Seitdem die 41 Schlieremer Eltern ihre Unterschriften beim Stadtpräsidenten Markus Bärtschiger (SP) deponiert haben, sind bereits zwei Monate verstrichen. Sie setzen sich für den Verbleib des beliebten Seklehrers Stefan Achermann an der Schlieremer Schule ein. «Über die Weihnachtszeit hat sich wenig getan. Die Menschen hatten andere Prioritäten. Doch nun starten wir mit frischem Tatendrang ins neue Jahr», sagt Lothar Seiler auf Anfrage. Er ist einer der drei Delegierten der protestierenden Eltern.

Ende November ereilte ein Paukenschlag die Schule Kalktarren. 41 Eltern und zahlreiche Schüler setzten ihre Unterschrift unter eine Petition, wonach Achermann weiterhin in Schlieren angestellt bleiben solle. Dieser hatte die Kündigung eingereicht, weil ihm die Umsetzung des neuen IT-Konzepts ein Dorn im Auge war. Denn er und sein Lehrerkollege Harald Schurr hätten ihre IT-Ausrüstung wie Beamer und Computer aus dem Schulzimmer entfernen müssen. Der Grund: Laut Schulleitung sollten alle Schülerinnen und Schüler auf dem gleichen Niveau sein bezüglich der technischen Hilfsmittel. Im Detail wollte die Schule eine neue Beleuchtung installieren, die neuen Energiesparmassnahmen umsetzen und alle Zimmer auf das neue IT-Konzept umrüsten.

Nun schöpft man aus dem Vollen

Die Eltern verlangen in ihrer Petition, dass die Kündigung rückgängig gemacht werde und mit Achermann das Gespräch gesucht werde. Der Lehrer habe gegenüber den Eltern suggeriert, dass er bleiben würde, wenn er seine Ausrüstung behalten dürfe. In den zehn Jahren seiner Lehrertätigkeit in Schlieren habe er bislang 70 000 Franken aus seiner eigenen Tasche für die Computer und Beamer ausgegeben. Er wolle nicht zurück in die pädagogische Steinzeit gehen, sagte er Ende November gegenüber der Limmattaler Zeitung.

Nun planen die Eltern rund um Seiler neben der Petition noch weitere Massnahmen. Sie versuchen, mit einer intensiven Flugblatt-Aktion Entscheidungsträger wie etwa Gemeinderäte oder Schulpfleger für einen Dialog zu gewinnen. «Dies war bisher kaum möglich.» Am ersten Samstag im Februar – also in gut zwei Wochen – veranstalten die Schüler eine zusätzliche Flugblatt-Aktion für Herrn Achermann. «Sie werden sich auf dem Stadtplatz, vor dem Lilienzentrum und auf dem Kesslerplatz verteilen und die Einwohner darauf aufmerksam machen, dass Herr Achermann ein beliebter Lehrer ist, dem eine zukunftsorientierte Ausbildung der Kinder am Herzen liegt.»

Protest im Parlament

Darüber hinaus reiche man bald eine Aufsichtsbeschwerde gegen die Schulpflege ein. Demnach kommt der Fall Achermann bald auf den Tisch des Bezirksrats. Details dazu gibt es jedoch noch keine.

Als weitere Massnahme sehen die aktiven Eltern einen Protest an der Gemeinderatssitzung vom 4. Februar vor. Bereits anlässlich der Budgetdebatte fanden sich rund zehn Eltern mit einem Banner im Saal des Schulhauses Reitmen ein. Sprechchöre oder anderweitige Störungen der Gemeinderatssitzung blieben jedoch aus. «Wir wollen hauptsächlich Präsenz markieren und der Politik vermitteln, dass die Sache für uns noch nicht erledigt ist», sagt Seiler.
Die Zeit drängt: Eigentlich hätte Achermann sein Schulzimmer bis nach den Sport- oder Frühlingsferien räumen sollen. Doch die Schule entschied, mit den Umbauarbeiten bis zum Start der Sommerferien zu warten.

Seiler zeigt sich bezüglich der Erfolgschancen zweckoptimistisch: «Eltern und Schüler sind noch immer davon überzeugt, dass Herr Achermann bleiben soll. Ob es klappt, wird sich erst noch zeigen.» Die Gruppe sei aktuell dabei, noch mehr Aktionen zu planen, doch seien diese noch nicht spruchreif.

Schulpräsidentin Bea Krebs (FDP) hält an der Umsetzung des IT-Konzepts fest. «Deshalb ist die Basis für eine längerfristige Zusammenarbeit nicht gegeben», sagt sie auf Anfrage. Die Schulpflege bedaure aber, dass die Schülerinnen und Schüler eine beliebte Lehrperson verlieren würden.