seit der Gründung der Stiftung hat sich vieles getan», sagt Post. «Wir wurden nachhaltiger und auch kompromissloser.» Wir, das ist die Gründerin und Präsidentin, deren Lebenspartnerin Esther Hiltpold, die als Stiftungsrätin amtet, sowie Magda Muhmenthaler als Vizepräsidentin. Letztere hatte bereits einen Verein für Tiervermittlungen gegründet und galt mit ihrer Arbeit als Vorbild für Post.

Die Stiftung: Einzelkämpfer und Organisationen

Die 2012 in Birmensdorf gegründete Stiftung Tierbotschafter.ch unterstützt Einzelkämpfer und kleine Organisationen mit eigenen nachhaltigen Tierschutzprojekten finanziell, mit Sachspenden, durch Vermittlung von Tierpaten oder fachlichem Support im Bereich PR und Kommunikation. Die Stiftung verfolgt keine kommerziellen Zwecke und erstrebt keinen Gewinn. Sie untersteht der eidgenössischen Stiftungsaufsicht. Zur Ausübung ihrer Tätigkeit ist sie auf Spenden angewiesen, die ohne Abzüge in den Tierschutz fliessen.

Tierbotschafter.ch unterstützt viele Einzelkämpfer und kleine Organisationen von Birmensdorf aus in Ländern wie Thailand oder Marokko. Die Stiftung verspricht, dass die Spenden zu 100 Prozent für Tiere eingesetzt werden. Deswegen müssen die Tierschützer regelmässig über den Stand der Dinge berichten. «Über jeden Hund und jede Katze, die durch unsere Hilfe kastriert wurde, habe ich genaue Angaben», sagt Post.

Kastration ist die Lösung

Es ist mittlerweile belegt, dass die Kastration das einzig nachhaltige Mittel ist, um die Population von streunenden Tieren aufzuhalten und auch, um Seuchen wie Tollwut zu bekämpfen. Im Fachjargon spricht man von «Trap – Neuter – Return», also einfangen, kastrieren und zurück ins Revier bringen. Eine Mammutaufgabe: So soll es weltweit bis zu 400 Millionen Strassenhunde geben. «Irgendwo muss man beginnen, auch wenn es nur ein Tropfen auf dem heissen Stein ist», lautet Posts Devise.

Hinzu kommt, dass sich das systematische Töten von Hunden als Geldquelle entpuppte. Ein unrühmliches Beispiel diesbezüglich ist Rumänien. Ein Missstand, der Post nachdenklich macht. Sie blickt dabei auf ihre Hündin Abha, welche mit «Sternentiere», die Tiefhilfe vor Ort leistet, einem städtischen Zwinger in Bukarest entkommen ist. Die stattliche Hündin hat noch in Rumänien ein Auge verloren, erlangte aber in der neuen Heimat ihre Zutraulichkeit zurück. «Dennoch schreckt sie zusammen, wenn ein Mann mit einem Stab daherkommt», sagt Post.

«Über jeden Hund und jede Katze, die durch unsere Hilfe kastriert wurde, habe ich genaue Angaben.»

Brigitte Post,
Tierschützerin aus Birmensdorf

Ein grosser Erfolg wurde jüngst in Agadir, einer Stadt im Süden Marokkos, erreicht. Dort setzt sich die Tierschützerin Michèle Augsburger seit Jahren für herrenlose wie verwahrloste Samtpfoten und Schnauzer ein. Noch bis letzten Sommer wurden dort streunende Hunde vergiftet, doch die Schweizerin mit marokkanischen Wurzeln konnte mit der Hilfe der Stiftung die Verantwortlichen der Stadt überzeugen, dass ein Kastrations- und Impfprogramm sehr viel nachhaltiger sei. «Es ist ein Etappensieg», so Post, «aber wir müssen dranbleiben, sonst könnte sich alles wieder ändern.»

Hilfe auch in der Schweiz

Die Stiftung ist auch in der Schweiz aktiv. «Es war mir ein Anliegen, das wir uns auch um hiesige Probleme kümmern», so Post. So wird etwa der Verein «Zweites Leben für Sportpferde» im Zürcher Unterland unterstützt. Unter seiner Obhut leben mittlerweile 13 ehemalige Pferde, die früher für klingende Kassen sorgten und heute ein artgerechtes Leben im Ruhestand verbringen dürfen. Viele von ihnen sind Härtefälle; sie wurden ausgemustert oder falsch behandelt. Ein weiteres Engagement gilt der Hornkuh-Initiative. «Rinder benötigen ihre Hörner», sagt Post.

Die gängigen Amputationen – das Horn ist ein durchblutetes wie auch schmerzempfindliches Organ – werden auch deshalb gemacht, weil ein Laufstall für horntragende Kühe um rund ein Drittel grösser sein muss. Auch in der Schweiz könne es durchaus eine Kostenfrage sein, die über das Wohlergehen von Tieren entscheidet, sagt Post. In den vergangenen fünf Jahren hat die Stiftung zunehmend derartige Projekte unterstützt, aber auch jährlich an Akzeptanz gewonnen und mehr Spendengelder eingenommen.

Wichtig für den Wiedererkennungswert sind die Tierbotschafter selbst: In einer Langzeit-Kampagne stehen verschiedene Menschen mit ihrer persönlichen Botschaft für das Wohl der Tiere ein. Sei es mit Stellungnahmen wie «Tiere haben keine Nationalität» oder Fragen wie «Wann erkennt der Mensch, dass Liebe und Respekt zum Tier auch ihm von Nutzen sind?»

Ein reiches Leben

Es erstaunt, dass Post im Hauptamt auch noch eine eigene Kommunikations- und PR-Firma leitet. Das sei tatsächlich viel Arbeit, komme sich aber nicht in die Quere, sagt sie. Von Vorteil sei, dass sie meist nicht direkt mit den unerträglichen Situationen konfrontiert sei. Ihr Respekt gebührt deshalb den Einzelkämpfern vor Ort. «Aber es gibt Momente, bei denen ich merke, dass ich wieder Kraft tanken muss», gesteht sie. Dies kann sie in der Natur mit den Hunden sowie bei der Kunst als Malerin: Ihre Seiden-Expressionen sind mehr als ein Hobby; ausgewählte Bilder hängen derzeit in einer Galerie in Aarau.

Dennoch entsteht der Eindruck, dass ihre Stiftung stets an erster Stelle kommt. Dabei habe sie als Stadtkind, aufgewachsen an der Badenerstrasse in Schlieren, «ausser des obligaten Hamsters» keine eigenen Tiere gehabt, erzählt sie und lacht. Der «Draht» zu den Tieren sei aber immer da gewesen und als Erwachsene legte sie sich zuerst Katzen, dann Hunde zu. Mittlerweile bestimmen weltweit viele Tiere ihren Tagesablauf. Fünf Jahre harte Arbeit bestätigen sie in ihrem Vorhaben, die Stiftung auch weiterhin auf Kurs zu halten.